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Arbeit im Alter : Gabriel gerät in der Rentendebatte in die Kritik

SPD-Chef Sigmar Gabriel Bild: dapd

Der SPD-Chef hat gerade geklagt, dass ältere Arbeitnehmer in Zeiten guter wirtschaftlicher Entwicklung „aus dem Arbeitsleben“ gedrängt würden. Die Zahlen belegen das Gegenteil.

          SPD-Chef Sigmar Gabriel stößt mit seinem neuen Vorstoß in der Rentendebatte auf harsche Kritik von Arbeitsmarkt- und Sozialforschern sowie Arbeitgebern. Gabriel hatte in einem Interview behauptet, die Arbeitgeber hätten die Zahl älterer Arbeitsloser in einer Zeit mit exzellenter Wirtschaftslage um 35 Prozent steigen lassen.

          Johannes Pennekamp

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          „Menschen, die älter als 60 sind, wurden unnötig aus dem Arbeitsleben gedrängt“, ließ sich Gabriel zitieren. Die Aussage des SPD-Chefs fügt sich in die Argumentation der Sozialdemokraten, die ihr teilweises Abrücken von der Rente mit 67 mit der ihrer Ansicht nach unzureichenden Beschäftigungssituation Älterer begründen.

          Zahl der Beschäftigten über 60 hat sich verdoppelt

          „Die Zahlen sprechen eine andere Sprache“, widerspricht Carsten Pohl, Forscher am Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Die Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter den 60 bis 64 Jahre alten Arbeitnehmern von 660.000 im Jahr 2000 auf knapp 1,35 Millionen im Jahr 2011 verdoppelt hat.

          Auch bei den 55- bis 65-Jährigen ist ein Anstieg der Beschäftigungsquote und Beschäftigtenzahl zu verzeichnen. Gabriels Aussage dagegen bezieht sich allein auf die Zahl der gemeldeten über 60 Jahre alten Arbeitslosen. Diese Zahl hat zuletzt zugelegt, was Experten unter anderem darauf zurückführen, dass durch eine Änderung des Sozialgesetzes seit dem Jahr 2008 auch Personen mitgezählt werden, die zuvor als Bezieher von Arbeitslosengeld unter „erleichterten Bedingungen“ nicht in der Statistik auftauchten.

          Börsch-Supan: Populistischer Gabriel

          Axel Börsch-Supan, Direktor des Münchner Center for the Economics of Aging (MEA), hält diese selektive Datenauswahl für nicht redlich: „Die Aussage ist durch keinerlei Evidenz gedeckt, es ist unehrlich, über die Entwicklung zu jammern“, sagte er dieser Zeitung. Gabriels Vorstoß bezeichnete er als „Populismus pur“. Unbestritten sei, dass die erschwerten Voraussetzungen für die Frühverrentung und die Schritte zur Rente mit 67 zu Verhaltenänderungen geführt hätten. „Im großen und ganzen sehen wir einen riesigen Fortschritt bei der Beschäftigung Älterer“, sagte Börsch-Supan.

          Scharfen Widerspruch erntete Gabriel auch von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Die Beschäftigung Älterer sei in den letzten Jahren stärker als in allen anderen Altersgruppen gestiegen. Die Darstellung Gabriels „ist daher eine bewusste Irreführung“, sagte Hundt. Der Arbeitgeberpräsident hatte bereits in der Vergangenheit vor einem Abrücken von der Rente mit 67 gewarnt.

          Mehr Weiterbildung für Ältere

          Der nordrhein-westfälische Landesverband der SPD hatte am vergangenen Wochenende einen Beschluss der Bundesparteitages bekräftigt, nach dem das Renteneintrittsalter erst dann ansteigen soll, wenn mindestens die Hälfte der über 60 Jahre alten Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Gabriels Vorgänger, Franz Müntefering, hatte das Aussetzen der Rente mit 67 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung kritisiert. „Ich bin stolz darauf wie viel wir erreicht haben“, sagte Müntefering. Den Aufwuchs bei der Beschäftigung Älterer zu konterkarieren, sei „auch psychologisch unklug“.

          Gabriel regt zudem an, Arbeitgeber, die „altersgerechte Arbeitsplätze“ schaffen, mit geringeren Sozialabgaben zu belohnen. Forscher Börsch-Supan warnt davor, dass das Rentensystem durch solche Subventionen zu verkomplizieren: „Es müsste ein zusätzlicher Apparat dafür geschaffen werden, was letztlich nicht sinnvoll wäre.“ Für zielführender hält er, stärkere Anreize für die Weiterbildung Älterer zu setzen.

          Quelle: F.A.Z.

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