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Der Präsident als Einmischer : Wie Trump Unternehmen in die Knie zwingt

Eine übergroße Trump-Puppe bei einer Demonstration am Mittwoch vor dem Weißen Haus in Washington. Bild: EPA

Der Präsident stellt Unternehmen an den Pranger, damit sie sich seinem Willen beugen. Er hat damit Erfolg – auch, weil die sich den unberechenbaren Machtmenschen vom Leib halten wollen. Ein Kommentar.

          Als Donald Trump vor knapp zwanzig Jahren sein Kasinohotel „Taj Mahal“ in der Spielerstadt Atlantic City eröffnete, feierte er es als „achtes Weltwunder“. Es war ein protziger Amüsiertempel, der bald insolvent wurde, später verwahrloste und geschlossen wurde. Erinnerungen an das Taj Mahal wurden wach, als der amerikanische Präsident vor wenigen Wochen zum Spatenstich für ein neues Werk des asiatischen Auftragsherstellers Foxconn in den Bundesstaat Wisconsin reiste. Wieder bemühte er den Begriff des „achten Weltwunders“, um die Produktionsstätte zu beschreiben. Foxconns Investition ist mit milliardenschweren Steuererleichterungen erkauft, aber Trump bekam dafür wie damals in Atlantic City einen großen Moment im Rampenlicht, in dem er sich als Mann der Superlative darstellen konnte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Darauf kommt es ihm an, er kultiviert sein Selbstbild als Siegertyp. Deshalb kann er es auch nicht ertragen, wenn Unternehmen Dinge tun, die daran rütteln könnten. Der Motorradhersteller Harley-Davidson hat das kürzlich zu spüren bekommen, als er ankündigte, Produktionskapazitäten aus den Vereinigten Staaten ins Ausland zu verlagern. Das Unternehmen, das bei einem Besuch seiner Topmanager im Weißen Haus im vergangenen Jahr von Trump noch als „echte amerikanische Ikone“ gelobt wurde, fiel prompt in Ungnade und wurde zum Ziel einer der berüchtigten Twitter-Attacken des Präsidenten. Er drohte, Harley-Davidson werde künftig „besteuert wie noch nie zuvor“.

          Persönlicher Ärger als Motivator

          Aus Sicht von Unternehmen hat sich unter Trump viel geändert, zum Guten wie zum Schlechten. Viele Konzernlenker haben sich über die vor einigen Monaten verabschiedete Steuerreform gefreut, fürchten nun aber die Konsequenzen der von ihm angezettelten Handelskonflikte. Jenseits der allgemeinen Wirtschaftspolitik mussten sie auch lernen, es mit einem kapriziösen Präsidenten zu tun zu haben, der sich anmaßt, spezifische unternehmerische Entscheidungen zu diktieren. Waren die Vorstände früher daran gewöhnt, die Wahl von Standorten oder die Bestimmung von Preisen weitgehend von den Marktgegebenheiten abhängig zu machen, müssen sie jetzt darauf gefasst sein, dass Trump sich einmischt. Das ist umso bemerkenswerter, weil solche Eingriffe überhaupt nicht zum traditionellen Selbstverständnis der Republikanischen Partei als Freunde einer freien Marktwirtschaft passen.

          Es ist eine dauerhafte neue Realität, das Muster von Trump hat sich in den knapp eineinhalb Jahren seit seinem Antritt kaum verändert. Er stellt einzelne Unternehmen öffentlich an den Pranger und setzt darauf, dass sie sich seinem Willen beugen. Mal versucht er, sich als Kämpfer für amerikanische Arbeitsplätze zu inszenieren, indem er über Importe aus Ländern wie Deutschland und Mexiko oder eben die Entscheidung von Harley-Davidson schimpft. Mal strickt er an seiner von ihm selbst aufgebauten Legende als Verhandlungskünstler, indem er von Unternehmen Preissenkungen fordert. Mit vielen seiner Drohgebärden dürfte er bezwecken, die Gunst seiner Basis zu erhalten. Oft scheint ihn auch persönlicher Ärger zu motivieren. Seine regelmäßigen Angriffe auf den Online-Händler Amazon.com sind kaum anders zu erklären. Dessen Vorstandschef Jeff Bezos ist nebenbei Eigentümer der „Washington Post“, die sehr kritisch über den Präsidenten schreibt.

          Kein Interesse an Detailfragen

          In seinem Umgang mit Unternehmen schlägt Trump oft in die gleiche Kerbe, ist aber erratisch. Manche Konzerne kommen erstaunlich glimpflich davon. Trumps Regierung soll Apple zugesagt haben, keine Strafzölle auf iPhone-Handys zu erheben. Dabei lässt der Elektronikgigant einen Großteil dieser Geräte in China fertigen und taugte somit als Musterbeispiel für Vaterlandsverrat, wie Trump ihn gerne anderen Unternehmen vorwirft. Es ist nicht bekannt, wie Apple es geschafft hat, vorerst ungeschoren davonzukommen. Aber der Konzern hat es Trump erlaubt, öffentlichkeitswirksam einen Erfolg zu reklamieren, als er direkt nach Verabschiedung der Steuerreform umfangreiche Investitionen in Amerika ankündigte. Trump feierte das auf Twitter als Ergebnis seiner Politik, auch wenn völlig unklar ist, in welchem Umfang es diese Investitionen ohnehin gegeben hätte.

          An solchen Detailfragen hat Trump kein Interesse. Viele Unternehmen haben das verstanden und machen Zugeständnisse, die sich bedeutender anhören, als sie es sind. Schon geplante Investitionen als neu zu präsentieren ist eine Variante. Andere verhelfen dem Präsidenten dazu, sich als Meister großartiger „Deals“ darzustellen. Der Pharmakonzern Pfizer nahm vergangene Woche nach einer Attacke von Trump Preiserhöhungen für Medikamente zurück, der Flugzeughersteller Boeing gewährte vermeintlich günstigere Konditionen für die Präsidentenmaschine „Air Force One“.

          Was Trump hier unter dem Strich wirklich erreicht hat, ist indessen unklar. Pfizers Preissenkungen sind zunächst vorläufiger Natur, die reklamierten Einsparungen bei den Boeing-Flugzeugen sind fragwürdig. Aber Trump bekam etwas, was er mit seinem Twitter-Megafon als Erfolg verkaufen konnte. Was für den Präsidenten zählt, ist die Außenwirkung, und die lässt sich manipulieren. Um ihn sich vom Leib zu halten, machen viele Unternehmen bei diesem Spiel mit.

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