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Altersvorsorge Das Geschäft mit Riester brummt

12.09.2006 ·  Immer mehr Menschen setzen bei der privaten Altersvorsorge auf Rentenversicherungen. Die herkömmliche Lebensversicherung ist dagegen ein Auslaufmodell.

Von Catherine Hoffmann
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Die Krise der Assekuranzen ist vergessen. Lebensversicherungen gelten längst wieder als eine verläßliche Größe für die Altersvorsorge. Denn sie sind die einzige Anlage, die lebenslange Garantien bietet. Die Versicherer sind selbst überrascht, wie gut das Geschäft läuft.

Die Unternehmen verkauften im ersten Halbjahr 3,8 Millionen neue Policen mit einem Beitragsvolumen von acht Milliarden Euro, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2005 ergibt das 14 Prozent mehr Verträge und 30 Prozent mehr Beiträge aus dem Neugeschäft.

Trend geht zur Rentenversicherung

Der Trend im Lebensversicherungsgeschäft geht hin zu Rentenpolicen, Kapitallebensversicherungen gelten als Auslaufmodell. „Bei uns sind bis zu 90 Prozent aller neu verkauften Verträge Rentenversicherungen“, bestätigt ein Sprecher der Allianz Leben das wachsende Interesse.

Die Riester-Rente kommt besonders gut an. Daß sie neuerdings der Renner ist, hat gute Gründe: Seit Jahresanfang dürfen mit Riester-Policen drei statt anfangs einem Prozent des Einkommens gespart werden, maximal 1575 Euro im Jahr. Die Förderquote beträgt in den meisten Fällen zwischen 30 und 50 Prozent der Beiträge. Von 100 Euro, die in einen Riester-Vertrag eingezahlt werden, müssen die Sparer also nur 50 bis 70 Euro aus eigener Tasche zahlen, den Rest schießt der Staat zu. Die nächste Stufe der Riester-Treppe wird im Jahr 2008 erreicht. Dann dürfen vier Prozent gespart werden.

Der einstige Verkaufsschlager hat ausgedient

Peter Schwark, Pressesprecher des GDV, sieht noch viel Potential: „Bislang besitzen gut 6,5 Millionen Bürger einen Riester-Vertrag, mehr als 30 Millionen haben allerdings ein Recht auf Förderung.“ Den staatlichen Zuschuß bekommt man neuerdings leichter: Der Antrag muß nicht mehr jährlich gestellt werden, sondern nur noch einmal. Neu ist auch, daß im Ruhestand auf Wunsch 30 Prozent des gesparten Kapitals ausgezahlt werden. Wie bisher ist der Kapitalerhalt in jedem Fall garantiert. All das macht die Riester-Rente für viele zur ersten Wahl, wenn es um private Vorsorge geht. Michael Wortberg, Versicherungsfachmann der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, glaubt: „Riester ist fast schon Pflicht.“

Die Kapitallebensversicherung ist dagegen auf dem Rückzug. Die neuen Steuerregeln, die seit Januar 2005 gelten, dämpfen das Interesse am einstigen Verkaufsschlager der Assekuranzen. Das Steuerprivileg ist weggefallen, die Garantieverzinsung ist derzeit mit 2,75 Prozent gering; im nächsten Jahr sinkt sie weiter auf 2,25 Prozent.

Privatrente ist flexibler

Private Rentenversicherungen werden deshalb immer öfter verkauft - statt herkömmlicher Kapitallebensversicherungen. Nicht nur Riester und Betriebsrenten, auch klassische Privatrenten, die nicht extra steuerlich gefördert werden, gewinnen an Bedeutung. Sie bieten, verglichen mit der Kapitallebensversicherung, einen Steuervorteil: Wer beispielsweise seine Rente erst mit 65 Jahren bezieht, zahlt lediglich auf den Ertragsanteil von 18 Prozent Steuern, bei einer Kapitallebensversicherung müßten 27 Prozent versteuert werden. Von 500 Euro Rente unterliegen also nicht einmal 100 Euro der Steuer.

Zudem ist die Privatrente flexibler als die Kapitallebensversicherung. Anleger dürfen wählen, ob sie ihr Geld auf einen Schlag ausgezahlt bekommen wollen oder ob sie eine Rente beziehen. Allerdings: Wer statt einer Rente eine einmalige Kapitalauszahlung wünscht, verliert den Steuervorteil.

Verbraucherschützer warnen vor Fondspolicen

Fondsgebundene Lebensversicherungen werden gern als ertragsstarke Alternative zum Klassiker gepriesen. Mehr und mehr Kunden entscheiden sich für diese Variante. Hier investiert die Versicherung das Geld in Fonds. Das bietet mehr Renditechancen, dafür ist die Sicherheit gering. Verbraucherschützer halten das beliebte Konzept für fragwürdig. Wortberg glaubt: „Es gibt keinen Grund, eine fondsgebundene Lebensversicherung zu kaufen. Die Kosten sind einfach zu hoch.“

Er empfiehlt risikobewußten Sparern, direkt in Aktienfonds zu investieren, am einfachsten über einen Sparplan. Das ist auch aus steuerlichen Gründen klüger: Während die Kursgewinne aus Fondskäufen nach zwölf Monaten steuerfrei sind, gelten für Fondspolicen die Regeln der Lebensversicherung: Wer mit 60 die Auszahlung seines Guthabens wünscht, muß die Hälfte der Differenz zwischen Ein- und Auszahlungsbetrag versteuern. Entscheidet sich der Anleger dagegen für eine lebenslange Rente, bleiben Dividenden und Kursgewinne, die bis zu Beginn der Rente erzielt werden, steuerfrei. Erträge, die später anfallen, besteuert der Fiskus mit dem Ertragsanteil.

Ladenhüter Rürup-Rente

Die Rürup-Rente ist dagegen ein Ladenhüter. Obwohl die sogenannte Basisrente steuerlich gefördert wird, mag sich kaum ein Anleger dafür begeistern. Gedacht ist sie in erster Linie für Selbständige, die keine Riester-Rente abschließen können und keinen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge haben. In diesem Jahr können Anleger 62 Prozent der Beiträge, höchstens jedoch 20.000 Euro, von der Steuer abziehen. Der Satz steigt bis 2025 auf 100 Prozent. Das gilt derzeit als wenig reizvoll, soll aber bald verbessert werden. Ein weiterer Haken: Von der Basisrente sehen die Hinterbliebenen keinen Cent.

Fazit: Die Deutschen sind in Sachen Altersvorsorge auf dem richtigen Weg. Doch die abgeschlossenen Versicherungssummen sind gering. Ein Riester-Rentner hat heute im Durchschnitt nur Anspruch auf eine garantierte Monatsrente von 100 Euro plus Überschußbeteiligung. Das wird kaum reichen. Wer mehr sparen kann und will, sollte nicht nur an Versicherungen denken. Die Sicherheit bezahlen die Deutschen, die schon heute gut 90 Millionen Lebensversicherungen besitzen, oft mit mäßigen Renditen. Vier bis fünf Prozent - mehr stellen die Versicherer ihren Neukunden heute nicht in Aussicht.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.09.2006, Nr. 36 / Seite 53
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