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Wirtschaftsgeschichte : Mönche erfinden die freie Marktwirtschaft

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Schon Juan de Mariana (1536–1624) wusste, dass die Regierung keine Preise festschreiben soll Bild: Archiv

Handel bringt Frieden, Konkurrenz ist gut und zu viel Geld schafft Inflation: Das erkannten geistliche Gelehrte schon im 16. Jahrhundert. Wäre man ihnen früher gefolgt, hätten „Teile der Wirtschaftswissenschaft schneller entwickelt werden können“.

          Sie hießen Martín de Azpilcueta, Jerónimo Castillo de Bovadilla oder Diego de Covarrubias y Leyva. Es sind klangvolle Namen – doch heute ist mit ihnen kaum jemand mehr vertraut. Sie und weitere Mönche lebten im 16. Jahrhundert, sie zählten zu den spanischen Spätscholastikern, der Schule von Salamanca. Warum sollte man sie kennen? Weil sie es waren, die den naturrechtlich begründeten Freiheitsgedanken in zahlreiche Gebiete der Wissenschaft hineintrugen. Weil ihre Beiträge geprägt waren vom Bekenntnis zum Recht des Menschen auf Leben, Freiheit, Würde, Eigentum und Meinungsfreiheit. Und weil sie somit wichtige geistliche Vordenker wettbewerblicher Märkte waren. Dass sich die Marktwirtschaft im Laufe der Menschheitsgeschichte immer mehr entfalten konnte, verdankt sich nicht nur den Calvinisten, wie Max Weber meinte – sondern auch den Vorarbeiten aus Salamanca.

          Salamanca ist eine Kleinstadt gut 200 Kilometer nordwestlich von Madrid. Die Universität, 1218 gegründet und damit eine der ältesten Hochschulen der Welt, war im 16. Jahrhundert eine Hochburg der thomistischen Theologie. Von der Eroberung Süd- und Mittelamerikas, dem Renaissance-Humanismus und der Reformation fühlten sich die Denker herausgefordert, die Lehren Thomas von Aquins fortzuentwickeln: jenes großen Kirchenlehrers aus dem 13. Jahrhundert, dem es gelungen war, das religiöse Dogma mit Vernunft und Wissenschaftlichkeit zu versöhnen.

          Auf den Spuren bahnbrechender Arbeit

          Die strenge theoretische Argumentation zeichnete alle Scholastiker aus. Dabei war die Wissenschaftlichkeit kein Selbstzweck. Die Erforschung der Gesetzmäßigkeiten, innerhalb derer sich die Menschheit in der Welt bewegt, galt nur als notwendige Voraussetzung für die Moral. Auch der heilige Thomas von Aquin hatte sich in diesem Rahmen schon mit ökonomischen Fragen beschäftigt. Ein Meilenstein auf dem Weg zu Theorie und Praxis der Marktwirtschaft war seine Erkenntnis, dass der Wert eines Gutes nicht bloß den Produktionskosten entspricht. Der „gerechte Preis“ ergibt sich aus dem Zusammenspiel des Angebots mit der Nachfrage. Der (notwendig subjektive) Wert offenbart sich somit erst im Marktpreis.

          Auf den Spuren Thomas von Aquins haben die Spätscholastiker auf allen Feldern der Wissenschaft bahnbrechende zivilisatorische Arbeit geleistet. Die Theologie verdankt ihnen Beiträge über die Existenz des Bösen, zur Vereinbarkeit von freiem Willen und göttlicher Allwissenheit, zur Vorbestimmung und zur Gnade. Ähnlich wie Luther unterschieden sie zwischen weltlicher und geistiger Macht; sie leiteten hieraus ein Argument zur Eindämmung der Staatsgewalt ab. In der Ethik befassten sie sich mit dem heiklen Thema des Tyrannenmordes. Politisch formulierten sie strenge Kriterien für einen „gerechten Krieg“ und haderten mit der Kolonisation; sie formulierten universelle Menschenrechte und Grundzüge des Völkerrechts.

          Motivationsleistung des Eigentums

          Für die Entstehung des Kapitalismus waren ihre Beiträge auf dem eigentlichen Gebiet der Ökonomie bedeutsam. Diego de Covarrubias y Leyva radikalisierte Thomas’ Werttheorie mit der Bemerkung, dass „der Wert einer Sache nicht von ihrer objektiven Natur, sondern selbst dann von der subjektiven Wertschätzung der Menschen abhängt, wenn diese verrückt sei“. Francisco de Vitoria fragte nach der moralischen Annehmbarkeit des Gewinns und ging einen entscheidenden Schritt weiter als Thomas von Aquin: Er begriff die Handelsfreiheit als Bestandteil der natürlichen Ordnung und erblickte hierin sogar eine die Menschheit friedlich verbindende Kraft. Zudem entstand das dynamische Konzept der unternehmerischen Konkurrenz. Jerónimo Castillo de Bovadilla erkannte, dass „die Preise bei Überfluss, Wetteifer und Konkurrenz der Verkäufer sinken“.

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