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Risikoabsicherung

„Alternative für Deutschland“ Wer ist der Anti-Euro-Professor Bernd Lucke?

Bernd Lucke ist ein Professor für Volkswirtschaftslehre. Er will den Euro abschaffen - und so Europa retten. Und er ist kein Populist. Porträt eines Parteigründers.

© Jens Gyarmaty Vergrößern Bernd Lucke, Professor und Parteigründer

Die politische Karriere des ehrenwerten Verfassungsrechtlers und Professors aus Heidelberg, Paul Kirchhof, war beendet, nachdem ihn die Wahlkampfmaschine Gerhard Schröder einmal durchgenudelt hatte.

Winand von Petersdorff-Campen Folgen:  

Bernd Lucke ist ein Professor aus Hamburg und denkt im Moment, er hat noch eine politische Karriere vor sich. Da können ihn die Demoskopen nicht abschrecken, die haben schließlich schon ganz andere ins Nichts prophezeit. Und die politischen Gegner vermögen es schon gar nicht, den jungenhaften Mann mit seinen gut versteckten 50 Lenzen zu entmutigen.

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Lucke hat mit anderen Konservativen eine Partei gegründet, die den Euro abschaffen und die Demokratie stärken will. Sie heißt „Alternative für Deutschland“, und ihr Auftreten hat einen rechten Wirbel ausgelöst, eine Welle der Zustimmung, die die junge Organisation überfordert. Das gibt Lucke zu. Es ist natürlich schön, von einer solchen Welle getragen zu werden. Gleichzeitig ist die Ruhe erst einmal dahin. Er fühlt sich unter Daueranspannung, seine Mails schreibt er nachts um halb zwei.

Die neue Partei pflegt in ihrer Eurogegnerschaft eine Haltung, die sich gegen die im Bundestag vertretenen Parteien wendet, weniger gegen das Volk. Eine Provokation bleibt sie also, weshalb Edmund Stoiber, die alte CSU-Rampensau, und das ist jetzt höchst respektvoll gemeint, schon einmal vorgefühlt hat: Funktioniert die gute alte Professoren-Zerlegung eigentlich noch?

Professoren wirken arrogant, wenn sie reden

Das war in dieser Woche in Anne Wills Talkshow, als er Lucke mit den Worten „Schon wieder so ein Professor“ so schnell unterbrach, dass der eher kleine Mann aus Winsen an der Luhe sogar ein bisschen sauer wurde. Stoiber observierte nach seiner Verbalinjurie lauernd die Zuschauer, sein gesamtes durch ein langes Politiker-Dasein geschärftes Sensorium war auf Empfang gestellt: Hat die Frechheit gewirkt? Die Reaktion der Leute dürfte aus seiner Sicht enttäuschend lahm gewesen sein.

Supporters of the extreme-right Golden Dawn party hold Greek flags during a rally outside the German emapassy in Athens © REUTERS Vergrößern In einem hat Bernd Lucke schon einmal Recht: Der Euro schafft es derzeit nicht, die europäische Freundschaft zu vertiefen

Aber mit seiner Spontan-Analyse hat Stoiber natürlich recht: Lucke ist in der Tat ein Professor. Das ist eine echte Gefahr im politischen Geschäft für den Professor selbst, zumindest eine Bürde auf dem Weg zum Wahlerfolg. Die liegt darin, dass Professoren zu denken neigen, es geht in der Politik um die Sache, was wirklich nur am Rande stimmt. Wegen dieser Vorstellung sagen die Professoren gerne wohl geordnet schöne klare Argumente auf. Vorm geistigen Auge sieht man die Spiegelstriche. Sie sind stets sehr überzeugt von dem, was sie sagen. Das hört man heraus. Und das wirkt arrogant. Dabei reden sie, wie sie reden, weil sie lange darüber nachgedacht haben. Das Brüten ist nämlich ihr Kerngeschäft.

Anders als Politiker tasten sich die Wissenschaftler nicht vor, ihren Reden ist kein Zweifel anzumerken, manchmal spürt man ihre Verwunderung, wenn ihnen jemand mit Argumenten zu kontern wagt, die im Seminar nicht satisfaktionsfähig wären, in der Wahlkampfarena jedoch freudige Zustimmung provozieren.

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