Die Geschichte des Krieges ist auch eine Geschichte der Fehlkalkulationen. Das Schatzamt des amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln schätzte, der amerikanische Bürgerkrieg würde die Nordstaaten nicht mehr als 240 Millionen Dollar kosten, was 7 Prozent des damaligen Bruttosozialproduktes entsprach. Am Ende waren die Kosten 13mal so hoch. Beim Vietnam-Krieg verrechnete sich das Pentagon um 90 Prozent, vor allem weil der Krieg statt bis Ende 1967 bis 1973 dauerte.
Offenbar fehlt es den Regierungen zuweilen an ökonomischem Verstand, der ein nüchternes Kosten-Nutzen-Kalkül ermöglicht. Hätte Englands König Georg III. so sturköpfig darauf bestanden, in Amerika eine Steuer auf Tee zu erheben, und damit sein Imperium riskiert, wenn er mit ökonomischen Nutzen-Kosten-Kalkülen vertraut gewesen wäre? fragt der Yale-Ökonom William Nordhaus. Seine Vermutung: „Vielleicht wird Krieg von jenen geführt, die nicht rechnen können, die sich weigern zu rechnen, die schlecht rechnen oder die die Kosten verniedlichen."
Saddam gehört zweifelsohne zu den größten Fehlkalkulatoren nach zwei verlorenen Kriegen, und kurz vor dem dritten steht das eigentlich reiche Land vor dem Abgrund. Doch auch westliche Demokratien sind vor Fehlrechnungen nicht gefeit. Nordhaus beklagt, daß weder die Bush-Regierung noch der US-Kongreß eine seriöse Schätzung der Kriegskosten vorgelegt hätten. Der Grund, warum Budget-Ansätze häufig zu falsch sind, liegt nahe. Kriege sind voller schwer kalkulierbarer Risiken, die unvorhersehbare Kosten nach sich ziehen. Daß die Haushaltsansätze häufig zu niedrig sind, wird auch klar: Sie sind der Bevölkerung dann leichter zu vermitteln. Später wird niemand aus Kostengründen den Nachschub und Entsatz verweigern.