25.10.2007 · Es ist geschafft. Der A380 hat seinen ersten regulären Flug zwischen Singapur und Sydney absolviert. Die Flugbranche sieht eine neue Zeit des Reisens angebrochen. Singapore Airlines hat nun zwei Jahre Vorsprung vor der Lufthansa.
Der erste Airbus A380 mit zahlenden Passagieren an Bord ist am Donnerstag sicher in Sydney gelandet. Das Flugzeug im Dienst von Singapore Airlines setzte nach gut siebenstündigem Flug um 17.24 Uhr Ortszeit (9.24 Uhr mitteleuropäische Sommerzeit) auf der Landebahn auf. Der Pilot hatte unter grauem Himmel zuvor noch eine Ehrenrunde über der Stadt gedreht, um den Premierenflugpassagieren einen Blick auf das weltberühmte Opernhaus zu ermöglichen.
Die Maschine war am Morgen mit 455 Menschen an Bord pünktlich in Singapur gestartet. Unter den Passagieren waren vier Deutsche. Die Fluggäste hatten ihre Tickets bei einer Internet-Auktion für gute Zwecke ersteigert. Der Erlös betrug inklusive Rückflug 1,3 Millionen amerikanische Dollar (914.000 Euro).
Konkurrenz für den Jumbojet nach 37 Jahren
Singapore Airlines ist die erste Fluggesellschaft, die den Riesenjet planmäßig einsetzt. Er geht auf der Strecke zwischen Singapur und Sydney am Sonntag in den Liniendienst. Lufthansa fliegt den ersten Airbus A380 erst vom Jahr 2009 an. Das Modell löst den Jumbojet 747 von Boeing als größtes Passagierflugzeug der Welt ab. Die erste 747 war am 21. Januar 1970 von New York nach London geflogen. Boeing will dem A380 nun mit dem „Dreamliner“ Konkurrenz machen, bei dessen Entwicklung es aber ebenfalls zu Schwierigkeiten gekommen ist (siehe auch: Boeing tauscht den Programmleiter des „Dreamliner“ aus).
Die A380 könnte, wenn er nur mit Economy-Plätzen ausgestattet wäre, 853 Passagiere transportieren. Bei Singapore Airlines sind in drei Klassen 471 Plätze an Bord. Am Sonntag, den 28. Oktober beginnt der reguläre Liniendienst.
Knappe Zeitpläne, kurze Zwischenstopps - mit den ersten A380-Linienflügen folgt für Airbus in den nächsten Tagen eine der härtesten Bewährungsproben des Programms. Bisher wurden die Testflugzeuge von Technikern gehegt und gepflegt - jetzt muss der Riesenjet im kommerziellen Einsatz bei Singapore Airlines wie ein Uhrwerk funktionieren. Im Liniendienst gelten andere Gesetze als bei Erprobungsflügen. Moderne Jets sind 12 bis 18 Stunden am Tag in der Luft, am Boden verschlingt ein Verkehrsflugzeug nur Geld. Deshalb sind Bodenzeiten am Flughafen präzise wie ein Boxenstopp beim Autorennen geplant.
Eine neue Art des Reisens versprechen die Fluglinien
Airbus hatte Mitte Oktober den ersten Airbus A380 mit 18 Monaten Verspätung an Singapore Airlines ausgeliefert. Grund waren Probleme mit der Verkabelung des Riesenjets. Die Verzögerungen haben bei dem Flugzeughersteller zu milliardenschweren Einnahmeausfällen geführt. Sie sollen mit dem Sparprogramm Power 8 aufgefangen werden, das 10.000 Stellenstreichungen und den Verkauf von Werken in Europa vorsieht.
Zur technischen Zuverlässigkeit kommt das Prestige. Die A380 ist auf Kurzstrecken wirtschaftlich nicht rentabel. „Dieses Flugzeug wird unser Flaggschiff im Langstreckenverkehr“, kündigte zum Beispiel Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber im Frühjahr 2007 an, als die Gesellschaft mit der EADS-Tochtergesellschaft Airbus Testflüge unter realen Bedingungen absolvierte. „An Bord unserer neuen A380 kommen unsere Kunden in der leisesten Kabine am Himmel in den Genuss einer völlig neuen Art des Reisens“, sagte Singapore-Airlines Vorstandschef Chew Choon Seng.
Wettbewerb in der Kabine
Der Wettbewerb unter den Fluggesellschaften wird vor allem in der Kabine geführt. Hier will jede Fluggesellschaft eigene Ideen verwirklichen. Ausstattung ist Visitenkarte und Wettbewerbsfaktor. Airbus liefert wie ein Architekt die rund 600 Quadratmeter große Kabine - für die Einrichtung ist die Fluggesellschaft zuständig. Die Anpassung der kundenspezifischen Ausstattung mit Sesseln, Unterhaltungsprogramm, Klimatechnik und Küchen ist eine der größten Herausforderungen. Defekte werden schnell publik: Fällt bei einem viermotorigen Flugzeug wie der A380 ein Triebwerk aus, darf die Besatzung unter Umständen bis ans Ziel weiterfliegen. Reisende merken davon kaum etwas. Ist hingegen das Toilettensystem gestört, droht bei 550 Passagieren an Bord schnell eine außerplanmäßige Zwischenlandung.
An der Kabinenausstattung hängen in Deutschland besonders viele Arbeitsplätze. So ist zum Beispiel die Region Hamburg eines der Zentren für Entwicklung und Fertigung von Flugzeuginterieur. Nach der Montage in Toulouse erhalten alle A380-Jets ihre Innenausstattung in Hamburg.
Frankfurt wird erst 2009 ein Ziel für den A380
Der Werksflughafen in Hamburg-Finkenwerder bleibt für die nächsten Monate das einzige A380-Ziel in Deutschland. Bis die ersten Linienjets in Frankfurt oder München einschweben, wird es dauern. Singapore Airlines fliegt als erstes Ziel in Europa London an. Spätestens von Sommer 2009 an ist aber Frankfurt ein A380-Knotenpunkt. Dann plant Lufthansa die Übernahme der ersten Maschinen in die Flotte.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.384,64 | −0,68% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2456 | −0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 106,20 $ | −0,61% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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