11.01.2008 · Lohnt sich die Riester-Rente? Oder sollten Geringverdiener das Geld lieber ausgeben? Ein Fernsehbeitrag der ARD greift die staatlich geförderte Privatrente als nutzlos an. Die Regierung weist die These als abstrus zurück. Die Opposition fordert eine Reform.
Von Manfred Schäfers und Stefan RuhkampZehn Millionen Beamte und Angestellte haben einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Nun beunruhigt ein Fernsehbeitrag des ARD-Magazins Monitor die Sparer. Anders als es mancher Finanzberater behaupte, werde die Zusatzrente bei der Bemessung einer Grundsicherung doch angerechnet und mindere dadurch den Anspruch des Bedürftigen auf Unterstützung. Die Grundsicherung erhalten Rentner, wenn die eigene Rente nicht ausreicht. Deshalb lohne sich das Zusatzsparen für die meisten Geringverdiener nicht. Ihre Rente sei im Alter so gering, dass sie auch mit Riester-Rente nicht mehr als die Grundsicherung erhalten werden.
Der frühere Arbeitsminister Walter Riester kritisierte die Darstellung. Er bezeichnete es gegenüber dieser Zeitung als „katastrophal“, wenn Geringverdiener dazu verleitet würden, darauf zu setzen, dass die Steuerzahler sie dauerhaft alimentierten. „Dafür ist Sozialhilfe nicht gemacht.“ Die Grundsicherung gleiche nur aus, was trotz eigener Vorleistung fehle. Der SPD-Politiker lehnte es auch ab, dass der Staat künftig darauf verzichtet, die Erträge aus der nach ihm bezeichneten Altersvorsorge mit der Grundsicherung zu verrechnen. Die Riester-Rente basiere zu einem großen Teil auf staatlichen Zuschüssen. Warum solle man diese ausnehmen, nicht aber die gesetzliche Rente und andere Eigenleistungen, fragte er rhetorisch Das gehe nicht. Bundesregierung und Rentenversicherung warnten die Arbeitnehmer davor, auf die geförderte Altersvorsorge zu verzichten.
Regierung: „Die Riester-Rente lohnt für alle“
Das Bundesarbeitsministerium stellte am Freitag klar: „Die Riester-Rente lohnt für alle.“ Gerade für Geringverdiener seien die Förderquoten mit bis zu 90 Prozent besonders hoch. Die These, „Geringverdiener lassen besser die Finger von der Riester-Rente, da sie im Alter sowieso von der Sozialhilfe leben werden“, sei zynisch-pessimistisch. Dann könnte man sämtliche Sparvorgänge und in letzter Konsequenz auch die Erwerbstätigkeit einstellen und auf die Versorgung durch das Gemeinwesen vertrauen. Die Deutsche Rentenversicherung Bund kritisierte die Aussage, dass ein Arbeitnehmer mit durchschnittlichem Einkommen, der 32 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt habe, keinen Nutzen von der Riester-Rente haben werde. Die Einkommen aus anderer Vorsorge, Zinsen oder Vermietung würden ausgeblendet. Auch könne ein Berufsstarter, der über den Abschluss eines Riester-Vertrages nachdenke, gar nicht abschätzen, ob er auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sein werde.
Die Opposition, aber auch die Versicherungswirtschaft forderte, die Riesterrente nicht länger auf die gesetzliche Grundsicherung im Alter anzurechnen. Solange die Regierung daran festhalte, untergrabe sie die Bereitschaft, durch Sparen vorzusorgen, meinten die Grünen-Politikerinnen Christine Scheel und Irmingard Schewe-Gerigk. Der FDP-Politiker Heinrich Kolb schlug vor, dass 100 Euro aus der privaten und betrieblichen Altersvorsorge anrechnungsfrei bleiben sollte. Auch darüber hinaus sollte die Eigenvorsorge nur zum Teil angerechnet werden.
Kritik des DGB
Nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) weist der Monitor-Bericht zu Recht auf die absehbar rapide steigende Altersarmut hin. Selbst Durchschnittsverdiener brauchten fast dreißig Jahre, um mit ihrer Rente über die Grundsicherungsschwelle zu gelangen, sagte das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Damit gehe die Akzeptanz des Rentensystems verloren. Viele Arbeitnehmer mit geringem Einkommen glaubten zu Recht, dass sich für sie weder die Einzahlung in die gesetzliche Rentenversicherung noch zusätzliche Vorsorge lohne, weil der Staat ihnen ihre Anwartschaften über die Anrechnung bei der Grundsicherung wieder wegnehme. Sie verlangte existenzsichernde Renten und den Verzicht auf die volle Anrechnung von Alterseinkommen auf die Grundsicherung.
Die Produktanbieter der Riester-Renten - Versicherer, Banken und Fondsgesellschaften - werben damit, dass sich der geförderte Sparvertrag für fast jeden lohne. Er lohne sich entweder wegen der Zulagen, die vor allem Geringverdiener und Familien mit Kindern bekommen. Oder sie lohne sich bei höheren Einkommen wegen der Steuervorteile, denn die Beiträge sind von der Einkommenssteuer befreit. Dafür werden die Auszahlungen im Alter versteuert, meist mit geringeren Sätzen.
Ein Beispiel zeigt, dass die Empfehlung auch für Geringverdiener nicht falsch ist: Eine Alleinerziehende, 30 Jahre alt, hat drei Kinder, verdient halbtags mit einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit 1000 Euro monatlich und will in zwölf Jahren wieder ganztags arbeiten. Wegen der hohen Zulagen müsste sie nach Darstellung der staatlichen Zulagenstelle für eine jährliche Sparsumme von 769 Euro, derzeit nur 60 Euro selbst aufbringen. Reicht das für eine Rente über der Grundsicherung? Durch die Erwerbsarbeit würde sie auf etwa 18 Rentenpunkte kommen, die derzeit einen Wert von 26,27 Euro haben. Hinzu kommen 9 Punkte für die Erziehungszeit. Lässt man Inflation und Lohnerhöhungen außen vor, wäre eine Rente von mehr als 700 Euro zu erwarten - unterstellt man Berufstätigkeit vor der ersten Schwangerschaft noch etwas mehr. Samt Riester-Rente, käme die Frau auf mindestens 1000 Euro monatlicher Rente.
Riester lohnt sich - nur für die Versicherungsunternehmen!
Marko Hrbat (Hrbat)
- 11.01.2008, 13:22 Uhr
Monitor und die Riesterrente
Jens Harke (jha2000)
- 11.01.2008, 13:54 Uhr
War das nicht von Anfang an klar ?
Markus Teuber (arathorn)
- 11.01.2008, 13:58 Uhr
Na endlich!
Henriette Kaschulke (Wissibesser)
- 11.01.2008, 14:03 Uhr
Die Diskussion lässt sich leicht aus der Welt schaffen
Stephan Weyter (weyter)
- 11.01.2008, 15:10 Uhr
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