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26 Prozent Wachstum : Steuersparmodelle blähen irische Wirtschaft auf

Während der Fußball-EM hatte Irland das Nachsehen gegen Gastgeber Frankreich - wenn es um Wirtschaftswachstum geht, war das Inselland letztes Jahr hingegen klarer Europameister. Bild: dpa

Irlands Wirtschaft ist nach einer Statistikumstellung im vergangenen Jahr um über 26 Prozent gewachsen. Zumindest auf dem Papier.

          Dass die irische Wirtschaft vergangenes Jahr kräftig gewachsen ist, war bekannt. Aber mit einer so spektakulären Zahl hat niemand gerechnet: Um 26,3 Prozent sei die Wirtschaftsleistung in der kleinen Inselrepublik im Jahr 2015 nach oben geschossen, teilte das irische Statistikamt an diesem Dienstag mit und bezeichnete die Wachstumsziffer als „dramatisch“.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          In ihren bisherigen Schätzungen waren die Statistiker lediglich von einer Expansion um 7,8 Prozent ausgegangen. Im ersten Quartal 2016 ist das Bruttoinlandsprodukt einer ersten Schätzung zufolge sogar um 2,1 Prozent geschrumpft.

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          Das enorme Wachstum im vergangenen Jahr ist auch ein Indiz dafür, welches Ausmaß die umstrittene, steuerlich motivierte Gewinnverlagerung innerhalb internationaler Konzerne erreicht hat. Einmal-Effekte trugen maßgeblich zu diesem Anstieg bei: So habe ein Flugzeugleasing-Unternehmen seine gesamte Bilanz nach Irland verschoben, heißt es vom Statistikamt. Auch andere Steuerspartransaktionen multinationaler Konzerne blähten das Wirtschaftswachstum auf.

          Irland steht wegen seiner laxen Steuerpolitik immer wieder in der Kritik: Unternehmensgewinne werden mit lediglich 12,5 Prozent besteuert. Auf Gewinne aus Patenten erhebt das Land sogar nur 6,25 Prozent. Zumindest bisher konnten zudem ausländische Konzerne mittels legaler Schlupflöcher ihre Steuerlast noch weiter senken.

          Vor allem unter Entscheidern in amerikanischen Unternehmen ist Irland deshalb ein beliebter Standort. Auf die Realwirtschaft der Grünen Insel haben die Steuerspar-Umbuchungen allerdings nur beschränkte Auswirkungen - neue Arbeitsplätze jedenfalls werden dadurch kaum geschaffen.

          Handfeste Sorgen macht den Iren dagegen der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU: Das kleine Land ist mit dem großen Nachbarn wirtschaftlich und politisch so eng verflochten wie kein anderes Mitgliedsland im europäischen Staatenbund. Ökonomen und Wirtschaftsvertreter warnen deshalb, dass der Brexit auch Irland hart treffen könnte. Zudem gibt es Befürchtungen, dass mit dem EU-Ausstieg der gewaltsame Konflikt im britischen Nordirland neu aufflammen könnte.

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