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Wirtschaft im Netz Digitalisierung ist noch ausbaufähig

19.12.2011 ·  Unternehmen können vom Einsatz digitaler Technik profitieren. Das ist der Tenor einer Studie der Strategieberatung Booz & Company. Manche Branchen haben aber großen Nachholbedarf.

Von Martin Gropp
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Im Internet sagt eine Zahl mehr als viele Worte: Die 24 steht für Schnelligkeit, Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit und Modernität. Es gibt Autoportale oder Partnerbörsen, deren Netzadresse die Zahl enthält. Auch manche Versicherung oder Bank hat sich eine Onlineanschrift gesichert, die die 24 trägt und auf die Hauptseite des jeweiligen Unternehmens führt. Wenn man den Ergebnissen einer neuen Studie der Strategieberatung Booz & Company folgt, hat die Kombination aus 2 und 4 im Falle der Assekuranzen und Finanzdienstleister geradezu prophetischen Charakter: Der erstmals erschienene „Branchenindex Digitalisierung“ hat diese beiden Sektoren als Digital-Pioniere in Europa ausgemacht.

„Was wir derzeit im Rahmen der Digitalisierung beobachten, ist ein Umbruch, der mit der industriellen Revolution vergleichbar ist“, sagt Roman Friedrich, Vice President bei Booz & Company und Mitautor der Studie. Normalerweise sei er mit solchen Aussagen vorsichtig. Doch betrachte man die Effizienzpotentiale, die Unternehmen ausschöpfen könnten, indem sie digitale Technik einsetzten, dann seien Begriffe wie Revolution durchaus angebracht. „Jede Branche kann davon profitieren, wenn sie lernt, ihre Wertschöpfungsketten zu verbessern, indem sie digitaler wird.“

Für ihre Studie haben Friedrich und seine Beraterkollegen Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat verwendet. Anhand von vier Kriterien haben sie 15 verschiedene Branchen in 32 Ländern auf deren Digitalisierungsgrad abgeklopft. Sie untersuchten, in welchem Maße digitale Infrastruktur, zum Beispiel Breitbandnetze, vorhanden ist und genutzt wird. Sie maßen den Digitalisierungsgrad von sogenannten Input-Schnittstellen wie dem Einkauf und fragten, ob die Mitarbeiter dort digitale Techniken wie die E-Mail-Bestellung anwenden, statt auf analoge Techniken wie Faxe zurückzugreifen. Sie überprüften, inwieweit Prozesse innerhalb einer Branche digitalisiert sind. Und schließlich erfassten sie, ob Unternehmen an sogenannten Output-Schnittstellen wie dem Verkauf digitale Technik einsetzen. Jedes Kriterium wurde auf einer Punkteskala zwischen 0 und 100 bewertet und ging dann gewichtet in den Digitalisierungsindex ein.

In Europa belegen hinter „Versicherungen und Banken“ die Branchen „Computer und Elektronik“ sowie „Medien und Telekommunikation“ die Plätze zwei und drei. Am unteren Ende der Wertung findet sich die Immobilienbranche, es folgen das Baugewerbe und schließlich Hotels und Gastronomie.

In Deutschland stellt sich das Bild anders dar: Hier liegt die Automobilindustrie mit einem Digitalisierungsgrad von 67,3 Punkten an der Spitze. Es folgen Banken und Finanzdienstleistungen sowie Medien und Telekommunikation. Die drei letzten Plätze belegen die Branchen Transport und Logistik, Konsumgüter sowie als Schlusslicht die Immobilienbranche (siehe Grafik).

Sowohl in Europa als auch in Deutschland stellt die Infrastruktur nicht den begrenzenden Faktor dar. Europaweit erreicht dieses Kriterium den Berechnungen der Strategieberater zufolge mit 90,1 Punkten fast die volle Punktzahl, in Deutschland sind es sogar 92,9 Punkte. Doch lässt die Digitalisierung von Einkaufs- und Verkaufsprozessen sowie die Prozessdigitalisierung innerhalb der einzelnen Branchen den Daten zufolge zu wünschen übrig.

„Das Potential ist hier noch nicht voll erschlossen“, sagt Friedrich. „Unternehmen können zwar einen Breitbandanschluss legen, dürfen aber auch nicht vergessen, ihre Prozesse daraufhin zu optimieren.“ Aus seiner Beratererfahrung kenne Friedrich etwa noch Luftfahrtunternehmen, die handgeschriebene Frachtzettel verwenden. Nach Meinung der Strategieberater könnten dort Zeit- und Effizienzgewinne erzielt werden, indem digitale Endgeräte wie Tabletcomputer oder Smartphones und zum Beispiel digitale Signaturen eingesetzt werden, um Bestellungen zu verifizieren.

Ein Flaschenhals seien dabei aber auch große Teile der Führungsebenen, die noch in einer analogen Welt sozialisiert worden seien, sagt Friedrich. Dabei habe jedes Unternehmen das Potential, durch die Digitalisierung zu gewinnen - auch Unternehmen, deren Produkte von Hand gemacht werden und mit dem Internet erst einmal wenig zu tun haben. „Auch in Industrien mit physischen Gütern besteht Effizienzspielraum“, sagt Friedrich. Beispiel: die Bauindustrie oder auch Prüf- und Wartungsdienstleistungen. Überall dort, wo Informationen ausgetauscht werden, könne das auch mit Hilfe digitaler Endgeräte geschehen. „Statt einen Wartungsmitarbeiter ins Büro zu bitten, können Sie etwa die Einsatzplanung digitalisieren.“ Auch wenn neue Informationen an der Wartungsstelle gesammelt würden, könnten diese per Technik schneller und genauer an zuständige Mitarbeiter in der Zentrale übermittelt werden, etwa per Fotohandy. „Insgesamt müssen sich Unternehmen die Frage stellen, welche Fähigkeiten sie aufbauen wollen, um in der digitalen Welt zu reüssieren.“

Und auch an die Politik haben die Berater eine Botschaft: Derzeit gebe es Tendenzen, dass die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen dazu führen, dass etwa Deutschland bei der eigentlich gut dastehenden Infrastruktur in Zukunft den Anschluss verpassen könnte.

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