Home
http://www.faz.net/-gqg-tlm0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Airbus A380 Regierung hält sich Einstieg bei EADS offen

04.10.2006 ·  Die Bundesregierung schließt eine Beteiligung der KfW an EADS nicht aus. Zugleich haben führende Politiker davor gewarnt, Produktionskapazitäten für den A380 nach Frankreich zu verlagern. Zuvor hatte EADS abermals die Auslieferung des A380 verschoben.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (1)

Die Bundesregierung hält sich einen Einstieg der staatlichen KfW Bankengruppe beim Airbus-Mutterkonzern EADS offen. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm nannte dies am Mittwoch in Berlin eine „theoretische Möglichkeit“. Sie sei aber keine aktuell verfolgte Lösung.

Die bestehenden Beteiligungsverhältnisse mit einer Kontrollmehrheit für die deutschen und französischen Anteilseigner hätten sich in der Vergangenheit als wirtschaftlich sinnvoll bewährt auch auf Grund der bestimmenden Rolle privater Investoren. „Die Bundesregierung sieht daher in Bezug auf die Kapitalbeteiligungen an EADS auch künftig eine führende Rolle privater Investoren.“

Politik warnt vor Verlagerung nach Frankreich

Führende Wirtschaftspolitiker haben den Airbus-Mutterkonzern EADS davor gewarnt, im Rahmen des neu
aufgelegten Sparprogramms Produktionskapazitäten für den A380 von Deutschland nach Frankreich zu verlagern. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) setzte sich für den Erhalt der Jobs bei EADS in Deutschland ein. Er forderte das Unternehmen am Mittwoch auf, bei den anstehenden Umstrukturierungsmaßnahmen sicherzustellen, daß diese nicht auf Kosten der Arbeitsplätze in der Bundesrepublik gehen. „Das
europäische Gleichgewicht im Konzern bei der Wertschöpfung und den vorhandenen Arbeitsplätzen darf nicht zu Lasten Deutschlands verschoben werden“, erklärte der Minister in Berlin.

Französische Zeitungen hatten von einem drastischen Umstrukturierungsprogramm berichtet. Demzufolge könnte das Hamburger Werk große Teile der A380-Fertigung verlieren. Im Gegenzug werde die Fertigung des A320 zu großen Teilen in die Hansestadt verlagert. 2.500 Beschäftigte arbeiten dort direkt für den A380.

Glos fordert Einhaltung der Zusagen

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos verlangte von dem Luftfahrtkonzern, daß er seine Zusagen an Deutschland einhält. Er werde darauf drängen, daß die EADS-Tochter Airbus ihre Zusagen gegenüber der deutschen Seite bei der Produktion des A380 einhalte, erklärte der CSU-Politiker am Mittwoch in Berlin. Dies werde er am Donnerstag bei seinem Treffen mit Airbus-Chef Christian Streiff deutlich machen.

Zudem müßten die unvermeidlichen Schritte zur Kostensenkung für alle Standorte des Konzerns ausgewogen sein und Lasten fair verteilt werden. Von EADS erwarte er aber Maßnahmen, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern.

Berninger: Probleme nicht auf Hamburg abwälzen

„Eine solche Verlegung könnte die deutsche Politik nicht widerstandslos hinnehmen“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Laurenz Meyer der „Bild“-Zeitung (Mittwoch). Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend erklärte: „Wir müssen Airbus sehr offensiv klarmachen, wie es von Deutschland profitiert - und daß das nicht gottgegeben ist.“

Der Grünen-Wirtschaftsexperte Matthias Berninger drohe sogar mit der Rückforderung staatlicher Finanzierungshilfen, die allein im Falle Hamburgs bei 667 Millionen Euro liegen würden. „Das Unternehmen
sollte bei fairer Arbeitsteilung bleiben, statt Probleme durch Mißmanagement beim A380 auf Hamburg abzuwälzen. Ansonsten sollte die Stadt prüfen, ob sie EADS ihre erheblichen Vorleistungen in Rechnung
stellen kann“, sagte Berninger dem Blatt.

Milliarden-Sparprogramm geplant

Airbus verschiebt die Auslieferung des A380 um durchschnittlich ein weiteres Jahr und leitet ein Milliarden-Sparprogramm ein. Das teilte der in Turbulenzen geratene Airbus-Mutterkonzern EADS mit. Nach französischen Medienberichten gibt es derzeit interne Überlegungen bei EADS, die Auslieferung des Superjets von Hamburg komplett nach Toulouse zu verlegen, Teile der Montage aber in Hamburg zu belassen. Bis 2010 rechnet EADS wegen der A380-Verzögerung nun mit einer Belastung des Ertrags vor Steuern und Zinsen (Ebit) um 4,8 Milliarden Euro. Das sind 2,8 Milliarden Euro mehr, als noch im Juli angenommen.

