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Abwanderung Immer mehr Betriebe forschen im Ausland

02.02.2005 ·  Niedrigere Kosten, weniger strenge Auflagen und eine höhere Verfügbarkeit besser ausgebildeter Mitarbeiter: Deutsche Unternehmen forschen immer mehr im Ausland. Dort ist die Fertigung schon länger - mit Folgen.

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Die deutschen Unternehmen wollen ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) in den kommenden Jahren weiter steigern, doch forschen sie immer mehr im Ausland. Damit folgt die Forschung der Fertigung, und das zieht eine weitere Verlagerung von Produktionskapazitäten aus dem Inland nach sich. Zu dem Ergebnis kommt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag in einer Studie, die DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Ohne ein nachhaltiges Gegensteuern auch durch die Politik werde der "Produktionsstandort Deutschland in wesentlichem Maße beeinflußt, wenn nicht gefährdet", sagte Braun.

Zwei Drittel der Unternehmen, die im Ausland forschten, täten dies wegen der dort besseren Standortbedingungen, nicht weil sie dem Markt gefolgt wären. Niedrigere Kosten, weniger strenge Auflagen und eine höhere Verfügbarkeit besser ausgebildeter Mitarbeiter würden als entscheidende Gründe angeführt. Wenn man diese Unternehmen im Inland hätte halten können, lägen die jährlichen Ausgaben für die Erforschung und Entwicklung neuer Produkte und Verfahren in Deutschland damit bei 37 statt 35 Milliarden Euro, rechnete der Chefvolkswirt der Kammernorganisation, Axel Nitschke, hoch.

"Deutschland vergibt hier Chancen"

"Deutschland vergibt hier Chancen", bedauerte Braun. Er klagte über eine weitverbreitete "Ignoranz gegenüber neuen Technologien". Viele Forschungsbereiche - beispielhaft nannte er die Atomtechnologie, die grüne Gentechnik, Stammzellenforschung und Nanotechnologie - seien hierzulande "mit Technologiefeindlichkeit und Aversionen belastet". Wo nicht geforscht werde, entstünden auch keine neuen Produkte. "Die Idee, Deutschland könnte ein Land der Blaupausenexporte werden, wird nicht greifen", sagte Braun.

Der Kammernpräsident lobte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für die im vergangenen Jahr ausgerufene Innovationsoffensive. Er hoffe, daß die Regierung die Vorschläge in die Praxis umsetzen werde, die derzeit in 15 Arbeitsgruppen erarbeitet würden. "Mal abwarten, wie die Regierung pfeift, nachdem sie den Mund gespitzt hat." Unumgänglich sei eine "wesentliche Erhöhung der Mittel bei den Großforschungseinrichtungen". Politiker aus FDP und CSU werteten die Ergebnisse der DIHK-Umfrage dagegen als Beleg für die Erfolglosigkeit der Innovationsoffensive der Bundesregierung.

IT-Hersteller, Maschinenbauer, Kraftfahrzeug-Zulieferer...

Nach der Befragung von 1554 Unternehmen - sie decken nach DIHK-Angaben 60 Prozent der privatwirtschaftlichen deutschen Forschungsaufwendungen ab - läßt jedes dritte Unternehmen im Ausland forschen, und davon habe die Hälfte der Betriebe - also jeder sechste - Aktivitäten aus Deutschland verlagert. Besonders betroffen seien IT-Hersteller, Maschinenbauer, Kraftfahrzeug-Zulieferer und Anbieter von Elektrotechnik. Bevorzugte Zielländer sind nach der DIHK-Studie die EU-15-Staaten, danach Länder Mittel- und Osteuropas, gefolgt von Nordamerika und Asien, die mit 28 Prozent gleichauf liegen, noch vor der Schweiz, die jedes neunte Unternehmen als Zielland angab - Mehrfachnennungen waren möglich.

Als "schlecht" bewerteten 16 Prozent der Unternehmen die Bedingungen hierzulande, gut die Hälfte hält sie für durchschnittlich. 30 Prozent der Betriebe wollen ihre Forschungsausgaben in Deutschland in den kommenden drei Jahren erhöhen, 50 Prozent das Niveau konstant halten, was insgesamt zu einem leichten Anstieg führen werde. Jedes sechste Unternehmen gab an, bis zum Jahr 2007 Teile seiner Forschung ins Ausland verlagern zu wollen.

Quelle: ami., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2005, Nr. 27 / Seite 11
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