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Windows Vista „Nicht jeder kauft gleich einen neuen Rechner“

29.01.2007 ·  Computerhersteller und Marktforscher sind uneinig über die Wirkung des neuen Betriebssystems: Vista stellt einige Anforderungen an die Hardware. Doch nicht alle halten das für einen hinreichenden Grund, dass Nutzer sich schnell einen neuen PC kaufen.

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Wenn am 30. Januar das neue Betriebssystem Windows Vista von Microsoft für Privatanwender auf den Markt kommt, hofft die Computerbranche auf einen schnellen Einführungserfolg und eine entsprechende Sogwirkung von Vista auf die Nachfrage nach Personal Computern (PC). Der Grund: Vista stellt einige Anforderungen an die Hardwareausstattung - wie zum Beispiel an Prozessorleistung und Hauptspeicherkapazität - von Notebooks und Standgeräten (Desktops).

„Grundsätzlich erhofft sich die Branche bei jeder technologischen Innovation einen erhöhten Absatz“, sagt Marketingmanager Thomas Karg vom Computerhersteller Fujitsu Siemens. „So erwarten wir auch durch Vista auf alle Fälle einen spürbaren Effekt.“ Besonders Nutzer, die immer auf dem neuesten technologischen Stand sein wollen und daher zu den Käufern der ersten Stunde gehörten („early adopters“), würden mit der Einführung von Vista auch ihre Hardware aufrüsten, sagte Karg.

Hohe Erwartungen

Auch bei Dell sind die Erwartungen groß. Viele Anwender hätten mit dem Kauf ihres neuen Computers bewusst bis zum Januar gewartet, um dann zusammen mit dem Betriebssystem die Hardware um- und aufzurüsten, sagte Produktmanager Heiner Bruns von Dell Deutschland. Man könne mit einer spürbaren Erhöhung des PC-Absatzes im ersten Quartal dieses Jahres rechnen, erklärt er.

Auch Hersteller von Computerkomponenten - wie beispielsweise Grafik- oder Speicherkarten - erhoffen sich von der Vista-Einführung eine Belebung des Marktes. „Selbstverständlich wird sich Windows Vista auch auf den Grafikmarkt auswirken“, sagt Bernhard Gleissner, Geschäftsführer des Grafikkartenherstellers Nvidia und zuständig für Europa, den Mittleren Osten und Indien. „Nvidia etwa rechnet bei Grafikkarten mit einem Absatzplus von bis zu 10 Prozent. Entsprechend werden auch die Umsätze steigen“, hofft Gleissner.

Preissenkungen abwarten

Doch nicht alle Branchenbeobachter teilen die Ansicht, dass die Anwender sofort neue Computer kaufen werden. Nach Ansicht von Branchenbeobachtern werden viele Nutzer erst noch Preissenkungen bei der Hardware abwarten. Die Einführung von Vista werde daher erst mittelfristig eine Austauschwelle von alten gegen neue Computer in Gang setzen. Für die Analysten des Marktforschungsunternehmens Forrester ist dies das klassische Nutzerverhalten: Anwender würden demnach erst dann auf neue Hardware umstellen, wenn ihre alten Geräte kaputtgingen oder die neue Hardware auf ein attraktives Preisniveau gefallen sei.

Auch beim marktführenden Computerhersteller Hewlett-Packard (HP) geht man davon aus, dass viele Kunden vorerst nur die Aufrüstungsangebote der PC-Branche nutzen werden. Entsprechende Angebote seitens der Hersteller lägen vor, sagt Stephan Wippermann, zuständig für das deutsche PC-Geschäft bei HP. „Alle derzeit auf dem Markt vorzufindenden HP-Notebooks können auf Vista auf- und umgerüstet werden“, sagte Wippermann. Zudem sei neue Hardware nicht zwingend notwendig, um Vista als Betriebssystem zu nutzen, sagte Karg. „Die meisten Computer, die man heute kaufen kann, sind vista-fähig.“

Wachstum nicht unbedingt auf Vista zurückzuführen

Die Wirkung von Windows Vista auf den Computermarkt werde sich erst in den nächsten zwei Quartalen zeigen, sagt auch Wippermann. So führt er auch das jüngste Wachstum des PC-Markts nicht auf die Vista-Einführung bei Geschäftskunden zurück. „Es ist verfrüht, die PC-Verkaufszahlen des vierten Quartals 2006 mit der Einführung des Betriebssystems Vista von Microsoft in Verbindung zu bringen“, sagte Wippermann.

Im vierten Quartal des vergangenen Jahres war der deutsche Markt für Notebooks und Desktops im einstelligen Prozentbereich gewachsen, die beiden Vorgängerquartale hatten noch ein Minus verzeichnet, wie Marktforscher berichten. Gerade Unternehmenskunden durchliefen bei IT-Investitionen längere Entscheidungs- und Testphasen, sagt Karg. Absatzeffekte durch technologische Neuerungen würden dadurch erst mit einer zeitlichen Verzögerung auftreten.

Druck auf Dell wird wohl steigen

Zudem sagen die Marktforscher einen steigenden Druck speziell auf den Computerhersteller Dell voraus. Privatanwender müssten Vista erleben, um sich für einen Kauf zu entscheiden, schrieb Forrester-Analyst J.P. Gownder in einer Kurzanalyse. Hier lägen die Verkaufsvorteile eindeutig auf Seiten der PC-Hersteller, die ihre Produkte indirekt über Händler verkauften und so die Kunden mit Demo-Versionen zum Kauf animieren könnten. Direktanbieter Dell müsse hier mit Marktanteilseinbußen rechnen, da er seine Computer ausschließlich über das Internet vermarktet.

Somit könnte Vista zu einer weiteren Verschärfung des Wettbewerbs im PC-Markt führen. Dell selbst sehe hier keine Nachteile bei den Vertriebskanälen, sagt Dell-Produktmanager Heinrich Bruns. Das Unternehmen hatte in den vergangenen zwei Quartalen in Folge seine marktführende Position an HP verloren und 8,7 Prozent weniger Computer auf dem Weltmarkt abgesetzt als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dies ergab eine Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner.

Die Entscheidung über den Kauf eines Computers hänge nicht unbedingt von der Betriebssystemplattform ab, schreiben die Analysten von Forrester. Nutzer kauften vielfach deshalb neue Computer, weil mit neuen Produktgenerationen auch ein neues Lebensgefühl (Lifestyle) verbunden würde, heißt es dort. Im Lifestyle sieht auch Wippermann ein wesentliches Kaufargument. „Die Kunden schauen verstärkt auf das Design der Computer“, sagte Wippermann. Seiner Meinung nach komme besonders bei mobilen Endgeräten die Ästhetik der Produkte noch stärker zum Tragen. Zudem sei eine Verschiebung innerhalb des Computermarktes zugunsten der mobilen Geräte wie der Notebooks zu spüren, erklärt Fujitsu-Siemens-Manager Karg.

Quelle: utb. / F.A.Z., 29.01.2007, Nr. 24 / Seite 16
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