http://www.faz.net/-gqe-10bjh

350 Millionen für Lehman : KfW überwies nach langen Beratungen

Nach dem Vorfall prüft nun die Politik den Umbau der KfW Bild: dpa

Die KfW überwies rund 350 Millionen Euro an Lehman Brothers - zu einem Zeitpunkt, zu dem die Pleite der Investmentbank absehbar war. Bislang galt das als „Überweisungspanne“. Nach Informationen der F.A.Z. stellt sich jetzt aber heraus: Die Entscheidung fiel nach langen Beratungen.

          Die am vergangenen Montag von der staatseigenen Förderbank KfW ausgeführte Überweisung an die insolvente amerikanische Investmentbank Lehman Brothers ist entgegen den bisherigen Beteuerungen offenbar in voller Absicht ausgeführt worden. Das jedenfalls legen nach Informationen der F.A.Z. erste interne Auswertungen des Vorfalls nahe, die Basis für die Entscheidungen des Verwaltungsrates am Donnerstagabend waren. Zwei Vorstände und der Bereichsleiter für das Risikocontrolling waren suspendiert worden.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Am Freitag vorvergangener Woche waren Mitarbeiter der KfW zusammengekommen und hatten über die Entwicklung von Lehman und die anstehende Zahlung beraten. In allen Medien war zu dieser Zeit die drohende Insolvenz der amerikanischen Investmentbank schon Thema. Wie es heißt, habe man festgestellt, dass „Lehman nicht so gut aussieht“, und eine Entscheidung getroffen: Die Überweisung, die ihren Ursprung in einem gewöhnlichen Devisen-Swap-Geschäft hatte, wird noch ausgeführt; Neugeschäft wird nicht mehr eingegangen. Die sich über das Wochenende zuspitzende Lage von Lehman sowie die Berichte in der Nacht von Sonntag auf Montag über deren Insolvenz haben die Verantwortlichen in der KfW offenbar nicht bewogen, die Überweisung noch zu stoppen.

          Am Montag um 8.37 Uhr ist der Überweisungsauftrag an die Bundesbank gegangen und dort einige Minuten später ausgeführt worden. Für 9.30 Uhr war ein weiteres Treffen des Krisenstabes in der KfW anberaumt – zu spät. Durch den dann gültigen Umrechnungskurs von Dollar in Euro wurde aus der anfänglich angenommenen Summe von rund 300 Millionen Euro letztlich rund 350 Millionen Euro. Das Geld ist vermutlich mindestens zur Hälfte verloren. Der genaue Betrag hängt von der Konkursquote von Lehman ab.

          Glos fordert Verkleinerung des Verwaltungsrats

          Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verlangt nach dem öffentlich bislang als „Überweisungspanne“ eingestuften Vorfall eine Verkleinerung des KfW-Verwaltungsrates. 37 Mitglieder seien „für effiziente, schnelle Entscheidungen einfach zu viel“. Er sprach sich für eine rasche Änderung des KfW-Gesetzes aus. Die Schwierigkeiten der KfW resultierten vor allem aber daraus, „dass in der Vergangenheit ihr Vorstand nie nach professionellen Kriterien, sondern nach politischer Farbenlehre ausgewählt wurde“, sagte Glos der „Bild“-Zeitung.

          Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) will einen Teil der staatseigenen Förderbank künftig mit unter die Beobachtung der Finanzaufsicht Bafin stellen. „Die KfW besteht zu einem Teil aus dem privaten Bankgeschäft und zu einem weiteren Teil aus der Förderbank“, sagte Koch der „Welt am Sonntag“. Das Bankgeschäft sollte künftig die Erfahrung der Bafin in Anspruch nehmen. „Für jene Aktivitäten, die sich etwa mit der Entwicklungshilfe in Afrika befassen, hat das aber keinen Sinn.“ Einen Rückzug der Politik aus der KfW lehnte Koch ab. „Sie ist keine normale Geschäftsbank“, sagte er. „Daher ist es richtig, dass Politiker als gewählte Vertreter dort die Verantwortung tragen.“

          Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, sagte der Berliner „B.Z.“, er werde am kommenden Mittwoch im Haushaltsausschuss exakte Auskunft verlangen, wer welche Verantwortung trage und welches Risikomanagement es gebe. Es müsse geklärt werden, ob die beiden suspendierten Vorstände die einzigen und wirklich Verantwortlichen waren. „Außerdem müssen nach diesem Desaster die Strukturen geändert werden. In der KfW kann kein Stein auf dem anderen bleiben.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Der Supermarkt für gerettete Lebensmittel Video-Seite öffnen

          Berliner Start-up : Der Supermarkt für gerettete Lebensmittel

          20 Millionen Tonnen Lebensmitteln landen in Deutschland jährlich in der Mülltonne. Sie entsprechen nicht der Handelsnorm oder dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Umweltaktivist Raphael Fellmer hat einen Supermarkt für abgelaufene Lebensmittel eröffnet.

          Ein Blick in die Zukunft Video-Seite öffnen

          Die „me Convention 2017“ : Ein Blick in die Zukunft

          Die „me Convention 2017“ in Frankfurt hat den Besuchern einen vielfältigen und bunten Einblick die Zukunft gewährt. Dabei sind die Veranstalter ihrem Kredo treu geblieben: Convention ohne Konventionen.

          Topmeldungen

          Trumps UN-Rede : Feurige Worte und tödliche Missverständnisse

          Donald Trump hebt die Bedeutung „souveräner Nationalstaaten“ hervor und teilt gegen Nordkorea aus. UN-Generalsekretär Guterres mahnt zur Einigkeit – mit einem Seitenhieb gegen den amerikanischen Präsidenten.
          Polizisten beobachten das Geschehen auf der Wiesn. Auch auf dem diesjährigen Oktoberfest kam es bereits zu sexuellen Übergriffen.

          Anstieg von Sexualstraftaten : Warnungen eines Wahlkämpfers

          Bayerns Innenminister Herrmann rühmt sich mit der hohen Sicherheit in seinem Bundesland. Die Zunahme der Sexualstraftaten – sowohl durch Deutsche als auch Ausländer – ist jedoch alarmierend.
          Mathias Döpfner beim Zeitungskongress in Stuttgart.

          Verleger gegen ARD : Was Döpfner wirklich gesagt hat

          Der Verleger-Präsident Mathias Döpfner hält eine feurige Rede und teilt gegen die Medienpolitik, ARD und ZDF aus. Die ARD-Chefin Wille reagiert wie zu erwarten mit einem Beißreflex. Und produziert „Fake News“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.