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Risikoabsicherung

AfD fordert neue Währung Euro-Ausstieg birgt große Risiken

Die „Alternative für Deutschland“ schlägt einen schrittweisen Euro-Ausstieg über Parallelwährungen vor. Doch viele Ökonomen halten die Auflösung des Euro für unmöglich. Denn das Konzept hat Tücken.

© dpa Vergrößern Mehr als Metall: Die Debatte um Mark und Euro erhitzt die Gemüter

Mit ihrer Forderung nach einer „geordneten Auflösung“ der Eurozone hat die neue Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) heftige Reaktionen hervorgerufen. Die Bundesregierung wies die Forderung zurück und betonte, Deutschland profitiere vom Euro.

„Millionen von Arbeitsplätzen sind sicher, weil wir als Exportland in dieser Währungsgemeinschaft und in diesem Binnenmarkt sind“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Wer das gefährdet, der gefährdet Wohlstand, Arbeitsplätze und soziale Sicherheit.“

Der Gründer und Sprecher der AfD, Bernd Lucke, weist den Vorwurf zurück, dass die Auflösung des Euro deutsche Arbeitsplätze kosten würde. „Das ist falsch. Man kann deutsche Arbeitsplätze nicht mit einer Währung sichern, die Arbeitsplätze in den europäischen Partnerstaaten zerstört.“

„Egoistisch und nationalistisch“

Seiberts Position sei „egoistisch und nationalistisch“, sagte Lucke der F.A.Z. Südeuropa verarme, weil die Länder nicht wettbewerbsfähig seien und nicht abwerten könnten, erläutert Lucke, der an der Universität Hamburg das Institut für Konjunktur und Wachstum leitet.

Die Nordeuropäer, allen voran Deutschland, müssten immer größere Haftungsrisiken für die Rettungspakete tragen. „Ich kritisiere die Regierung, weil sie keine Exit-Strategie hat“, moniert er.

Allerdings plädiert Lucke nicht für einen plötzlichen Euro-Ausstieg, sondern für einen gleitenden Austritt über Parallelwährungen. Ein solches Konzept hat er im vergangenen Jahr mit dem Bonner Geldtheoretiker Manfred Neumann für Griechenland vorgestellt, auch der damalige Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer brachte es in die Diskussion.

Alternative zur realen Abwertung

„Wir schlagen vor, in den Südländern parallel zum Euro nationale Währungen einzuführen. Diese können zunächst auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr beschränkt bleiben, während Barzahlungen weiter nur in Euro geleistet werden“, sagt Lucke. Bankguthaben und Schuldverträge nach ausländischem Recht blieben in Euro bestehen. „Deshalb gibt es keinen Bank run“, erklärt Lucke. Löhne werden aber zu einem gewissen Teil in der neuen Währung überwiesen.

Die Wechselkurse der neuen Währungen würden dann von den Zentralbanken des Südländer nach und nach gegenüber dem Euro abgewertet. „Dadurch verbilligen sich inländische Waren und im gleichen Maß verbilligen sich die Löhne.“

Dies sei eine bessere und schonendere Alternative zu den jetzigen Versuchen einer internen realen Abwertung der Südländer, bei der die Kürzung von Löhnen die Nachfrage so stark schwächt, dass die Volkswirtschaften in tiefe Rezessionen geraten. Allerdings entstehen hohe Transaktionskosten durch das Nebeneinander von neuen Währungen.

Aufwertung von 15 bis 20 Prozent

Viele Ökonomen halten eine Auflösung des Euro dennoch für ein kaum mögliches Unterfangen. Ein unkontrollierter Griechenland-Ausstieg hätte Domino-Effekte auf weitere Wackelländer und könnte eine Weltrezession auslösen, warnte das Prognos-Institut im vergangenen Herbst.

Außerdem gäbe es Verwerfungen an den Devisenmärkten. Sollte Deutschland schlagartig eine neue eigene Währung einführen, stünde diese unter starkem Aufwertungsdruck. Der Chefvolkswirt der Allianz, Michael Heise, schätzt, dass eine neue D-Mark um 15 bis 20 Prozent aufwerten würde. Andere Ökonomen halten noch wesentlich mehr für möglich.

Dies hieße, deutsche Produkte würden auf Exportmärkten deutlich teurer. Lucke entgegnet dem, dass er nicht für eine abrupte Wiedereinführung einer nationalen Währung plädiert. „Deutschlands Wirtschaft kann Aufwertungen ertragen, wenn sie aus einem behutsamen, schrittweisen Euro-Austritt der Südländer entstehen“, sagt er.

Euro deutlich unterbewertet

Der Tübinger Ökonom und Eurokritiker Joachim Starbatty, der den Wissenschaftlichen Beirat der AfD leitet, betont zudem, dass Deutschland in den Jahrzehnten vor der Euro-Einführung immer ein Aufwertungsland war und trotzdem große Exporterfolge feierte.

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