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50 Prozent sind nicht die Hälfte Was Arbeitslosenquoten aussagen

Mehr als 50 Prozent beträgt die Arbeitslosenquote junger Männer und Frauen in Griechenland und Spanien. Jeder Zweite also, denkt man, aber das ist nicht ganz richtig.

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Wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs derzeit fieberhaft nach Lösungen im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit suchen, wird die Dringlichkeit der Bemühungen meist mit dramatischen Statistiken untermauert. Mehr als 50 Prozent beträgt laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat die Arbeitslosenquote junger Männer und Frauen in Griechenland und Spanien, genauso im neuesten Mitgliedsland der Europäischen Union, Kroatien. „Jeder Zweite ohne Arbeit“ lauten viele Schlagzeilen, und der Beobachter stellt sich die Frage, warum in diesen Ländern die Proteste nicht noch viel heftiger ausfallen, wenn die Hälfte eines Jahrgangs keine Stelle hat.

Die Antwort klingt zunächst verblüffend: Weil die abgeleitete Aussage falsch ist. Zumindest ist sie nicht ganz richtig. Denn korrekt müsste es eigentlich heißen: Jeder zweite, der dem Arbeitsmarkt auch zur Verfügung steht, ist ohne Arbeit. Denn Arbeitslosenquoten beziehen sich immer auf die Grundgesamtheit all der Personen, die arbeiten wollen und auch können. Eine alleinerziehende Mutter zum Beispiel würde vielleicht gerne eine Beschäftigung aufnehmen, weil sie aber nicht über hinreichende Betreuungsmöglichkeiten verfügt, muss sie sich vorerst um ihr Kleinkind kümmern. Weil sie somit nicht für die Vermittlung einer offenen Stelle in Frage kommt, zählt sie nicht als arbeitslos.

Bei Menschen unter 25 Jahren ist diese Gruppe naturgemäß besonders groß, weil sie noch sehr stark im Bildungssystem präsent sind. Will man nun eine Aussage treffen, wie groß der Anteil der jungen Arbeitslosen eines Landes an der gesamten Alterskohorte ist, muss man also die Arbeitslosen in Bezug zur entsprechenden Gesamtbevölkerung setzen. Dadurch sinkt die Quote erheblich. Aus den jeweils mehr als 50 Prozent Arbeitslosenquote werden in dieser Betrachtung etwa im Falle Spaniens im Durchschnitt des Jahres 2012 rund 20 Prozent, für Griechenland bleiben 16 Prozent und für Kroatien 18 Prozent.

Das heißt allerdings nicht, dass die Dringlichkeit des Problems deshalb wesentlich geringer wäre. Denn entscheidend ist vor allem die Entwicklung, und die ist eindeutig: Seit 2003 hat sich auch in dieser Bilanz der Wert in den drei Ländern nahezu verdoppelt. In Irland, einem weiteren gebeutelten Euro-Mitglied, hat er sich sogar verdreifacht. Dazu bleibt der Abstand zur Spitzengruppe hoch, da sich etwa der Wert für Primus Deutschland in dieser Statistik auf knapp vier Prozent fast halbiert hat. Außerdem führen die miserablen Aussichten auf vielen Arbeitsmärkten zu Ausweichbewegungen der Jugendlichen, die eine Form von verdeckter Arbeitslosigkeit darstellen: Das heißt, viele junge Menschen bleiben aus der Not heraus länger an Schulen und Universitäten. Viele würden lieber arbeiten gehen, wenn es passende offene Stellen gäbe.

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Quelle: F.A.Z.

 
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