Der Wechsel einer Riester-Rente ist zwar möglich, wird von manchen Anbietern aber durch Bürokratie und hohe Kosten erschwert. Trotzdem kann sich die Abwanderung lohnen, denn viele der staatlich geförderten Sparpläne sind exorbitant teuer oder versprechen nur magere Renditen.
Riester-Verträge können bei Banken, Fondsgesellschaften und Versicherern abgeschlossen werden. Der Staat hilft mit Zulagen und Steuervorteilen nach. Dadurch lohnen sich die Verträge für kinderreiche Niedrigverdiener und wegen des Sonderausgabenabzugs bei der Einkommensteuer ebenso für Besserverdiener. Viele kinderreiche Familien erhalten so zu jedem selbst gesparten Euro mindestens einen weiteren vom Staat dazu. Ziel der Förderung ist es, die Eigenvorsorge zu stärken, weil der Staat sich ein gutes Stück aus der Altersvorsorge zurückgezogen hat. Die Riester-Rente soll die entstandene Lücke wenigstens zum Teil schließen.
Wettbewerb der Anbieter stärken
Bei der Gestaltung der staatlichen Förderung war ein weiteres Ziel, den Wettbewerb der Anbieter zu stärken. So ist Voraussetzung für die Anerkennung als förderungswürdiges Produkt, daß die Kunden wechseln können. Zudem müssen die Abschlußkosten auf mindestens zehn, bei neuen Verträgen auf fünf Jahre gestreckt sein. Diese Klausel begrenzt den Verlust für Sparer, die sich in den ersten Vertragsjahren für einen Wechsel entscheiden. Sie haben dann - anders als bei vielen normalen Lebensversicherungen - nur einen Teil der Abschlußkosten vergebens abgestottert.
Ganz ohne Einbußen ist aber auch der Anbieterwechsel bei einem Riester-Vertrag nicht möglich: Wenn ein Kunde samt seines angesparten Kapitals abwandern will, fordern manche Anbieter hohe Abschläge und begründen das mit Verwaltungskosten. Die sind offenbar sehr unterschiedlich. So verlangt die Debeka für die vor diesem Jahr abgeschlossenen Riester-Verträge beim Anbieterwechsel nichts, neue Verträge werden beim Wechsel mit 75 Euro belastet. Bei vielen Versicherern sind 150 Euro üblich. Die Fondsgesellschaft DWS berechnet 50 Euro.
Anfängliche Verluste mehr als ausgleichen
Es gibt aber auch Anbieter mit größerem Appetit. Die Heidelberger Leben zum Beispiel, ehemals MLP-Leben, verzichtet zwar auf eine vorschüssige Berechnung der Abschlußkosten, behält aber bei der Abwanderung des Kunden 2 Prozent der bis zum Vertragsende noch ausstehenden Beiträge ein. So kann bei einem Single, der im Alter von 30 Jahren den Anbieter wechselt. eine Belastung von gut 800 Euro entstehen. Zudem dauert es ein halbes Jahr und braucht viele Telefongespräche, ehe das Kapital an den neuen Anbieter weitergeleitet ist.
Doch trotz solcher Haken und Ösen kann sich der Wechsel lohnen, auch wenn zunächst Geld verlorengeht. Ein Motiv könnte die Erwartung höherer Renditen sein. Denn bei den Lebensversicherern kann die derzeitige Gesamtverzinsung der Verträge um mehr als ein Prozentpunkt pro Jahr auseinanderliegen. Auf diese Weise kann bei langen Restlaufzeiten der anfängliche Verlust mehr als ausgeglichen werden. Ein weiterer Grund kann die laufende Belastung mit Kosten sein.
Ein Beispiel: Die ehemalige MLP-Leben behält von jedem vom Kunden gezahlten Euro 6 Prozent für Abschlußkosten und weitere 6 Prozent für Verwaltungskosten ein. Günstige Lebensversicherer begnügen sich mit jeweils 2 bis drei Prozent für Abschluß und Verwaltung. Bei solchen Differenzen können auch hohe Wechselkosten innerhalb von einigen Jahren aufgeholt werden. Das gilt um so mehr, wenn der Riester-Vertrag mit der nächsten Förderstufe von 2008 an erhöht werden soll.
Kosten beachten und auf Qualität setzen
Markus Partsch www.konversi.de (mpartsch)
- 25.07.2006, 13:29 Uhr
Anbieterwechsel bei Riester-Versicherungen
Rainer Vorpeil (r.vorpeil)
- 26.07.2006, 15:31 Uhr
