28.08.2006 · Teure Uhren, Tankgutscheine, Gartenmöbel. Mit diesen Prämien hat Philips Händler bestochen. Ein Lehrstück über die alltägliche Korruption.
Von Lisa NienhausRichtlinien für Lesermeinungen
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M.E. werden die bisherigen Kommentare dem Thema Korruption nicht gerecht. Die Probleme der Korruption sind folgende:
Wird ein Träger öffentlicher Gewalt bestochen, so ist die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung beeinträchtigt.
Wird ein Mitarbeiter eines privaten Unternehmens bestochen, so kann dies dazu führen, daß er seine dem Unternehmer bzw. den Anteilseignern gegenüber bestehenden Pflichten verletzt und z.B. ein schlechteres Produkt zu einem überhöhten Preis kauft. Darin kann eine Untreue liegen.
Werden hingegen dem Käufer eines Produktes Vergünstigungen (Boni o.ä.) eingeräumt, so dürfte dies unproblematisch sein, solange keine Wettbewerbsbeschränkung vorliegt.
Die Grenze ist mir nicht klar...
Sind Prämien für abgeschlossene Handyverträge Korruption? (E-Plus bot in der Vergangenheit weniger, daher waren D1 und D2 in Handystores bei den Verkaufsberatern beliebter...)?
Ist es ein Unterschied, ob ein Angestellter etwas erhält oder der Geschäftsführer oder Firmeninhaber?
Erhält man Geschenke von z.B. einem Zulieferer zu Weihnachten, mag dies sicherlich Ausdruck einer guten Geschäftsbeziehung sein. Die Entscheidung, bei eben diesem Zulieferer zu bleiben könnte dann aber sowohl durch den "netten" Kontakt, als auch durch die Geschenke getroffen werden. Ist das bereits Korruption?
Für mich hört sich ein Verkaufsförderungsprogramm legal an. Wenn doch ein Hersteller innerhalb seiner Margen Anreize schaffen will und kann, sollte dies doch, sofern es auf der anderen Seite als Einnahme angegeben wird, legal sein. Sonst ist es m.E. Steuerhinterziehung, aber doch keine Korruption?!?
Wenn ein Beamter, der objektiv und ohne äußere Einflüsse entscheiden muss, Geschenke erhält, ist es klar Korruption bzw. Bestechung.
Aber in der freien Wirtschaft?!? Der Markt regelt sowas doch von alleine!
Wo leben Sie?
Der Artikel liest sich ja fast wie ein Versuch, wegen der Dopingpraktiken im Sport ganz arg Empörung zu zeigen.
Im Geschäftsleben geht's nun mal so zu. Einkäufer, Entwickler, Qualitätsingenieure, Filialleiter und andere, ähnliche Oberhelfer werden abends zum Essen eingeladen, und danach in eine heißgetanzte Bar. Sie werden mit Weihnachtsgeschenken überschüttet, (fast) jeden Wunsch lesen die Lieferanten ihnen von den Augen ab. In Deutschland zwar verschämt versteckt, in Asien offener, aber überall gleichermaßen praktiziert. Wo ist die Grenze zur Bestechung? Die armen Philips-Leute! Der Brauch ist doch seit hundert Jahren da, und er ist branchen- und firmenübergreifend. Sollen die 'Sünder' jetzt plötzlich alle an den Pranger gestellt werden? Ich bitte Sie! Reden Sie mal vertraulich mit dem Verkaufsleiter irgendeiner größeren Firma...
Karl-Heinz Isleif
Tokyo, Japan
Lisa Nienhaus Jahrgang 1979, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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