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Den Reichtum feiern

21.11.2005 ·  Richard North nimmt die Gegner der Wohlstandsgesellschaft aufs Korn

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Richard D. North: Rich is Beautiful. A very personal defence of mass affluence. Social Affairs Unit, London 2005, 310 Seiten, 20 Pfund.

Wer hätte nicht gerne so viel Geld, daß er wie ein Seehund hineinspringen oder wie ein Maulwurf darin herumwühlen könnte? Oder es in die Luft werfen, daß es nur so auf die Glatze prasselt? Trotzdem erscheint ein hohes Maß an Reichtum vielen Menschen als anrüchig. Das sollte aber nicht so sein, meint der englische Gesellschaftskritiker Richard North, der sich längst einen Ruf als "politisch inkorrekter" Autor erworben hat, indem er beispielsweise eine Lanze für den Pelzhandel brach. In seinem neuen Buch "Rich is Beautiful" geht es ihm allerdings weniger darum, die individuelle Glücksmaximierung durch Reichtum als solche zu feiern, sondern vielmehr darum, den gesellschaftlichen Gewinn zu zeigen, der durch ebendiese Glücksmaximierung entsteht.

Eine Gesellschaft, die Reichtum - und damit Ungleichheit - zuläßt, ist für North schlichtweg eine bessere Gesellschaft als eine, die das nicht tut. Der Massenwohlstand habe, so bemerkt er zutreffend, Konsum und persönliche Wahlfreiheit vom Makel befreit, nur etwas für Privilegierte zu sein. Unsere Kultur basiere auf stärker egalitären Werten als je zuvor. Selbst in den Industrieländern, in denen sich infolge von Wirtschaftsreformen im Stile einer Margaret Thatcher die Einkommensschere geringfügig geweitet habe, sei die Armut zurückgegangen. Die Menschen seien glücklicher und selbstbewußter - und das, weil sie reicher geworden seien. Der Reichtum der Reichen komme vermittels eines sogenannten Fahrstuhleffekts (oder auch "Trickle down effect") allen zugute. Der Reiche ist bei North nicht der puritanische Verzichtsparer nach dem Motto, wonach Leute, die Geld ausgeben, nichts von den wahren Freuden eines Kapitalisten verstehen.

Dies alles wird bisweilen etwas langatmig, aber sorgfältig ausgebreitet. Zu seiner Spitzenform läuft North auf, dem man den früheren Popmusikjournalisten anmerkt, wenn er die kulturellen Attitüden der Gegner der Massenwohlstandsgesellschaft genüßlich aufspießt. Im Mittelpunkt steht dabei das "Pseudo-Dissidententum" im Medien- und Kulturbetrieb. Dieses gebe sich kritisch und nonkonformistisch, sei aber in Wirklichkeit das "Establishment", das die Szene dominiere. Es erodiere die Grundlagen unserer gottlob reichen Gesellschaft. Dieses Phänomen, das in Deutschland vielleicht noch virulenter ist als in England, wird ausgiebig analysiert. Dazu gehört der Glaube, daß der Kapitalismus die Menschen unglücklich mache und ihre Moral untergrabe - kurz: der ursprünglich konservativen Snobs vorbehaltene Elitismus und der moralinsaure Superioritätsglaube feierten in neuen Gewändern fröhliche Urständ. Dabei schaffe er es nicht einmal, eine moralischere Welt herzustellen, sondern gehe mit der Erosion von (Familien-)Werten einher. Es erwachse daraus ein zunehmender Infantilismus, der in einer entscheidungs- und damit freiheitsfeindlichen Haltung münde, die das produktive Mittelklassenethos unterminiere. Denn leichtfertig ist bekanntlich die Jugend mit dem Wort und bar jeden Sinnes für geschäftliche Dinge.

Ohne selbst zum Untergangspropheten zu werden (dazu neigen die Gegner), läßt North den Leser ahnen, daß die kulturelle Hegemonie solcher Einstellungen auf die Dauer gefährlich sein könnte. Unser Reichtum verdiene es, gefeiert zu werden. Gut gesagt!

DETMAR DOERING

Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung, Potsdam

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2005, Nr. 271 / Seite 12
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