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Windräder in Deutschland : Durchs Land der Riesen

Sonne und Wind: Gelingt damit die Energiewende? Bild: dpa

Von Ostfriesland bis nach Bayern: Windräder, wohin das Auge blickt. Auf einer Winterreise durch ein neues Deutschland bekommt man eine Ahnung, was aus diesem Land wird, wenn die Ökostrom-Pläne Wirklichkeit geworden sind.

          Holtgast, Ostfriesland. Weder Hügelketten noch Wälder begrenzen die grüne Landschaft Ostfrieslands. Es ist schiere Weite. Der Deich, der die drängende Nordsee vom platten Land abhält, gehört zu den nennenswerten Erhebungen: mit neun Metern Höhe. Der Rest ist Normalnull.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Immer waren die roten Backsteinkirchen die Markierungspunkte der Landschaft. Ostfriesland ist, so heißt es in alten Texten, das Land, in dem man von Kirche zu Kirche sehen kann.

          Das Bild ist vergessen. Heute gilt: Egal wo man in Ostfriesland steht, immer sieht man ein Windrad, meistens mehrere, oft viele. Bis zu 200 Meter hohe Energieriesen haben jeden Horizont gekapert und das freie Land gezeichnet. Die Kirchen aber sind klein geworden.

          In keinem Landstrich wird die grüne Energiewende so konkret wie in Ostfriesland. Auf den Äckern wächst Mais für die staatlich geförderten Biogasanlagen. Viele der charakteristischen langen roten Hofgebäude sind mit Solaranlagen bedeckt in einem Landstrich, der für seine unsteten Sommer bekannt ist. Aber am weitesten heraus ragen die Windräder.

          Eine Ahnung, was aus ganz Deutschland wird

          Heute stehen hier im Norden schon 977, mehr als in Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Dabei nimmt Ostfriesland nur drei Prozent der Fläche dieser Bundesländer ein. Auf dem sturmerprobten Land bekommt man eine Ahnung, was aus ganz Deutschland wird, wenn die Ökostrom-Pläne Wirklichkeit geworden sind.

          Übersicht über Anzahl und Leistung der Windkraftanlagen in Deutschland
          Übersicht über Anzahl und Leistung der Windkraftanlagen in Deutschland : Bild: F.A.Z.

          Es ist Wendezeit in Deutschland. „Wir erleben die schlimmsten Verheerungen des Landes seit dem Dreißigjährigen Krieg“, sagt Hans-Joachim Mengel, Politikprofessor an der Freien Universität Berlin und Kämpfer gegen Windräder. Unternehmer, Bauern und Fondsverkäufer haben eine stille Allianz geschlossen mit der Politik, den grünen Ideologen und den Idealisten. Seit der Katastrophe von Fukushima sind sie nicht mehr zu bremsen. Überall werden die Abstandsregeln und Empfehlungen für Windkraftanlagen gelockert, um mehr Plätze für die Kolosse verfügbar zu machen. Es geht in den Wald, aufs Meer und auf die Bergkämme der schönsten Landschaften Deutschlands. Und in den Süden. Der Windradbauer Enercon frohlockt schon: „Mit hohen Turmvarianten lassen sich in Süddeutschland Windenergieprojekte wirtschaftlich realisieren.“

          Wo die CSU plötzlich grün spielt

          Wir fahren den Baumeistern hinterher. Doch wir starten, wo alles anfing, an der Küste. Direkt am Deich, wenige Kilometer nördlich vom Dorf Holtgast beginnt die Reise durch die Windkraftrepublik. Sie führt vom hohen Norden über die Uckermark in Brandenburg nach Spaichingen, wo Altministerpräsident Erwin Teufel sorgenvoll auf den Dreifaltigkeitsberg blickt.

          Es geht weiter ins schönste Tal Deutschlands, ins Münstertal bei Freiburg, wo vier von fünf Bürgern Windkraftanlagen auf den Bergkämmen sehen wollen, und es endet am Alpenrand, wo die CSU plötzlich grün spielt und die Kaventsmänner aus Stahlbeton in den Wald stellen will.

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