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Wirtschaft in Afrika : Musterdemokratie Sambia in Gefahr

Auf dem Weg ins Bergwerk: Arbeiter einer Kupfermine in Konkola Bild: Reuters

Der Staat verteilte das Geld lange großzügig. Dann fiel der Preis für Kupfer. Daran hängt Sambia – und nun ist die afrikanische Musterdemokratie bedroht.

          Die Hauptstraße T1, die von der Provinzstadt Mazabuka nach Lusaka, in die Hauptstadt Sambias führt, ist in einem unbefriedigenden Zustand. Das Auto tanzt Rock ’n’ Roll nach afrikanischer Art, und an der Straße füllen Kinder die tiefen Schlaglöcher provisorisch mit der roten Erde der Steppe immer wieder auf. Der Grund für den schlechten Zustand dieser Straße ist ein politischer: Mazabuka nämlich gilt als die Hauptstadt der Opposition. Hier lebte Hakainde Hichilema, der in der letzten Präsidentenwahl im vergangenen Sommer nur knapp unterlegene Kandidat. Deshalb verweigert der Präsident Edgar Chagwa Lungu seit Jahren Zahlungen aus dem Staatshaushalt für die Straßenreparatur.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Das vermuten jedenfalls die Anhänger der liberal-sozialen Partei für die nationale Entwicklung, die hier leben und Auto fahren müssen. So dauert die 130 Kilometer lange Fahrt rund drei Stunden. Das Ruckeln des Land Rovers wird zum Sinnbild für einen innenpolitischen Konflikt, der nach Ansicht politischer Beobachter sogar die Gefahr birgt, eine seit mehr als 25 Jahren stabile afrikanische Demokratie womöglich in ein autoritäres Staatsregime zu überführen. Unversöhnlich stehen sich Opposition und Staatsführung gegenüber.

          Einer der reichsten Männer Sambias

          Die Polarisierung zwischen den Lagern verschärft sich seit der Wahl im vergangenen Sommer. Ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte sie, als der Oppositionsführer Hichilema inhaftiert wurde. Rund ein halbes Jahr saß er in Einzelhaft, erst kürzlich wurde er entlassen. Ein nichtiger Anlass genügte für die Verhaftung: Bei einem Zusammentreffen eines Autokorsos seiner Anhänger mit dem des Präsidenten Edgar Lungu von der sozialistischen Partei Patriotic Front, in welchen die Anführer beider Parteien selbst anwesend waren, wich der unterlegene nicht zurück. Edgar Lungu sah in diesem Akt der Respektlosigkeit eine Anstiftung zur Aufruhr.

          In Mazabuka ist es auch am Tag unseres Besuchs im Rahmen einer Einladungsreise durch die UN-Entwicklungsbehörde IFARD nicht ganz ruhig. Lastwagen, auf deren Ladeflächen zehn und mehr Menschen sitzen, fahren hupend und Fahnen schwenkend durch die Straßen. Der politische Protest der Opposition lässt nicht nach, die Inhaftierung Hakainde Hichilemas wollten dessen Anhänger – wenige Tage vor dessen Freilassung – nicht hinnehmen. Schon kurz nach der Wahl im August 2016 gab es Unruhen; erst Tage nach der knappen Wahlniederlage rief Hichilema seine Anhänger in deren Hochburgen zur Ruhe auf. Rund ein Fünftel der abgegebenen Stimmen war ungültig gewesen. Immerhin blieb Hichilemas Eigentum nach allem, was bekannt ist, bisher unangetastet. Der Politiker gilt als einer der reichsten Männer Sambias. Er unterhält Rinderzuchten und Fleischverarbeitungsfabriken. Sie prägen, wie viele kleinere Schlachtereien, das Straßenbild in Mazabuka; rundherum sind große Zuckerrohrfarmen und Raffinerien.

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