30.11.2007 · Viele Hausbesitzer in Amerika sind aufgrund der Immobilienkrise weiter in Nöten. Sie haben sich verspekuliert, häufig droht die Zwangsversteigerung. Jetzt bestehen Rettungs-Pläne: Die Zinssätze für viele Eigenheimkredite sollen möglicherweise eingefroren werden.
Von Norbert Kuls und Claus TiggesDie amerikanische Regierung und führende Banken des Landes stehen kurz davor, einen Rettungsplan für Hausbesitzer aufzustellen, denen die Zwangsversteigerung ihres Eigenheims droht. Die Finanzinstitute, darunter die Großbanken Citigroup, Wells Fargo & Co., Washington Mutual sowie Countrywide Financial, die größte Hypothekenbank des Landes, sind offenbar bereit, die Zinsen von Hypothekendarlehen an Schuldner mit geringer Bonität (Subprime Mortgages) für bis zu sieben Jahre auf dem niedrigen Eingangszinssatz einzufrieren und vorerst auf die in den Kreditverträgen vereinbarte Anhebung zu verzichten. Die Details des Plans sollen in der kommenden Woche veröffentlicht werden.
Viele der Subprime-Hypotheken waren mit vergleichsweise niedrigen Lockzinssätzen ausgestattet, die nach einem bestimmten Zeitraum heraufgesetzt werden. Traditionelle Hypotheken in den Vereinigten Staaten haben dagegen einen festen Zinssatz. Eine typische, in den vergangenen Jahren populär gewordene Subprime-Hypothek startet mit einem Zinssatz von 7 Prozent oder 8 Prozent, der dann nach zwei oder drei Jahren auf 9,5 Prozent bis 11 Prozent steigt. Für Hausbesitzer könnte das zusätzliche Belastungen von mehreren hundert Dollar pro Monat bedeuten.
Zahl der Zwangsversteigerungen gestiegen
Da Subprime-Hypotheken an wenig kreditwürdige Kunden vergeben wurden, ist die Zahl der Zwangsversteigerungen von Häusern schon deutlich gestiegen. Banken hatten diese Hypotheken zudem oft ohne oder nur mit einer geringen Anzahlung vergeben. Bei traditionellen Hypotheken ist eine Anzahlung von 20 Prozent auf den Kaufpreis des Hauses üblich. Zudem wurde bei zweitklassigen Immobilien-Darlehen das Einkommen der Kreditnehmer in der Regel nicht eingehend geprüft. Da die Häuserpreise gefallen sind, können Hausbesitzer die Immobilien jetzt auch nur schlecht verkaufen. Die Bank of America schätzt, dass im kommenden Jahr bei Subprime-Hypotheken im Volumen von 362 Milliarden Dollar eine Anhebung der Raten fällig wird.
Hypotheken werden von Banken auch als Anleihepakete verbrieft und an Investoren verkauft. Diese Investoren haben sich zunächst gegen ein Einfrieren der Zinssätze gesträubt, weil sie von höheren Zahlungen profitieren würden. Die Investoren, zu denen ebenfalls Banken gehören, haben sich nun jedoch auf eine Kooperation eingelassen. Steigende Kreditausfälle und Zwangsversteigerungen hatten zu weniger Nachfrage nach hypothekenbesicherten Wertpapieren und zu hohen Wertberichtigungen geführt. „Wir unterstützen Änderungen an den Krediten in angemessenen Umständen und arbeiten an systematischen Verfahren, um deren Andienung zu erleichtern“, sagte eine Sprecherin des American Securitization Forum. In diesem Verband haben sich Finanzdienstleister zusammengeschlossen, die auf Verbriefung und Kauf hypothekenbesicherter Anleihen spezialisiert sind.
Bernanke schürt Hoffnungen auf Zinssenkung
Derweil hat der Chairman der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, die Hoffnungen der Finanzmarktakteure auf eine weitere Zinssenkung geschürt. Die Schwäche des Häusermarktes und die Turbulenzen auf dem Markt für Hypothekendarlehen hätten die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und Verbraucher verschlechtert, sagte Bernanke vor der Handelskammer in North Carolina.
„Ich rechne damit, dass die Einkommen und der Konsum weiter zulegen werden. Aber die Kombination aus höheren Benzinpreisen, dem schwachen Häusermarkt, schärferen Kreditkonditionen und fallenden Aktienkursen wird vermutlich als Gegenwind für die Verbraucher wirken“, sagte Bernanke. Bernanke ließ die Bereitschaft erkennen, den Zinssenkungen von September und Oktober um zusammen 0,75 Prozentpunkte weitere folgen zu lassen und den Leitzins von aktuell 4,5 Prozent noch zu senken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.366,07 | −2,01% |
| Dow Jones | 12.439,80 | −1,12% |
| EUR/USD | 1,2402 | −0,69% |
| Rohöl Brent Crude | 103,58 $ | −3,06% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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