08.12.2003 · Druck auf private Kassen steigt / Kritik an CDU-Gesundheitsmodell
Die Deutsche Krankenversicherung AG (DKV), die größte private Krankenversicherung Europas, erhöht den Druck auf die privaten Krankenversicherungen in Deutschland für eine zügige Neuorientierung der Branche. Ziel müsse sein, die auch von Politik, Verbraucherschützern und Ökonomen verlangte Wechselmöglichkeit innerhalb des privaten Krankenversicherungssystems (PKV) zu ermöglichen, sagte der zum Jahresende scheidende DKV-Vorstandsvorsitzende Jan Boetius in Berlin. "Die privaten Krankenversicherer dürfen sich nicht länger davor verschließen, das Problem zu lösen", sagte Boetius. Er stellte eine Modellrechnung vor, nach der ungehinderte Wechsel ohne neuerliche Risikoprüfung zu unveränderten Beitragssätzen innerhalb der PKV möglich wäre.
Bis Mitte kommenden Jahres sollten sich die 54 privaten Krankenversicherungsanbieter in Deutschland hier zu einer einheitlichen Position durchringen, verlangte Boetius. Die Branche könne nicht wie bisher die Forderungen aus der Politik negieren und mit Hinweisen auf versicherungsmathematische Probleme abtun. Grundsätzlich ist auch heute der Wechsel eines Privatversicherten in eine andere private Kasse möglich. Allerdings verliert der Wechselwillige dabei seine angesparten Altersrückstellungen. Die bleiben der Versichertengemeinschaft des alten Anbieters erhalten. Zudem unterliegt er beim neuen Anbieter einer Risikoprüfung und muß - da er älter geworden ist - einen höheren, risikoadäquaten Beitrag zahlen. Das schließt eine Wechselmöglichkeit derzeit faktisch aus, weshalb es unter den Versicherungen keinen Wettbewerb um den Bestand gibt, sondern nur um Neukunden.
Boetius schlägt vor, über alle PKV-Unternehmen einen Basistarif mit einheitlichen Beiträgen und an den Leistungen der gesetzlichen Kassen orientierten einheitlichen Leistungsstandard zu schaffen. Dieser stünde, nach erforderlicher Anpassung des Versicherungsaufsichtsgesetzes, allen offen, die in der PKV versichert sind, deren Einkommen also über der Pflichtversicherungsgrenze von monatlich 3862,50 Euro (ab Januar) liegt.
Das Szenario, das sich beispielhaft am Modell einer Kopfprämie orientiert, weicht von bisher entscheidenden Kriterien der privaten Assekuranz ab. Die Beiträge könnten geschlechtsunabhängig und nach Eintrittsalter festgelegt werden. Nur beim Eintritt in das PKV-System soll noch eine Risikoprüfung stattfinden, nicht mehr beim Wechsel von einem zu anderen Privatversicherern. Versicherungen dürfen keinen Bewerber ablehnen (Kontrahierungszwang). Es gilt ein einheitlicher Tarif für die Branche, in der Wechselkosten bereits mit veranschlagt sind.
Der Beitragssatz in der DKV-Rechnung beginnt mit 182 Euro im Monat bei 21 Jahre alten Kunden und erreicht in der Spitze mit 55 Jahren einen Betrag von 347 Euro, danach steigt er nicht weiter. Ein 40 Jahre alter Kunde - ob Mann oder Frau - müßte demnach 260 Euro im Monat zahlen. Damit wären Alterungsrückstellungen mit einem kalkulierten Rechnungszins von 3,5 Prozent enthalten. Unternehmen, die aggressiv Kunden abwürben, müßten entsprechend ihr Eigenkapital angreifen oder für die durch den Kundenzuwachs erhöhten Risiken ihre Beiträge erhöhen, was entsprechende gegenläufige und ausgleichende Marktreaktionen erwarten ließe.
Für unausgegoren hält Boetius Finanzierungsmodelle für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV), wie sie Regierungsberater Bert Rürup vorgeschlagen und die CDU mit ihrem Gesundheitsprämienmodell abgewandelt beschlossen hat. Das sei einer Bürgerversicherung zwar überlegen, weil es nicht allein am Arbeitseinkommen festmache. Doch sei darin, anders als in einer kapitalgedeckten Versicherung, keine Vorsorge für die demographische Entwicklung getroffen. Massive Erhöhungen der Gesundheitsprämien seien so spätestens von 2025 an die Folge. Die DKV stellt dagegen ein Modell der schrittweisen Umstellung von der Umlagefinanzierung auf ein kapitalgedecktes Verfahren binnen zehn Jahren. Das führe zwar zu höheren Anfangsbeiträgen, im Zeitablauf aber wegen der Kapitalrückstellung zu einem erheblich niedrigeren monatlichen Beitrag.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.366,07 | −2,01% |
| Dow Jones | 12.439,80 | −1,12% |
| EUR/USD | 1,2402 | −0,69% |
| Rohöl Brent Crude | 103,58 $ | −3,06% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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