19.02.2004 · Zwei Jahre nach der Pleite des amerikanischen Energiekonzerns Enron hat sich der frühere Unternehmenschef Skilling der Justiz gestellt. Gegen fünf Millionen Dollar Kaution wurde er zunächst freigelassen.
Mehr als zwei Jahre nach dem betrügerischen Zusammenbruch des amerikanischen Energieriesen Enron hat sich der ehemalige Konzernchef Jeffrey Skilling am Donnerstag der Bundespolizei FBI im texanischen Houston gestellt. Der 50jährige werde des Betrugs, des Insiderhandels und der Falschaussage angeklagt, berichtete der Nachrichtensender CNN.
Harvard-Absolvent Skilling wurde im Fernsehen gezeigt, wie er in Handschellen aus dem FBI-Büro in Houston, Texas, geführt und zum Gerichtsgebäude gefahren wurde. Dort plädierte er in allen 36 Anklagepunkten auf „nicht schuldig“. Er wurde danach gegen eine Kaution von fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) auf freien Fuß gelassen. Skilling steht im Verdacht, an den Finanzmanipulationen beteiligt gewesen zu sein, mit denen der Konzern seine desaströse Lage lange erfolgreich verschleiert hatte.
Vier Monate vorher „alles in Ordnung“
Nachdem seit Ende Januar Ex-Buchhalter Causey wegen Betrugs und Verschwörung vor Gericht steht, gehen amerikanische Medien nun davon aus, daß auch der 50jährige ehemalige Konzernchef für den spektakulären Enron-Zusammenbruch Ende 2001 von den Justizbehörden zur Verantwortung gezogen wird. Skilling hatte 2002 vor dem amerikanischen Kongress ausgesagt, daß die Unternehmensfinanzen zum Zeitpunkt seines Rücktritts im August 2001 noch in Ordnung gewesen seien - ganze vier Monate, bevor Enron Insolvenz anmelden mußte. Auf diese Aussage stützten sich die Untersuchungen der eigens eingerichteten Enron-Task-Force im Justizministerium, berichtete die „Washington Post“.
Skilling war nach amerikanischen Medienberichten am späten Mittwochabend angeklagt worden. Damit ist von den obersten Enron-Bossen nur Ex-Konzernchef Kenneth Lay noch nicht angeklagt. Nach Informationen des „Houston Chronicle“ hat Skilling bereits ein hochrangiges Anwaltsteam um sich gescharrt, darunter auch Daniel Petrocelli, der in der Klage gegen den Ex-Hollywood- und Sportsstar O.J. Simpson die Familie von dessen getöteter Ex-Frau vertreten und 33 Millionen Schmerzensgeld erfochten hatte.
Finanzchef kooperiert mit Behörden
Im Januar hatte sich Finanzchef Andrew Fastow in zwei Anklagepunkten schuldig bekannt. Im Gegenzug für eine reduzierte Gefängnisstrafe von zehn Jahren erklärte sich Fastow nach Medienberichten bereit, bei den weiteren Ermittlungen gegen Lay und Skilling mit den Behörden zusammenzuarbeiten.
Enron steht nach dem Telefonkonzern WorldCom für die zweitgrößte Firmenpleite der amerikanischen Geschichte. Der Energieriese soll die Gewinne unzulässig aufgebläht und Milliardenschulden in dubiosen Partnerschaften versteckt haben. Der Kollaps des damals siebtgrößten Unternehmens des Landes Ende 2001 erschütterte die Finanzmärkte rund um den Globus. Damals blieb die Firma rund 20.000 Gläubigern rund 67 Milliarden Dollar schuldig. Als erster früherer Verantwortlicher wurde im September 2003 der Ex-Buchhalter Ben Glisan zu fünf Jahren Haft verurteilt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2466 | −0,18% |
| Rohöl Brent Crude | 106,27 $ | −0,54% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?