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Winterwetter und Wirtschaft Schlittenboom, Bauflaute, „Straßensalzfantasien“

11.01.2010 ·  Stillstand auf den Baustellen, blockierte Straßen und Schiffswege: Ökonomen fürchten, dass das Winterwetter zu einem Dämpfer für das Wirtschaftswachstum werden könnte. Aber es gibt auch wirtschaftliche Profiteure: Verkäufer von Schlitten und Winterpullis jubeln. An der Börse ist von „Straßensalzfantasien“ die Rede.

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Das Winterwetter in weiten Teilen Deutschlands könnte handfeste ökonomische Auswirkungen haben. In mehreren Interviews warnte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier, wenn sich das Wetter nicht bald ändere verliere Deutschland im ersten Quartal rund zwei Milliarden Euro Wertschöpfung am Bau - umgerechnet seien das rund 0,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal.

Zuvor hatte das Sturmtief „Daisy“ die Bauarbeiten in ganz Deutschland nahezu zum Erliegen gebracht. „Wir haben im Moment Stillstand“, sagte der Sprecher des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Heiko Stiepelmann, am Montag. „Es kann wegen Frost und Schnee kaum gearbeitet werden.“ Allerdings solle die Lage nicht dramatisiert werden. „Auch im Winter 2009 haben fast 60 Prozent der Baufirmen über Beeinträchtigungen geklagt.“

Gleichwohl habe im Dezember die Geräteauslastung von Baggern über Kräne bis hin zu Radladern nur bei etwa 70 Prozent gelegen. Allerdings könnten die Arbeiten, die jetzt liegen bleiben nachgeholt werden: „Die Firmen können im Frühjahr wieder draufpacken“, sagte Stiepelmann. „Das scheitert nicht an Kapazitätsproblemen.

Schnee beeinflusst deutsche Wirtschaft: Schlittenboom, Bauflaute und „Straßensalzfantasien“

DIHK-Volkswirt Treier sieht die Lage etwas pessimistischer. Nicht nur die Bauwirtschaft sei betroffen, sondern auch der Transportsektor sowie etliche Zulieferer, sagte er dem Fernsehsender „Bloomberg TV“. Falls der Schneefall anhalte, könne es ähnliche Zustände geben, wie im Jahr 2006, als die deutsche Bauindustrie etwa zwei Milliarden Euro aufgrund der Witterungsbedingungen verlor.

Einzelhändler verdienen gut mit Winterpullis, Schlitten und Skiern

Manche Branchen allerdings verdienen gut an dem Winterwetter: Viele Einzelhändler machen beispielsweise dank des Tiefs „Daisy“ gute Geschäfte. „Gefragt ist derzeit alles, was wärmt und Spaß im Schnee macht“, sagte die Sprecherin des Branchenverbandes HDE, Ulrike Hörchens, am Montag.

Der Bekleidungshandel verzeichne wegen des kalten Wetters eine hohe Nachfrage nach Wintersachen. Beliebt bei den Kunden seien angesichts des vielen Schnees aber auch Wintersportgeräte wie Schlitten und Skier. Nur vereinzelt sei es bislang zu Lieferproblemen gekommen - vor allem in ländlichen Gebieten im Norden. „Insgesamt ist dieser schneereiche, kalte Winter für unser Geschäft neutral bis positiv“, sagte Hörchens.

Selbst an der Börse sind die Auswirkungen von Schnee und Eis offenbar zu spüren - und führen zu manch wunderlicher Wortschöpfung in der Sprache der Händler. Von „Straßensalzfantasien“ war da an diesem Montag zu hören als die Nachfrage nach Aktion von K+S nach oben ging und die Titel um 1,6 Prozent gewannen - vermutlich wegen der Erwartung eines guten Geschäfts mit Streusalz. „Überall wird derzeit von Engpässen gesprochen, und entsprechend gehen die Leute in die Aktie“, erklärte der Händler.

Lage in Ostvorpommern etwas entspannter

Derweil hat sich nach den schweren Schneefällen und dem Sturm am Wochenende die Lage in Nordostdeutschland wieder entspannt. In der besonders schwer getroffenen Region Ostvorpommern wurde der Katastrophenfall nach mehr als 15 Stunden wieder aufgehoben, wie ein Behördensprecher im Landkreis am Montagmorgen mitteilte.

Gleichwohl gab es weiterhin Behinderungen im Verkehr. Bundes- und Landstraßen in Ostvorpommern waren zwar im wesentlich wieder befahrbar. Die Autobahn A 20 blieb aber am Morgen zwischen Gützkow und Greifswald weiter gesperrt (siehe auch: Lage nach Sturmtief „Daisy“ etwas entspannter).

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