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Wirtschaftskompetenz Dr. oec. in Pleiteländern

10.11.2011 ·  Wie gut waren führende Finanzpolitiker an der Uni? Eine Studie liefert ein überraschendes Ergebnis: Finanzminister aus Krisen-Staaten hatten überdurchschnittliche Abschlüsse.

Von Manfred Schäfers
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In den vergangenen vier Jahrzehnten haben ausgerechnet die prägenden Politiker der heutigen Euro-Krisenstaaten Griechenland und Portugal überdurchschnittlich gute wirtschaftswissenschaftliche Studienabschlüsse gehabt. Zu diesem bemerkenswerten Ergebnis ist eine Untersuchung gekommen, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt worden ist. Eine weitere Erkenntnis ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass man unter den für die Finanzpolitik entscheidenden Politikern auf studierte Ökonomen trifft, ist in der Eurozone geringer als in Nicht-Euro-Staaten.

Mark Hallerberg von der Hertie School of Governance und Joachim Wehner von der London School of Economics haben die Ausbildungswege der führenden Finanzpolitiker aus 27 europäischen Ländern und 11 weiteren Staaten untersucht. Es zeigte sich, dass 67 Prozent der dafür zuständigen Minister in Athen sogar Doktoren der Wirtschaftswissenschaften waren, in Lissabon sind es immerhin 55 Prozent gewesen - dagegen hatte kein einziger britischer Schatzkanzler einen solch hohen Universitätsabschluss. Im Durchschnitt aller untersuchten Länder konnten gerade einmal 31 Prozent der Finanzminister einen höheren ökonomischen Universitätsabschluss wie MBA oder einen ähnlichen Master-Abschluss vorweisen.

Auch der Vergleich der niedrigeren wirtschaftswissenschaftlichen Universitätsabschlüsse (Bachelor) bestätigt dieses Ergebnis: 56 Prozent der griechischen und sogar 64 Prozent der portugiesischen Finanzminister haben diese Qualifikationsniveau nachweisen können, während nur 7 Prozent der britischen Schatzkanzler dieses hatten.

Wenn ein Land in Schwierigkeiten steckt, müssen Fachleute ran

Das Ergebnis dürfte speziell unter Nicht-Ökonomen zu Spott verleiten. Doch Autor Hallerberg warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen, bei der Ursache und Wirkung vertauscht werden. „Man könnte versucht sein, unsere Untersuchungsergebnisse so zu verstehen, dass die Ökonomen der Grund für die finanziellen Schwierigkeiten der Länder sind. Wir denken, dass es sich vermutlich genau andersherum verhält - dass die Länder Fachleute berufen, die sich in Schwierigkeiten befinden.“

Staaten, die wie Griechenland, Portugal und Mexiko schon hohe Schulden hätten, sähen sich einem größeren Druck der Märkte ausgesetzt, Leute zu berufen, die mit ihrer Ausbildung kompetent erschienen.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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