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Klimakatastrophe

24.09.2007 ·  Ein Liberaler fordert einen radikalen Wandel der Umweltpolitik

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Erzliberaler Unternehmer befürchtet Ökokatastrophe. Dies ist das Spannungsfeld, welches das Buch "Klima 2055" von Lutz Peters so lesenswert - und glaubwürdig - macht. Mehr noch: Es ist so geschrieben, dass man es nicht mehr aus der Hand legen mag, wenn man einmal mit dem Lesen begonnen hat.

Peters erzählt eine Geschichte, die im Jahr 2055 spielt. Den Warnungen der Klimawissenschaftler um die Jahrtausendwende zum Trotz haben die Politiker aus nationalem Egoismus keine hinreichenden Gegenmaßnahmen gegen die globale Erwärmung ergriffen; die Menschheit steht vor dem ökologischen Abgrund. In einer Rückschau wird gezeigt, welche Optionen die Menschheit am Anfang des 21. Jahrhunderts gehabt hätte.

Wohltuend ist die sachlich-unaufgeregte und auch für den Laien verständliche Diktion. Man erfährt Dinge, von denen mancher noch nie etwas gehört haben dürfte. Ein Beispiel: Die globale Erwärmung droht die Permafrost-Böden aufzutauen, die heute noch ein Viertel der Landmasse der Nordhalbkugel bedecken. In ihnen ist so viel Kohlenstoff gebunden, dass sukzessiv Hunderte Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt würden (ein Vielfaches der heutigen jährlichen Emissionen!), von Unmengen des ungleich schädlicheren Methan ganz zu schweigen.

Seit Jahren mit dem Thema vertraut, hat Peters Fakten zusammengetragen und mit einer großen Menge empirischer Daten untermauert. Gestützt durch viele Schaubilder, entsteht so ein allgemeinverständlicher Überblick, wie er seinesgleichen sucht: über die Klima- und Energieprobleme, vor denen wir heute stehen, über die Entwicklung, die uns droht, und über die Möglichkeiten gegenzusteuern.

Reiben werden sich an dem Buch alle: Konservative und Wirtschaftsliberale - insbesondere, wenn sie das Szenario der globalen Erwärmung für Panikmache halten -, weil "einer von ihnen" einem radikalen Wandel in der Energiepolitik das Wort redet; Grüne und Sozialdemokraten, weil Peters aufzeigt, dass sich der Energiehunger der Zukunft nicht näherungsweise mit Energiesparen und noch so effizienter Wind-, Solar- und Bioenergie wird stillen lassen, so dass die Menschheit nur die Wahl hat zwischen zivilisationsbedrohender Erwärmung und einem Ausbau der Kernenergie. Ihnen allen sei das Buch wärmstens empfohlen.

LÜDER GERKEN

Stiftung Ordnungspolitik

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2007, Nr. 222 / Seite 16
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