Singapore Airlines werde als Erstkunde seinen ersten A380 voraussichtlich im Oktober 2007 erhalten, sagte der neue Airbus-Chef Christian Streiff in Paris. 2008 würden 13 Maschinen an die Kunden ausgeliefert. 2009 soll die Produktion auf 25 hochgefahren werden. „Erst ab 2010 werden wir eine Produktion von vier A380 pro Monat erreichen“, sagte Streif. Dann sollen 45 Maschinen ausgeliefert werden, darunter die ersten Frachter. 2010 soll der größte Passagierjet aller Zeiten für 555 Passagiere in der Grundversion auch erstmals einen positiven Beitrag zum Gewinn vor Steuern liefern.

Singapore Airlines greifen auf Boeing zurück

Singapore Airlines greift nun zunächst auf Boeing zurück. Die geplante Kapazitätserweiterung werde vorerst mit 19 neuen Maschinen des Typs Boeing 777-300 erfolgen, teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch mit. Singapore Airlines bleibt dem A380 aber treu. Die Fluggesellschaft werde weiterhin als erster das größte
Passagierflugzeug der Welt mit 555 Plätzen einsetzen und keine der zehn Festbestellungen stornieren. Airbus werde eine Entschädigung für die Verzögerung zahlen, hieß es.

Bisher sei kein einziger Kunde abgesprungen, sagte Streiff. „Die Kunden sind vom Flugzeug überzeugt und versuchen, uns zu helfen.“ Emirates, mit 43 Bestellungen größter A380-Kunde, bekommt seine erste Maschine mit zehn Monaten Verspätung im August 2008. Die Gesellschaft prüft nach eigenen Angaben nun „alle Optionen“, also auch den Kauf anderer Maschinen. Die Lufthansa, mit 15 Bestellungen zweitgrößter Kunde, nannte das Ausmaß der Verzögerung „überraschend“. Wir sind nach wie vor vom Erfolg des A380 überzeugt“, sagte Konzernsprecher Klaus Walther. Lufthansa bekommt den ersten A380 nach eigenen Angabennun erst 2009.

Mindereinnahmen und Mehrkosten in Milliardenhöhe

Die durch Verkabelungsprobleme hervorgerufenen Verzögerungen beim A380 führen bei Airbus zu Mindereinnahmen und Mehrkosten in Milliardenhöhe. Anders als noch im Juli angenommen wird auch das diesjährige Ergebnis mit 1,1 Milliarden Euro belastet. Alles in allem werde der freie Kapitalfluß bis 2010 um 6,3 Milliarden geringer ausfallen als noch 2005 erwartet, hieß es. Der mit 22,3 Prozent größte EADS-Aktionär Daimler-Chrysler will sich bei Vorlage der Quartalszahlen am 25. Oktober zu den Belastungen äußern.

Über das A380-Problem hinaus will Airbus mit einem Programm „Power8“ verlorene Wettbewerbskraft zurückgewinnen. So soll die Produktivität binnen vier Jahren um 15 Prozent gesteigert werden. Über die Beschleunigung des Entwicklungsprogramms sollen kumulativ fünf Milliarden Euro Barmittel eingespart werden. Außerdem sollen die Kosten um 30 Prozent gedrückt werden. Das werde nicht ohne den Abbau von Arbeitsplätzen gehen, sagte Streiff. Wie viele Stellen betroffen seien, werde sich im Dialog mit den Gewerkschaften ergeben. Airbus denkt dabei offenbar auch an den Abbau von Fristverträgen, vorzeitige Ruhestandsregelungen und eine Senkung der Arbeitszeiten.

Frankreichs Regierung unterstützt den Sanierungsplan

Für den Plan „Power8“ erhält Airbus die Rückendeckung der französischen Regierung. Der Plan sei „realistisch und glaubwürdig“, sagte Wirtschaftsminister Thierry Breton am Dienstagabend im französischen Fernsehen. „Als Aktionär vertrauen wir auf ihn.“ Die insgesamt zweijährige Verzögerung bei der Fertigung des
Airbus A380 für 555 Passagiere sei „kein Fiasko“. Verzögerungen seien bei einem so großen Industrieprojekt immer möglich, sagte Breton.

Ein über „Power8“ hinausgehendes langfristiges Programm kündigte Streiff für Anfang 2007 an. „Wir sind weniger integriert, als wir dachten“, kommentierte Enders. Langfristig wird Streiff zufolge auch über Prioritäten bei der Fertigung in bestimmten Werken geredet. Auch die Ausgliederung bestimmter Technologien, die nicht als Kerntechnologien angesehen werden, werde dann in Betracht gezogen. Mit einem Zeithorizont von zehn Jahren sollten Doppelungen bei der Fertigung vermieden werden, sagte Streiff. Die Flugzeuge der A320-Klasse werden derzeit zu gleichen Teilen in Hamburg und Toulouse gebaut. Der A380 wird zum Teil in Hamburg, zum Teil in Toulouse an die Kunden übergeben.

Quelle: FAZ.NET mit Material der Agenturen
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 9 8

30.05.2012 09:04 Uhr
  Vortag
Dax 6.345,07 −0,81%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.384,64 −0,68%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2456 −0,26%
Rohöl Brent Crude 106,20 $ −0,61%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.