24.10.2008 · Die Finanzmarktkrise ist mit ungeheurer Wucht in ihre nächste Phase getreten. Zwar ist es gelungen, das Bankensystem zu stabilisieren. Nun aber fordern die auf Sicherheit bedachten Banken von den unregulierten Hedge-Fonds die Rückzahlung von Krediten. Das zwingt sie zu Wertpapierverkäufen um fast jeden Preis.
Von Gerald BraunbergerDie Finanzmarktkrise ist mit ungeheurer Wucht in ihre nächste Phase getreten. Nun steht nicht mehr die Stabilisierung der Banken durch massive Staatseingriffe auf der Agenda, sondern eine durch Rezessionsängste und den Abbau von Kreditpyramiden im Finanzsystem ausgelöste Verkaufswelle von Großanlegern, die Sicherheit suchen und daher risikobehaftete Wertpapiere auf den Markt werfen. Das Ergebnis sind schwere Kurseinbrüche an den Aktienbörsen und wilde Kursbewegungen an den Devisenmärkten, die mit fundamentalen ökonomischen Daten nicht vereinbar sind. An den Finanzmärkten herrscht Panik. Privaten Anlegern kann man in einer solchen Situation nur eines raten: Ruhe bewahren, freies Geld sicher anlegen und warten, bis sich der Sturm verzogen hat.
Das kann allerdings noch dauern, denn von einem Ende der Krise kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Sie scheint sich sowohl in der Finanzbranche als auch in der Realwirtschaft noch einmal zu verschlimmern. Den Regierungen ist es zwar gelungen, das Bankensystem zu stabilisieren. Nun aber richtet sich der Blick auf die unregulierten Hedge-Fonds, die mit sehr hohen Krediten Wertpapiergeschäfte betreiben. Die auf Sicherheit bedachten Banken fordern die Rückzahlung von Krediten, was die Hedge-Fonds zu Wertpapierverkäufen um fast jeden Preis zwingt.
In den Schwellenländern wird das Wachstum einbrechen
Aufgelöst werden auch Fremdwährungsgeschäfte, die zu den Kurskapriolen an den Devisenmärkten führen. Bildlich gesprochen, schrumpft das überdimensionierte, durch zu großzügige Kreditvergaben aufgeblähte Finanzsystem. Dieser Prozess ist zwar gesund, aber auch äußerst schmerzhaft und noch in vollem Gang. Möglicherweise werden die Notenbanken bald versuchen, durch Leitzinssenkungen etwas Ruhe in die Märkte zu bekommen. Mehr als eine vorübergehende Wirkung wäre auch davon nicht zu erwarten.
Gleichzeitig verdüstern sich die Konjunkturaussichten rund um den Globus. In den Industrienationen stellt sich nicht länger die Frage, ob sie in eine Rezession eintreten werden. Heute lautet die Frage, wie lange und wie tief die Rezession verläuft. In den Schwellenländern wird das Wachstum einbrechen. Es ist bitter, aber wahr: Die Weltwirtschaft befindet sich in ihrer schwierigsten Phase seit der großen Krise nach 1929.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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