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Wirtschaftskriminalität Früherer Daewoo-Chef verhaftet

14.06.2005 ·  Nach sechs Jahren im Ausland hat sich der ehemalige Chef des südkoreanischen Daewoo-Konzerns der Justiz gestellt. Er gilt als Symbol südkoreanischer Wirtschaftsgeschichte. Der Vorwurf: Kim hat Bilanzen gefälscht und Milliarden ins Ausland geschleust.

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Nach sechs Jahren auf der Flucht ist der frühere Chef des zusammengebrochenen südkoreanischen Konzern Daewoo, Kim Woo-Choong, in sein Heimatland zurückgekehrt und festgenommen worden. Er wird beschuldigt, die Bilanzen des Konzerns gefälscht und 25 Billionen Won (20,3 Milliarden Euro) ins Ausland geschleust zu haben.

Am Dienstag morgen landete Kim aus Vietnam kommend auf dem Flughafen Incheon nahe der Hauptstadt Seoul, wo ihn Polizisten sofort in Gewahrsam nahmen. Der 68jährige kündigte an, „jede Verantwortung für den Fall Daewoo“ zu Übernehmen. „Es tut mir zutiefst leid“, fügte er hinzu. Kim wird für die größte Bilanzaffäre in der Wirtschaftsgeschichte des Landes verantwortlich gemacht. Daewoo war 1999 unter der Last von Schulden in Höhe von umgerechnet rund 53 Milliarden Euro zusammengebrochen.

Aufgebrachte ehemalige Angestellte

Auf dem Flughafen verlangten ehemalige Angestellte, die wegen der Pleite ihren Arbeitsplatz verloren hatten, auf Transparenten „Bestraft Kim Woo Choong". Er soll davon gewußt haben, daß das Unternehmen Milliardenverluste in zweistelliger Höhe unterschlug. Nach der Pleite soll er unter anderem in Deutschland, Frankreich, den Vereinigten Staaten, Sudan und Vietnam untergetaucht sein. Etwa 20 Manager und Buchhalter wurden bereits wegen Betruges verurteilt. Daewoo - mit 300.000 Mitarbeitern eines der größten Unternehmen in Südkorea - wurde in mehrere Firmen zerschlagen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Kim sei auf dem Flughafen festgenommen worden und werde seither verhört. Nach Bestätigung der Anklagepunkte werde der Haftbefehl gegen ihn am Mittwoch oder Donnerstag ausgestellt.

Dinge regeln, solange er es noch kann

Ein Sprecher Kims hatte die Rückkehr einen Tag vorher angekündigt und den schlechten Gesundheitszustand des früheren Konzernchefs als Grund genannt. „Er ist krank und will die Dinge regeln, solange er es noch kann“, sagte der Sprecher. Kim selbst ließ kurz vor seiner Ankunft in Südkorea eine Erklärung verbreiten, in der er sich für seine Rolle in dem Firmen-Crash entschuldigte: „Ich senke meinen Kopf und bitte um Entschuldigung dafür, daß ich mit den Problemen der Daewoo-Gruppe Ärger verursacht habe.“

Kim wird unter anderem wegen Betrugs und Unterschlagung gesucht. Gegen ihn wurde im Jahr 2001 über Interpol auch ein internationaler Haftbefehl erlassen. Südkoreanischen Presseberichten zufolge besitzt Kim seit 2003 die französische Staatsbürgerschaft. Nach dem Firmenkollaps 1999 hatte sich Kim ins Ausland abgesetzt.

Der Daewoo-Fall trug zu dem weit verbreiteten Eindruck bei, Südkoreas eng mit der Politik verbundene Wirtschaft leide an ausufernder Korruption. Dieses Image ist Analysten zufolge einer der wichtigsten Gründe für die im Vergleich mit anderen asiatischen Werten niedrigen Aktienkurse.

Kim stürzt mit Südkorea

Kim und sein Daewoo-Konzern gelten in Südkorea als Symbole der Wirtschaftsgeschichte ihres Landes. Das asiatische Staat hatte sich in weniger als 40 Jahren von einem der ärmsten Länder der Welt zur Nummer zwölf der Weltwirtschaftsmächte hochgearbeitet. Mit der asiatischen Währungs- und Finanzkrise 1997/98 stürzte Südkorea jedoch ab.

Kims Karriere verlief ebenso: Der spätere Unternehmenschef kam im Dezember 1936 in der südlichen Stadt Daegu in ärmlichen Verhältnissen zur Welt. Nach einem Studium und einigen Jahren als Angestellter im Handelsgeschäft nahm Kim 1967 einen Kredit von 5000 Dollar auf und gründete seine eigene kleine Textilfirma, die er in den 70er und 80er Jahren zu einem der führende Konzerne ausbaute. Durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse wuchs Daewoo in den 90ern zum zweitgrößten Konzern Südkoreas an, der unter anderem Autos, Kleidung, Fernseher, Kühlschränke und Schiffe produzierte.

80 Milliarden Dollar Schulden

Noch 1998 belief sich das Exportvolumen des Konzerns auf 17,6 Milliarden Dollar. Das entsprach 13,3 Prozent des südkoreanischen Ausfuhrgeschäfts. Allerdings hatte Daewoo eine erste Schramme 1996 abbekommen, als Kim wegen illegaler Zahlungen an Politiker angeklagt wurde. Nach einer Bewährungsstrafe fuhr der Konzernchef seine Expansionsstrategie weiter und häufte dafür weitere Schulden an. Mit der Finanzkrise 1997/98 brach das Imperium zusammen: Wie sich zeigte, belief sich die Verschuldung des Konzerns auf rund 80 Milliarden Dollar (nach heutigem Kurs rund 66 Milliarden Euro).

Kim setzte sich 1999 ins Ausland ab. Sieben seiner Mitarbeiter wurden 2001 zu bis zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Vier von ihnen kamen jedoch durch einen Gnadenerlaß wieder frei. Beobachter glauben, daß auch dieser Schritt Kim zur Rückkehr bewegt haben könnte.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP, AFP, Reuters
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