16.06.2009 · Heute veröffentlicht die Regierung eine Liste, die es in sich hat. Auf ihr stehen die Empfänger von Agrarsubventionen und die Höhe der Zuwendungen. Neben Bauern wird sich dort auch eine Reihe schillernder Persönlichkeiten wiederfinden: Vom Brillenunternehmer Fielmann bis hin zur Königin von England.
Von Winand von PetersdorffAn diesem Dienstag veröffentlicht die Bundesregierung eine Liste, die es in sich hat (siehe www.agrar-fischerei-zahlungen.de). Auf ihr stehen die Empfänger von Agrarsubventionen mit Namen, Wohnort und Höhe der öffentlichen Zuwendungen.
Auf der Liste werden, so viel ist jetzt schon sicher, nicht nur die normalen Bauern und Agrargesellschaften stehen, sondern eine Reihe von Unternehmerpersönlichkeiten, die sich aus Idealismus, Nostalgie oder aus vermögensstrategischen Gründen ein bisschen Landwirtschaft zugelegt haben.
Zu den Idealisten zählt der Brillenkaufmann Günther Fielmann, der allein vier Höfe mit insgesamt 2500 Hektar sein Eigen nennt. Fielmanns Ackerbaubetrieb in Mecklenburg hat allein 1200 Hektar (12.000.000 Quadratmeter). Ein Durchschnittsbetrieb verfügt über knapp 50 Hektar in Deutschland.
Fielmann darf mit Direktzahlungen in Höhe von grob 400.000 Euro für den Betrieb rechnen. Er befindet sich in bester Gesellschaft. Der Unternehmerfamilie Rethmann, einer der größten Recycling-Dienstleister der Welt, bewirtschaftet die Mecklenburgische Güterverwaltung. Zu ihr gehören 7360 Hektar. Davon sind 5200 Hektar Ackerland, für die es grob geschätzt 1,7 Millionen Euro Direktzahlungen geben dürfte.
Auch der Mitbegründer von MLP gehört dazu...
Zu den Großlandwirten mit mehreren Hektar gehört auch der Mitbegründer des Finanzdienstleisters MLP, Bernd Termühlen, der Betriebe entlang der Ostsee erworben hat. Als besonders lukrativ, was öffentliche Zuwendungen angeht, könnten sich seine Äcker in Polen erweisen. Von 2013 an werden dort die Subventionen auf westeuropäisches Niveau anghoben.
Zu den Subventionsempfängern gehören auch Konzerne wie RWE, die das Geld automatisch für die Renaturierungsgebiete früherer Braunkohlereviere erhalten. Selbst Golfclubs dürfen auf Geld aus Brüssel hoffen. Einer der größten Nutznießer dürfte der einzige Bauer an der Börse sein: Die KTG AG bewirtschaftet rund 20.000 Hektar in Deutschland und 5000 in Litauen. Die deutsche Landwirtschaft erhält insgesamt 5,4 Milliarden Euro EU-Subventionen pro Jahr.
... und „Her Majesty the Queen of England“
In Großbritannien findet sich auf der Empfängerliste „Her Majesty the Queen of England“ wieder. Elisabeth II, eine der reichsten Frauen Europas, bekam für 2008 mehr als eine halbe Million Euro für ihre Farm in Sandringham, teilt die zuständige Behörde mit. Ihr Sohn Charles bezog für seine zwei Farmen 210.000 Euro
Die Veröffentlichung der Empfängerlisten ist vor allem in Deutschland umstritten. Der Freistaat Bayern lehnt eine Veröffentlichung ab und riskiert damit EU-Strafzahlungen. Bayern will eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes abwarten.
Warum eigentlich nicht?
Markus Kremer (Markus.E.Kremer1)
- 16.06.2009, 15:05 Uhr
Das reicht noch nicht
Dr. Andreas Frick (Hephaistos)
- 16.06.2009, 17:53 Uhr
Steuermilliarden sinnvoller einsetzen
Maria Wennrich (Brandenberg)
- 16.06.2009, 18:55 Uhr
Europawahl verstehen
Holger Ranisch (XM_Fahrer)
- 17.06.2009, 10:35 Uhr
biblische Zustände
Hartmud Ose (hwarang)
- 17.06.2009, 16:13 Uhr
Winand von Petersdorff-Campen Jahrgang 1963, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.
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