08.06.2011 · China verbraucht ein Fünftel des Weltenergiebedarf - und löst die Vereinigten Staaten als größten Verbraucher ab. Der globale Energiebedarf und die Kohlendioxidemissionen steigen stark.
Von Marcus TheurerChina hat die Vereinigten Staaten als größten Energieverbraucher der Welt abgelöst. Nach Berechnungen des britischen Ölkonzerns BP stieg der Energiebedarf in der stark wachsenden chinesischen Volkswirtschaft allein im vergangenen Jahr um 11,2 Prozent und machte damit rund ein Fünftel des globalen Verbrauchs aus. Der globale Energiebedarf insgesamt stieg im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent – so stark wie seit der ersten Ölkrise im Jahr 1973 nicht mehr. 2009 war er dagegen wegen der Weltwirtschaftskrise erstmals seit langem leicht gesunken.
BP warnt, dass dies schlechte Nachrichten für den Klimaschutz seien. Die Daten legten nahe, dass der globale Ausstoß von Kohlendioxid, der maßgeblich für die Aufheizung der Erdatmosphäre verantwortlich gemacht wird, 2010 um 5,8 Prozent gestiegen sei – so stark wie seit 1969 nicht mehr. „Nie zuvor hat die Welt soviel Energie verbraucht wie heute“, sagte Cristof Rühl, der Chefökonom von BP in London bei der Vorstellung des „Global Energy Review“, den der britische Konzern einmal im Jahr veröffentlicht. Der Bericht zählt zu den umfangreichsten Datensammlungen im Energiesektor.
Trotz Sorgen um den Klimawandel sei der Energieverbrauch stärker als die Weltwirtschaft gewachsen, sagte Rühl. Der Bedarf allen wichtigen Energieträgern hat demnach zugelegt: Beim Öl betrug der Anstieg 3,1 Prozent, bei Erdgas 7,4 Prozent, bei der besonders klimaschädlichen Kohle 7,6 Prozent. Die Erneuerbaren Energien fallen dagegen bisher aber mit einem Anteil von 1,8 Prozent am globalen Energieverbrauch kaum ins Gewicht. Allerdings wachsen sie stark: Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien stieg um 15,5 Prozent, bei der Windenergie betrug das Plus sogar knapp 23 Prozent.
Erdgas wird wichtiger
Für den rasant steigenden Energiebedarf der Welt gibt es laut BP zwei Gründe. Einerseits sei er Zeichen für die Erholung der Weltwirtschaft nach der in vielen Ländern vorangegangenen schweren Rezession nach der Weltfinanzkrise. Andererseits treibt die wirtschaftlich Aufholjagd vieler aufstrebender Schwellenländer die Nachfrage nach oben. Neben China verbrauchen auch andere stark wachsende große Volkswirtschaften wie Indien und Brasilien immer mehr Energie. Insgesamt stieg die Nachfrage außerhalb der 34 in der OECD zusammengeschlossenen Industrieländer um 7,5 Prozent und damit fast doppelt so stark wie in diesen.
Der Anstieg der Energienachfrage spiegelt sich vor allem am Ölmarkt bereits stark in den Preisen wieder. Seit dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise im ersten Quartal 2009 hat sich der Ölpreis auf zeitweise über 120 Dollar je Fass (zu 159 Liter) mehr als verdoppelt. Am Mittwoch stieg der Ölpreis stark, nachdem sich Vertreter der des Kartells erdölexportierender Länder Opec nicht auf eine von Beobachtern eigentlich erwartete Ausweitung der Produktion geeinigt haben. Im vergangenen Jahr stieg die globale Ölproduktion laut BP mit einem Plus von 2,2 Prozent deutlich langsamer als der Verbrauch. Die nachgewiesenen Reserven an noch nicht gefördertem Öl schrumpften leicht.
Immer wichtiger wird dagegen Erdgas. Große neue Funde vor allem in den Vereinigten Staaten haben zu Überschüssen geführt, die preisdämpfend wirken. Zu Wochenbeginn veröffentlichte die Internationale Energieagentur einen Bericht, in dem sie für die kommenden Jahrzehnte eine wachsende Rolle von Erdgas in der Energieversorgung vorhersagte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.366,07 | −2,01% |
| Dow Jones | 12.439,80 | −1,12% |
| EUR/USD | 1,2402 | −0,69% |
| Rohöl Brent Crude | 103,58 $ | −3,06% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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