04.04.2005 · Bundeswirtschaftsminister Clement reist derzeit mit 40 deutschen Unternehmern durch Indien. Während sich die Inder deutsche Investitionen in ihre Infrastruktur wünschen, hofft Clement indische Fachkräfte zu gewinnen.
Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat am Montag für engere Wirtschaftsbeziehungen mit Indien geworben. Zu Beginn seines zweitägigen Aufenthalts in Delhi sagte er: „Unsere Handelsbeziehungen und unser gegenseitiges Engagement bei den Investitionen schöpfen das vorhandene Potential bei weitem nicht aus.“
Das bilaterale Handelsvolumen wuchs zwar im vergangenen Jahr um 22,5 Prozent, liegt aber mit 6,2 Milliarden Euro weit unter der Marke, die beispielsweise der deutsch-chinesische Handel erreicht hat. Am Rande einer Sitzung der „Deutsch-Indischen Gemeinsamen Kommission für industrielle und wirtschaftliche Zusammenarbeit“ drückte Clement seine Erwartung aus, daß der bilaterale Handel auch in den kommenden Jahren einen kräftigen Zuwachs erleben werde. Er bemängelte aber eine „gegenläufige Entwicklung bei den genehmigten Investitionen“. Auf diesem Feld belege Deutschland in der indischen Statistik mit 37 Millionen Euro nur den siebten Platz.
Bürokratische Hemmnisse
In den Tagen vor der Gemeinsamen Kommission, die zuletzt vor fünf Jahren zusammengetroffen war, hatte der indische Finanzminister Palaniappan Chidambaram Deutschland davor gewarnt, seine Chancen zu verpassen. Mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von mehr als 6 Prozent werde sich Indien zur zweiten großen Wirtschaftsmacht in Asien entwickeln. „In dieser Welt ist genügend Platz für China und Indien da“, sagte er im Blick auf die Konzentration der deutschen Wirtschaft auf die Volksrepublik.
Indien bemüht sich vor allem um deutsche Investitionen in seine marode Infrastruktur. Einige Wirtschaftszweige - wie Straßenbau, Luftfahrt und Energie - wurden in den vergangenen Jahren für ausländische Beteiligungen geöffnet. Doch vielen Investoren gehen die Liberalisierungen der von den Kommunisten geduldeten Minderheitsregierung in Delhi nicht weit genug. Auch werden immer wieder bürokratische Hemmnisse, lange Genehmigungszeiten und Planungsunsicherheiten bemängelt. Chidambaram trat solchen Einwänden entgegen. Er schätzt, daß der indische Infrastruktursektor in den kommenden zehn Jahren Auslandsinvestitionen von bis zu 150 Milliarden Dollar absorbieren könne.
„Wenn wir kommen, dann kommen wir richtig“
Während eines Treffens mit Chidambaram räumte Clement ein, daß Deutschland sich bislang zu wenig in Indien engagiert habe. „Die deutsche Wirtschaft und Politik haben Indien relativ spät wiederentdeckt, aber wir haben es wiederentdeckt“, sagte Clement und fügte an: „Wenn wir kommen, dann kommen wir richtig.“ Der Minister, der mit vierzig deutschen Unternehmern nach Indien gereist ist, machte allerdings auch darauf aufmerksam, daß sich Deutschland ebenfalls als Investitionsstandort eigne. An indische Investoren gerichtet sagte er: „Ermutigen sollte Sie vor allem die im Gang befindliche Modernisierung und wirtschaftliche Erholung Deutschlands.“
Die Gemeinsame Kommission bot Clement überdies ein Forum, um mehr Fachkräfte aus Indien anzuwerben. Das neue deutsche Einwanderungsgesetz biete „attraktive Chancen“. Schon von der „Green-Card-Initiative“ hätten die indischen IT-Fachkräfte in besonderer Weise profitiert. Mehr als 30 Prozent aller Karteninhaber seien aus Indien eingereist. Zur Zeit arbeiteten 5.000 indische IT-Fachkräfte in Deutschland. Insgesamt seien rund 60 indische IT-Unternehmen in der Bundesrepublik aktiv.
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