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Veröffentlicht: 29.01.2014, 07:19 Uhr

20 Jahre Laufzeitverlängerung Spanische Energiewende zurück zur Atomkraft

Die spanische Regierung will die Kernkraftwerke zwanzig Jahre länger am Netz lassen als bisher geplant. Ursprünglich sollte die gesamte Nuklearindustrie in diesem Jahr abgeschaltet werden.

von , Madrid
© REUTERS Wird länger am Netz bleiben: Atomkraftwerk in Asco

In einer drastischen Kehrtwende bei der Atomenergie erwägt die spanische Regierung nun eine Verlängerung der Laufzeit für Kernkraftwerke von gegenwärtig 40 auf „50 oder 60 Jahre“ oder sogar noch darüber hinaus. Das bestätigte der Präsident des Nationalen Unternehmens für radioaktive Abfälle (Enresa), Francisco Gil-Ortega, in Madrid. Das Industrieministerium dringt schon seit einiger Zeit auf einen solchen Schritt „im wirtschaftlichen Interesse“ des Landes. Das Thema dürfte am Freitag bei der nächsten Kabinettssitzung unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Mariano Rajoy auf die Tagesordnung kommen.

Spanien verfügt über 6 Kernkraftwerke mit insgesamt 8 Reaktoren. Sie decken rund 20 Prozent des Stromverbrauchs des Landes. Das älteste Kraftwerk in Garoña bei Burgos – es gehört zum gleichen Bautyp wie der im japanischen Fukushima havarierte Reaktor – wurde im vergangenen Jahr nach dem Auslaufen der auf 40 Jahre begrenzten Betriebsgenehmigung stillgelegt. Die übrigen Reaktoren sollten nach dem Verstreichen der gleichen Frist vom Jahr 2020 an außer Betrieb genommen werden.

Industrie verlangt langfristige Sicherheiten

Rajoys sozialistischer Vergänger José Luis Rodríguez Zapatero wollte ursprünglich die gesamte spanische Nuklearindustrie bis 2014 vom Netz nehmen. Nach seinem Amtsantritt im Jahr 2004 bezeichnete er sich als den „größten Atomgegner in der Regierung“. Nach dem Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 korrigierte er aber diesen Kurs unter heftigen Protesten von Umweltschutzorganisationen und rückte von der strikten Zeitbegrenzung ab. Die Regierung Rajoy bot nun schon im vorigen Jahr den Betreibern von Garona eine Verlängerung an. Mit dem Hinweis auf mangelnde Garantien und Rechtssicherheit lehnten diese das bislang aber ab.

Letzteres wird der Kernpunkt für neue Vereinbarungen mit der Energieindustrie sein. Damit nicht eine neue Regierung nach der nächsten Wahl wieder einen „Atomstopp“ beschließt, verlangt sie langfristige Sicherheiten mit einer Schadensersatzklausel. Industrieminister José Manuel Soria, der sogar schon die Vereinigten Staaten mit Laufzeiten für Atomkraftwerke „von bis zu 70 oder 80 Jahren“ als Beispiel nannte, befürwortet klare Festlegungen. Die Industrie, der insbesondere an längerfristiger kalkulierbarer Rentabilität gelegen ist, wünscht sich dazu ein entsprechendes neues Gesetz mit einer „Fristenregelung“.

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