15.02.2006 · Nach dem Deutschen Institut für Altersvorsorge steigt das Interesse von Besserverdienern an der Riester-Rente. Obwohl es eine hohe Förderung schon mit 5 Euro im Monat gibt, ist die Beteiligung der unteren Einkommensklassen gesunken.
Die Riester-Rente wird immer populärer - aber möglicherweise bei der falschen Zielgruppe. Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man die aktuellen Zahlen des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) zur Riester-Rente betrachtet: Offenbar sind es vor allem einkommensstärkere Anleger, die Riester-Produkte nachfragen.
So zeigt die Befragung des DIA, daß 21 Prozent der Anleger mit einem Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 3.500 Euro monatlich bereits ein Riester-Produkt besitzen; in der Einkommensklasse zwischen 1.500 und 3.500 Euro sind es 30 Prozent. In der unteren Einkommenskategorie, also bei Einkommen von weniger als 1.500 Euro, haben hingegen nur 16 Prozent ein Riester-Produkt.
Eine repräsentative Studie von TNS Infratest mit rund 30.000 Interviews unterstützt diesen Befund: Von einem Haushaltsnettoeinkommen von 2.000 Euro an steigt demnach der Anteil der Personen, die ein Riester-fähiges Produkt besitzen, von vier bis fünf Prozent auf rund 10 Prozent.
Einsicht in Vorsorgenotwendigkeit fehlt
Als Ursache für diesen Befund kommen mehrere Erklärungsansätze in Frage. Zum einen haben Haushalte mit geringem Einkommen weniger Möglichkeiten, eine zusätzliche Altersvorsorge abzuschließen. Allerdings steht diesem Argument die extrem hohe Attraktivität der Riester-Rente auch in den unteren Einkommensbereichen entgegen:
Mit einer Sparsumme von nur 5 Euro monatlich kann ein Familienvater mit zwei Kindern bereits eine zusätzliche Förderung von mehr als 500 Euro einstreichen, rechnet Wolfram Erling von Union Investment vor; und selbst der Unverheiratete bekommt zu seinen 60 Euro jährlich 114 Euro vom Staat.
Möglicherweise fehlt aber den Haushalten mit geringen Einkommen die Einsicht in die Notwendigkeit einer eigenen Altersvorsorge:
Wer ein höheres Einkommen hat, kommt überhaupt erst in die Verlegenheit darüber nachzudenken, was er mit seinen Ersparnissen tun soll - und stößt dann auf die staatlich geförderten Sparformen. Wer hingegen heute mit Finanznöten zu kämpfen hat, mag vermutlich wenig Gedanken an mögliche Engpässe in zwanzig oder dreißig Jahren verschwenden.
Weniger Förderung bei oberen Einkommen?
Nicht zuletzt könnte es sich bei der Riester-Unlust in den unteren Einkommensbereichen auch um ein Vertriebsproblem handeln: Da sich die Provision eines Beraters zumeist danach bestimmt, wieviele Spargelder fließen, ist der Kunde mit dem gehobenerem Einkommen für den Berater deutlich attraktiver als der Niedrigverdiener, dem man dann im Zweifelsfall nicht auch noch ein Zusatzprodukt verkaufen kann.
Diese Asymmetrie in der Riester-Nutzung wirft wieder die Frage danach auf, ob man die private Altersvorsorge obligatorisch machen soll. Das lehnt die Branche eher ab: „Ein Zwangsriester würde das gefühlte Einkommen der Bürger noch weiter reduzieren und die Bereitschaft zur privaten Altersvorsorge nachhaltig zerstören“, sagt beispielsweise Reinfried Pohl, Chef des Finanzvertriebs Deutsche Vermögensberatung (DVAG).
Auch eine Kappung der Riester-Förderung bei oberen Einkommen wird diskutiert, mit dem Argument, daß der Staat in Zeiten knapper Mittel nicht unbedingt die Ersparnisse wohlhabender Bürger fördern muß. Dieser Gedanke ist aber auch problematisch: Zum einen soll die Riester-Rente ja die Kürzung der staatlichen Rente kompensieren, ist also kein Zusatz, sondern ein Ersatz.
Besserverdiener noch nicht lang dabei
Insofern muß der Staat froh sein, wenn Bürger dieses Angebot wahrnehmen, gleichgültig wie wohlhabend sie sind, denn auch Menschen mit hohem Einkommen wird die gesetzliche Rente gekürzt. Zudem wäre eine Kappung der Förderung in den oberen Einkommensbereichen politisch vermutlich wenig opportun, würde sie doch die Rentenkürzung für diese Einkommensklassen spürbarer und sichtbarer machen.
Allerdings teilen nicht alle Beobachter die Einschätzung, daß die Riester-Rente eher eine Besserverdiener-Veranstaltung ist: „Der Vorwurf, die Riester-Rente werde überwiegend von den Reichen in Anspruch genommen, ist unhaltbar. Die unteren Einkommensgruppen dominieren bei Riester-Sparern, die staatliche Zulagen erhalten“, sagt Peter Ziegler, stellvertretender Pressesprecher des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und verweist auf Zahlen aus dem Jahr 2002.
Demnach hatten rund 67 Prozent der Zulagenempfänger ein Jahreseinkommen von bis zu 27.500 Euro - das durchschnittliche Bruttojahresentgelt der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 2001 betrug rund 28.000 Euro. Möglicherweise erklären sich diese älteren Zahlen auch damit, daß die Riester-Rente anfangs als Produkt für kinderreiche Geringverdiener vermarktet wurde. Möglicherweise haben die Besserverdienenden ihre Riester-Vorteile erst in jüngster Zeit entdeckt.
Kein Wunder..
Peter Milka (McDuff)
- 16.02.2006, 07:49 Uhr
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