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Währungs-Wettbewerb : Kann der Euro wichtiger werden?

Bislang dominiert der Dollar unter den Währung der Welt. Bild: Reuters

Der EU-Kommissionspräsident findet die Vorherrschaft des Dollars in einigen Bereichen „absurd“. Juncker möchte, dass Europa Öl und Gas künftig in Euro bezahlt. Das allerdings setzt viel voraus. Eine Analyse.

          Nächstes Jahr wird der Euro 20 Jahre alt. Die Gemeinschaftswährung hat trotz der Krisenjahre der Währungsunion eine globale Bedeutung wie keine einzelne nationale europäische Währung sie seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besaß – weder die D-Mark, noch der französischen Franc, das britische Pfund oder der Schweizer Franken. Sogar in Ländern, die den Euro nicht eingeführt haben, wird er gelegentlich zumindest als alternatives Zahlungsmittel verwendet.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Verglichen mit einer bestimmten Währung ist die Bedeutung des Euro aber weiterhin denkbar gering: dem Dollar. Wichtige Rohstoffe wie Öl werden wesentlich in Dollar gehandelt, ungefähr 60 Prozent des Welthandels in der amerikanischen Währung abgewickelt. Südkorea, Kanada, Japan und Australien beispielsweise bezahlen sogar mehr als 80 Prozent ihrer Einfuhren in Dollar, hat die Ökonomin Gita Gopinath ausgerechnet. Notenbanken rund um den Globus bauen in keiner Währung größere Reserven auf als in Dollar.

          Fakt ist: Viele Jahre lang waren alle Beteiligten, Länder wie Unternehmen, mit dieser Situation sehr zufrieden. In jüngster Zeit wächst jedoch der Unmut und nehmen öffentliche Überlegungen zu, daran etwas zu ändern. Der deutsche Außenminister Heiko Maas etwa sagte unlängst, Europa müsse sich von Amerika unabhängiger machen – und dies gelte auch für Währung und Zahlungsabwicklung. Grund ist das aggressivere Auftreten der amerikanischen Regierung unter Präsident Donald Trump, der aktiver als seine unmittelbaren Vorgänger versucht, den Dollar außenpolitisch zu instrumentalisieren, wie sich im Falle des von Washington aufgekündigten Atomabkommens mit Iran zeigt.

          „Gesicht und Werkzeug neuer Souveränität“

          Schon lange vor Trumps Amtsantritt gaben indes die Anführer Chinas, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, das Ziel aus, den Yuan international wichtiger zu machen und seine Rolle in Handelsgeschäften, die Unternehmen anderer Länder mit China abschließen, zu stärken – Rohstoffe eingeschlossen. Trumps Politik freilich bestärkt sie darin.

          Nun hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ebenfalls mit deutlichen Worten dafür geworben, die Gemeinschaftswährung wichtiger zu machen. „Der Euro muss das Gesicht und Werkzeug der neuen europäischen Souveränität werden“, sagte er an diesem Mittwoch während einer Grundsatzrede im Europaparlament. Im Anschluss an diese eher blumige Formulierung erläuterte er konkreter, was er damit meint: „Es ist völlig unsinnig, dass 80 Prozent der europäischen Energieimporte – 300 Milliarden Euro im Jahr – in Dollar bezahlt werden, wenn nur ungefähr 2 Prozent der Energieimporte aus den Vereinigten Staaten kommen.“

          Juncker schlägt also vor, das Importeure in Deutschland, Frankreich oder Spanien künftig eingeführtes Öl oder Gas häufiger als bisher mit Euro bezahlen. Und eben nicht mit Dollar.

          „Es ist absurd“

          Noch ein weiteres Beispiel nannte er: „Es ist absurd, dass europäische Unternehmen europäische Flugzeuge in Dollar bezahlen und nicht in Euro.“ Noch vor dem Jahresende werde er mehrere Vorschläge unterbreiten, wie der Euro ein größeres internationales Gewicht erhalten könnte.

          Gerade im Energiesektor zeigt sich aber, welch wichtigtes Thema die Währung ist. Denn alle EU-Länder, auch Deutschland, sind unterm Strich Energieimporteure. Sie produzieren selbst zu wenig, um den eigenen Bedarf zu decken. Im Mittel betragen diese Nettoeinfuhren in der EU nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 54 Prozent, in Deutschland sind sie mit 64 Prozent  überdurchschnittlich hoch. Grund ist die starke Abhängigkeit von den nicht heimischen Energieträgern Erdöl und Erdgas, die in Deutschland mit nahezu 60 Prozent den Löwenanteil des Verbrauchs decken.

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