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Altersvorsorge Jedem dritten Haushalt droht Altersarmut

03.08.2005 ·  Fast 60 Prozent aller deutschen Haushalte sorgen nicht genug für die Rente vor, fast jedem dritten Haushalt droht Altersarmut. So lautet das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge.

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Fast 60 Prozent aller deutschen Haushalte sorgen nicht genug für die Rente vor, fast jedem dritten Haushalt droht Altersarmut. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) am Dienstag in Berlin vorstellte. Der Grund dafür sei, daß die meisten Bürger ihre Lebenserwartung um fünf bis sieben Jahre unterschätzten. Sie könnten daher die Rentenlücke nicht schließen, die durch die Absenkung der gesetzlichen Rente entstehe. Im Schnitt fehlen den Deutschen laut DIA, zu dessen Gesellschaftern auch die Deutsche Bank gehört, im Alter 150 Euro pro Monat.

„Die Rentendauer wird insgesamt um etwa 40 Prozent unterschätzt“, sagte Axel Börsch-Supan vom Mannheimer Forschungsinstitut für Ökonomie und demografischen Wandel, der die Studie im Auftrag des DIA erstellt hatte. Weil die Lebenserwartung in den kommenden Jahrzehnten deutlich steige (auf 81,6 Jahre für Männer und 87,4 Jahre für Frauen) verlängere sich auch die durchschnittliche Rentendauer auf 17,4 Jahre für Männer und auf 24,2 Jahre für Frauen. Viele Bürger seien auf diese Entwicklung nicht vorbereitet.

Für knapp 60 Prozent reicht Vermögen nicht

In der Altersvorsorge klaffen deshalb große Löcher: Den heute 40 bis 49 Jahre alten Arbeitnehmern fehlen im Alter 215 Euro monatlich, so die Schätzung des DIA. Bei denjenigen, die heute 50 bis 59 Jahre alt sind, beträgt die Rentenlücke 112 Euro und bei denen, die älter als 60 sind, immerhin 61 Euro. Der Hintergrund dieser Entwicklung ist, daß mit den Rentenreformen von 2001 und 2004 das gesetzliche Rentenniveau um rund 18 Prozent gesunken ist.

Daraus resultiert, daß die Notwendigkeit zur privaten Vorsorge gestiegen ist. Allerdings haben sich bisher nur vergleichsweise wenige Bürger um ihre private Vorsorge gekümmert: Für 59,2 Prozent aller Haushalte reiche das gesparte Vermögen nicht, um im Alter die Versorgungslücke zu füllen, sagte Börsch-Supan. Ein Drittel verfüge über gar kein Finanzvermögen und spare auch nichts. Er kritisierte, daß die Riester-Rente zu langsam gestartet sei und die Förderung langfristiger gesichert werden müsse.

Psychologischer Anreiz zu sparen

Eine Pflicht zur privaten Altersvorsorge lehnte er jedoch ab. Gerade diejenigen, die am wenigsten sparen, dürften auch am häufigsten unregelmäßige Beschäftigungsverhältnisse haben, sagte Börsch-Supan. Stattdessen schlägt das DIA zur Deckung der Versorgungslücke ein Alternativmodell zur so genannten Entgeltumwandlung vor, mit der Arbeitnehmer Teile ihres Gehalts sozialabgabenfrei in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen können.

Das DAI setzt auf einen psychologischen Anreiz: Danach sollen im Grundsatz alle Erwerbstätigen eine freiwillige betriebliche Altersvorsorge abschließen. Wer dies nicht will, soll sich explizit dagegen aussprechen. Heute müssen sich Erwerbstätige ausdrücklich für ein solches Modell entscheiden. Die Beteiligungsrate könne damit ähnlich wie in den USA auf rund 80 Prozent der Haushalte gesteigert werden, glaubt das DAI.

Bessere Aufklärung durch Politik

Zudem müsse die Politik die Menschen besser über die Lebenserwartung und die Rentenlücke aufklären, fordert das DAI: Es fehle eine wirklich inflationsbereinigte Realrechnung. Diese müsse unbedingt erstellt werden. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte unterdessen höhere Löhne, um die Rentenkassen zu füllen. Nur über einen Klimawandel in der Lohndiskussion könnten dauerhaft sichere Renten erreicht werden.

Die Dresdner Bank hat in einer Studie festgestellt, daß sich besonders Frauen und junge Menschen zu wenig um ihre private Altersvorsorge kümmern. Unter den Frauen bildeten fast 42 Prozent keine Rücklagen. Ähnlich war die Lage bei jungen Leuten zwischen 18 und 29 Jahren. Von ihnen betrieben fast 40 Prozent keine Vorsorge. Insgesamt haben laut Dresdner Bank 39,8 Prozent der Deutschen noch nicht damit begonnen, regelmäßig Geld für die Rente auf die Seite zu legen. Auch die Sparbeträge der Deutschen sind demnach gering: Im Schnitt legt jeder Bürger monatlich 114 Euro zurück. Mehr als jeder Zehnte legt aber weniger als 50 Euro zurück.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP und DPA
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