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Rewe : Die nutzlose Abschaffung der Plastiktüte

Plastiktüten sind für Notfälle relativ umweltfreundlich. Bild: dpa

Rewe nimmt die Plastiktüte aus dem Sortiment. Die Umweltministerin jubelt, das Gewissen der Deutschen fühlt sich sauber. Die Umwelt nicht unbedingt.

          Es passiert öfter, als einem lieb ist. Eigentlich hat man ja immer eine Stofftasche im Rucksack. Oder einen Plastikkorb im Kofferraum. Aber dann braucht man doch mal dringend noch ein paar Zutaten für die abendliche Bolognese-Sauce, und die Stofftasche liegt noch daheim.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das ist die klassische Situation für eine Plastiktüte. Aber mit der Plastiktüte wird es künftig schwieriger, zumindest bei Rewe. Denn die billigen Tüten nimmt Rewe jetzt aus dem Sortiment. Übrig bleiben Papiertüten, Baumwolltaschen und die teuren, stabileren Plastiktaschen aus Recyclingmaterial. Ein „wesentlicher Beitrag zur Reduzierung von Plastikmüll“ soll das sein, so sagt es das Unternehmen, bekommt gleich ordentlich Lob vom Naturschutzbund Nabu und sogar von der Umweltministerin.

          Denn die Umweltministerin will gemeinsam mit der EU die Plastiktüten möglichst wirksam aus dem Handel verbannen. Viel zu oft enden Plastiktüten im Meer, machen den Tieren dort Schwierigkeiten und landen am Ende wieder in der Nahrungskette – so das Argument. Erst mal sollen innerhalb von zwei Jahren 80 Prozent aller Plastiktüten kostenpflichtig werden.

          Plastiktüten sind besser als ihr Ruf

          Doch kostenpflichtig waren die Tüten bei Rewe ja vorher schon. Jetzt sollen sie ganz abgeschafft werden. Rewe sagt: In den Test-Supermärkten sei der Versuch gut angekommen. Für das Gewissen der Deutschen ist dieses Vorhaben also auf jeden Fall schon mal gut. Aber ob es der Umwelt wirklich hilft, ist eine ganz andere Frage.

          Denn Plastiktüten sind nicht ganz so umweltschädlich, wie sie oft gemacht werden. Sie werden zwar aus Erdöl hergestellt, aber je nach Betrachtungsweise schaden sie der Umwelt sogar weniger als die Alternativen. Papiertüten beispielsweise sind zwar als Müll umweltfreundlicher, aber sie brauchen in der Herstellung viel Energie und Wasser. In der Gesamtbilanz sagen auch Umweltverbände: Damit eine Papiertüte ökologisch ebenso gut ist wie eine Plastiktüte, muss man sie mehrmals verwenden. Blöd, wenn dann zwischendurch der Joghurt ausgelaufen ist. Oder die leere Bierflasche doch noch einen Tropfen verloren hat.

          Noch deutlicher ist die Ökobilanz bei allen Taschen, die schon nach Mehrfachverwendung aussehen: den stabilen Plastiktaschen oder den Stofftüten. Werden die nur einmal verwendet, fällt die Ökobilanz miserabel aus. Tatsächlich sind sich Umweltschützer einig: Taschen wiederzuverwenden, ist zwar für die Umwelt am besten. Aber wenn eine Tüte doch nur einmal gebraucht wird, dann ist die simple Plastiktüte die umweltfreundlichste Wahl.

          Die Deutschen verwenden schon Stoffbeutel und Co.

          Müssen Umweltschützer die Deutschen noch dazu erziehen, ihre Tüten mehrfach zu verwenden und Stoffbeutel oder Rucksäcke zu verwenden? Nicht unbedingt. Eine Befragung aus dem Jahr 2014 lässt darauf schließen, dass die Deutschen das schon tun. Vier von fünf Einkäufen werden schon mit wiederverwendeten Taschen oder Körben erledigt, so hat es die „Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung“ (GVM) auf Basis einer repräsentativen Emnid-Umfrage und eigenen Daten errechnet.

          Für die übrigen Fälle ist die Plastiktüte häufig die richtige Wahl, findet GVM-Co-Geschäftsführer Jürgen Heinisch. Vor allem dann, wenn der Kunde dafür bezahlen muss. „So wird der einzelne motiviert nachzudenken: Wann brauche ich eine Tüte?“ Ob es der richtige Schritt sei, die Tüten ganz abzuschaffen, „das wage ich zu bezweifeln.“

          Und was sagt Umweltministerin Barbara Hendricks über die Plastiktüten? Sie sagt, ihr gehe es um das Signal, das von Rewe ausgeht. Und sie gibt zu: Papiertüten stünden „ökologisch gesehen nicht unbedingt besser da.“

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