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Wirtschaft in Gaza Humanitäre Krise und wirtschaftlicher Kollaps

 ·  Gaza war schon vor Israels Luftangriffen ein Armenhaus. Jetzt drohen Nahrungsmittel, Kraftstoffe und Medikamente auszugehen. Die Vereinten Nationen verteilen keine Lebensmittel mehr. Die Wirtschaft steuert auf einen Kollaps zu.

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Die Welt hat den Beginn des neuen Jahres gefeiert, nicht aber Gaza. Der britische Premierminister Gordon Brown fürchtet für die 1,5 Millionen Einwohner von Gaza eine humanitäre Krise. Schon vor den israelischen Angriffen waren 80 Prozent der Palästinenser in diesem Landstrich von internationalen Hilfslieferungen abhängig. Gaza sei auf dem Weg, eine gänzlich von ausländischer Unterstützung abhängige Gesellschaft zu werden, fürchtet ein Mitarbeiter des Hilfswerks der Vereinten Nationen für die Flüchtlinge in Gaza.

Nach den Luftangriffen drohen Nahrungsmittel, Kraftstoffe und Medikamente auszugehen. Die Hilfsorganisation der Vereinten Nationen UNRWA hatte vor zehn Tagen die Verteilung von Lebensmitteln eingestellt. Nun verbrauchen die Menschen ihre letzten Vorräte. Nur ein Viertel der Bäckereien arbeitet noch; sie haben Mehl für zwei Wochen.

Neben der drohenden humanitären Krise trifft die israelische Bombardierung die Infrastruktur. Zerstört wurden Dutzende von staatlichen und privaten Gebäuden und Straßen, eine Universität und mehrere Moscheen. Aus eigenen Mitteln wird den Palästinensern ein Wiederaufbau nicht gelingen, denn Gaza ist schon aufgrund der israelischen Blockade ein Armenhaus. Seit 1999 ist nach Berechnungen der Weltbank das Einkommen in der Westbank und Gaza je Einwohner real um 30 Prozent gesunken. In Gaza nahm im gleichen Zeitraum die Zahl jener, die unter der Armutsgrenze leben, von 52 Prozent auf 79 Prozent zu.

Dramatischer Verfall der Wirtschaft

Zwei israelische Maßnahmen lösten den dramatischen Verfall der Wirtschaft aus. Während der Intifada von 2000 führte Israel ein dichtes System von Straßensperren ein, das Grenzübertritte in palästinensische Gebiete oder von ihnen erheblich erschwert. Die vorgeschriebene Umladung auf andere Lastwagen an den Grenzübergängen verteuerte eine Lieferung um 300 Dollar. Der wirtschaftliche Niedergang beschleunigte sich, als Israel nach dem Wahlsieg der Hamas im Januar 2006 die Gelder, die der Autonomiebehörde etwa aus den Zolleinnahmen zustehen, nicht mehr überwies und zudem die größten internationalen Geldgeber ihre Zahlungen einstellten. Nach der Übernahme von Gaza durch die Hamas am 14. Juni 2007 stellte die Staatengemeinschaft alle Kontakte und Überweisungen ein.

Am 12. Juni 2007 schloss Israel seine Grenzübergänge nach Gaza; seither steuert die Wirtschaft dieses Gebietes auf den Kollaps zu. Ein Grund der Blockade war die Weigerung Israels, mit Zollbeamten der Hamas zusammenzuarbeiten. Zweitens hofften die Israelis, durch die Blockade den Schmuggel von Waffen zu unterbinden. Seither können mehrere zehntausend Palästinenser aus Gaza tagsüber nicht mehr in Israel arbeiten. Eine neue Arbeit in Gaza fanden sie nicht. Die Weltbank schätzt, dass seit Beginn der Blockade in Gaza 98 Prozent der Betriebe stillstehen. Noch möglich sind Lieferungen israelischer Händler an Geschäfte in Gaza.

Da sich aber Lieferungen von Baumaterialien verzögerten, brach die Bauwirtschaft in Gaza zusammen, und ihre Beschäftigten wurden arbeitslos. Selbst wenn die kleinen industriellen Gewerbebetriebe oder Farmen produzieren könnten, könnten sie wegen der geschlossenen Grenzen nichts exportieren. So verrotten Obst und Gemüse. Da Israel auch die Lieferung von Kraftstoffen weitgehend eingestellt hat, produziert das einzige Kraftwerk keinen Strom, und ohne Strom fließt meist kein Wasser. Israelische Marineschiffe verhindern, dass sich Fischereiboote aus Gaza mehr als einige hundert Meter aufs offene Wasser begeben.

Kaum noch funktionierende Familienbetriebe

Ein Beispiel für den Notstand ist die von der Weltbank finanzierte Kläranlage. Aufgrund der Blockade wurde sie erst nach drei Jahren fertiggestellt anstatt innerhalb der veranschlagten neun Monate. Weil Israel den benötigten Kraftstoff zurückhält, fließen die Abwässer nach Angaben der Weltbank weiter in das Mittelmeer. Ein weiteres Beispiel für den Niedergang sind die Gewächshäuser, die israelische Siedler von Gusch Katif errichtet hatten. Die Weltbank erwarb sie nach Israels Rückzug im Jahr 2005 von den Siedlern und gab sie den Palästinensern. Doch die Anlagen verfielen wegen der Exportblockade – und wegen der Korruption in der palästinensischen Regierung.

Nur noch wenige Familienbetriebe der traditionell kleingewerblichen Wirtschaft von Gaza funktionieren, sie stellen Textilien, Seife oder Souvenirs mit Perlmutteinlagen her. Landwirte pflücken für den Eigenbedarf Oliven und Zitrusfrüchte oder bauen Gemüse an und verarbeiten Milch. Für die Selbstversorgung reicht es nicht. Daher sind 80 Prozent der verarmten Bevölkerung von Hilfslieferungen abhängig, noch mehr sind der Möglichkeit einer würdevollen Arbeit beraubt.

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