27.02.2009 · Vertreter von Kassenärzten und Krankenkassen unternehmen an diesem Freitag einen weiteren Versuch, ihren Streit um die „richtige“ Verteilung der Ärztehonorare beizulegen. Zwar bekommen die Kassenärzte schon 10 Prozent mehr, doch es geht ihnen nicht allein ums Geld.
Von Andreas MihmRichtlinien für Lesermeinungen
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Es geht tatsächlich nicht nur ums Geld, sondern um einfache Regeln des menschlichen Zusammenlebens, die in diesem bürokratisch überfrachteten System mißachtet werden. 1. Der Arzt haftet mit seinem Privatvermögen für die Einhaltung im z.T. nicht einmal bekannter Vorgaben. Wenn er sein Medikamentenbudget überschreitet, zahlt er de facto die Medikamente seiner Patienten aus eigener Tasche. 2. Der Arzt haftet für Medikamentennebenwirkungen, auch wenn er das genaue Präparat nicht einmal selbst bestimmen darf. Der Arzt schreibt nur die Substanz auf, welches Präparat der Patient erhält regelt sich nach dem Rabattvertrag den seine Kasse mit dem Hersteller abgeschlossen hat. Der Patient hat das Risiko, die Kasse spart (ob und wieviel legt sie nicht offen) und der Arzt haftet. 3. Dem Arzt wird die Aufgabe der Rationierung medizinischer Leistungen übertragen. Die Vorgabe ist: maximal ausreichend und nur das Notwendige (§12 SGB V). Wir sind aber schon seit ABI-Zeiten auf optimale Leistungen gedrillt, wollen dem Patienten das Beste zukommen lassen. Auch der Patient wünscht sich eine optimale Betreuung - zu Recht! Die Lösung des Problems ist: Direktabrechnung! Sozialstaatliche Umverteilung und Rationierung sind nicht Aufgabe des Arztes!
Wie immer geht es um das Geld. So weit so gut. Sollte es denn nicht um die Patienten gehen? Die zahlen doch schließlich alles. Und wie immer in dieser Republik haben sie nichts zu melden zwischen den Bremsscheiben (Kassenärztliche Vereinigung) und Bremsbacken (Gesetzliche Krankenkassen). Es gilt einfach die Schmerzen zu ertragen. Damit die KVs. KKs etc. nicht darben müssen. Das ist der Skandal. Wer sich noch anschaut, dass ein Chefarzt (Dr. Friedl, Uniklinik Freiburg) Geld (Millionen) dafür bekommt, dass er geht, während Supermarktkassiererinnen bei nicht geklärtem Verschwinden von EURO 1,50 entlassen werden, der weiß, dass in diesem Land einiges faul ist und nicht nur faul sondern oberfaul. Aber was soll’s. Wir machen einfach weiter, denn es gibt keinen Grund etwas zu ändern.
Der Streit hat sicher viele Ursachen. Die Wut unter den Ärzten alerdings vornehmlich 2. 1. Finanzielle: Anders als in Ihrem Artikel behauptet haben die Ärzte und hier vor allem auch die Fachärzte schon im Jahr 2008 einen Honorarrückgang hinnehmen müssen. Die Kürzungen durch das Regelleistungsvolumen (RLV) entsprechen für die meisten mir bekannten Kollegen einem minus von 30-40%. Als Orthopäde bekomme ich in Baden-Wüttemberg (BW) etwa 30 € pro Patient und Quartal inklusive der Röntgen und Ultraschalleistungen, für die ich teure und aufwendige Geräte vorhalten muß, die ich als "Neuling" noch nicht bezahlt habe. Für 10 € im Monat -Umsatz!! - behandle ich also einen Patienten nach besten wissen und gewissen, mit allen auch rechtlichen Folgen und stehe privat voll im Risiko. 2. Ärztliche: Ein Großteil der Erkrankungen in Deutschland wird im ambulanten Sektor erfolgreich und abschließend behandelt. Dies funktioniert auf Grund einer wohnortnahen Versorgung, Patient und Arzt kennen sich und haben ein Vertrauensverhältnis aufgebaut. Wie soll das in Zukunft werden?
Das Gesundheitswesen ist ein Sumpf...
...in dem keiner mehr den Durchblick hat, wessen Ansprüche gerechtfertigt sind. Deshalb macht auch niemand Ulla Schmidt, die ohne gestalterischen Ergeiz seit 3 Legislaturperioden als Gesundheitsministerin im Amt ist, ihren Job streitig. Das letzte Glied in der Kette der "Versorgungsempfänger" - unmittelbar vor dem Versicherten - scheint der Arzt zu sein! Das Meiste sahnen die Krankenkassenverwaltungen, die Pharmaindustrie und die Krankenhäuser ab. Die Ärzte können in diesem System noch am weigsten schummeln, deshalb gehen sie jetzt auf die Barrikaden! Der größte Mangel des derzeitigen Systems ist, dass der gesetzlich Versicherte überhaupt keine Rückmeldung erhält, welche Kosten er verursacht und daher nicht prüfen kann, ob das der Kasse in Rechnung gestellten Leistungen überhaupt gerechtfertigt sind. Es ist wie bei den Rundfunkgebühren: der Bürger zahlt ohne ein Mitspracherecht über die Verwendung der Mittel zu haben.
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