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Experten-Schätzung : Sozialbeiträge steigen um bis zu 6500 Euro im Jahr

Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung schlagen ebenfalls auf die Kosten. Bild: dpa

Mütterrente, Rente mit 63, Geld für Demenzkranke - die Bundesregierung hat vieles beschlossen, dass die Arbeitnehmer Geld kostet. Ein Ökonom hat ausgerechnet, welche Mehrbelastungen auf die Deutschen zukommen.

          Die Sozialbeiträge pro Arbeitnehmer werden in den kommenden sechs Jahren um bis zu 6500 Euro im Jahr steigen. Das ist das Ergebnis einer Berechnung aus dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (F.A.S.). Selbst für einen Geringverdiener mit Vollzeitjob, der heute den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde erhält, werden rund 1850 Euro zusätzlich fällig.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die prozentuale Beitragsbelastung könne bis 2020 von jetzt 39,7 auf dann 42,4 Prozent des Bruttogehalts wachsen, sagte IfW-Experte Alfred Boss der F.A.S. Außerdem erklärt sich der starke Anstieg der Beitragssummen aus hohen Lohnabschlüssen. Die Zahlen beziehen sich auf die Summe von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen. Grundlage sind eigene Prognosen, offizielle Schätzungen und ein Gehaltszuwachs von drei Prozent im Jahr.

          Ein beträchtlicher Teil dieser Steigerungen geht auf die jüngsten Beschlüsse der großen Koalition zurück. Durch Mütterrente und „Rente mit 63“ steigt der Beitrag zur Rentenversicherung um einen halben Prozentpunkt mehr als ohnehin geplant. Für eine bessere Betreuung von Demenzkranken wird auch die Pflegeversicherung um einen halben Prozentpunkt teurer. Schließlich erlaubt die Regierung den Krankenkassen, künftig prozentuale Zusatzbeiträge von den Versicherten zu erheben.

          Arbeitgeber und Gewerkschaften zeigten sich von der Entwicklung beunruhigt. „Der Anstieg der Sozialbeiträge muss verhindert werden“, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der F.A.S. Der Durchschnittsverdiener zahle heute doppelt so viel Sozialabgaben wie Steuern. Auch DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warnte, „Überlastungen der Beschäftigten“ müssten vermieden werden. Sie verlangte, die Mütterrente aus Steuermitteln zu finanzieren und die Arbeitgeber wieder zu 50 Prozent an den Beiträgen zur Krankenkasse zu beteiligen.

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