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Digitaler Wandel : Jetzt revolutioniert das Internet die Arbeit

Thermostat von Nest – Google hat das Unternehmen im Januar übernommen. Durch die fortschreitende Vernetzung verwischen auch die alten Branchengrenzen Bild: AFP

Die Digitalisierung erfasst die Unternehmen. Als Internet der Dinge oder als industrielles Internet löst sie alte Geschäftsmodelle ab und bricht bestehende Strukturen auf. Dabei verbreitet sie Angst und Zuversicht.

          Wie eine sich steigernde Flutwelle braust die Digitalisierung über die Unternehmenslandschaft - und wird sie stark verändert hinterlassen. Fast täglich entstehen neue Wettbewerber im Internet. Viele kleine Unternehmen machen sich neue Geschäftschancen zunutze. Einige von ihnen sind aber in der neuen Welt schon zu Giganten herangewachsen. „Noch vor drei Jahren hätte niemand den amerikanischen Internet-Suchmaschinenkonzern Google als Mitbewerber in der Haustechnik gesehen“, beschreibt Michael Ziesemer, seit wenigen Tagen neuer Präsident des Branchenverbandes der Elektroindustrie ZVEI, die Situation. Heute dringt Google in die Haustechnik und selbst in den Automobilbau vor. Das ist kein Einzelfall. Der Sanitärgroßhandel fühlte sich durch einen Internethändler bedroht - und muss sich jetzt wie andere Branchen damit abfinden, dass Millionenumsätze am stationären Großhandel vorbeigehen.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Es scheint sogar noch schlimmer: Es kommen nicht nur neue Mitbewerber hinzu. In der digitalen Welt übernehmen meist auch andere Unternehmen die Marktführerschaft als in der analogen. In der Musikindustrie ist heute Apple der größte Anbieter zu Lasten der klassischen Plattenfirmen. In der Fotoindustrie sind die einst führenden Filmhersteller Kodak und Agfa inzwischen aus dem Fotomarkt ausgeschieden. Keine Branche bleibt vom Fortschritt verschont. Das soziale Netzwerk Facebook beantragt gerade eine Banklizenz, um auch den Finanzinstituten digitale Konkurrenz zu machen. Google und Ebay (Paypal) haben längst Banklizenzen. Auf dem internationalen Treffen der Werbebranche im südfranzösischen Cannes vor wenigen Tagen waren nicht mehr die globalen Werbeagenturen die umlagerten Helden der Branche, sondern - Google.

          Neue Dienstleistungen aus der Cloud

          Noch sind die Internetunternehmen, gemessen am Umsatz, keine wirklichen Größen. Mit dem Gewinn, den sie - wenn überhaupt - erwirtschaften, sieht es meist noch schlechter aus. Die Liste der umsatzstärksten Unternehmen der Welt wird noch immer von den traditionellen Klassikern angeführt, dem Handelsunternehmen Walmart, den Mineralölgesellschaften Sinopec (China), Shell, Exxon, BP und Petrochina sowie den Autoherstellern Volkswagen und Toyota. Elektronikunternehmen kommen mit Samsung und Apple erst auf den Rängen 12 und 14. Auch danach folgen zunächst einmal die klassischen Computerhersteller Hon Hai (Taiwan, Rang 30), Hewlett-Packard (44), IBM (62) und Hitachi (Rang 69). Microsoft, Sony, Panasonic und Mitsubishi schaffen es so gerade unter die einhundert größten Unternehmen der Welt.

          Die umsatzstärksten Unternehmen der Welt

          Aber an der Börse sieht es schon anders aus. Dort gehört die Zukunft der Elektronik. Das mit Abstand teuerste Unternehmen ist Apple. An zweiter Stelle folgt das traditionelle Unternehmen Exxon, bevor dann aber schon auf den Rängen drei und vier Google und Microsoft ganz in die Spitze drängen. Hier sehen die Anleger zukunftsträchtige Geschäftsmodelle.

          In neuen Geschäftsmodellen liegt denn auch die größte Herausforderung der digitalen Umstellung. Ob die neue Welt als „Internet der Dinge“ (Konsumgüterbereich) oder als „industrielles Internet“ (Produktionsbereich) daherkommt, sie ist gekennzeichnet durch ein hohes Veränderungstempo und durch das Entstehen ganz neuer Geschäftsmodelle. Einmal ermöglicht allein die Digitalisierung neue Produkte. Statt früher Fachbücher bieten moderne Verlage heute Lösungssoftware an. Die Vernetzung führt zu neuen Dienstleistungen aus der Cloud heraus, die heute noch weitgehend unbekannt sind. Wenn sich Daten über Produktionsanlagen in der Cloud befinden, könnten daraus Wartungs- und Ersatzinvestitionen über Unternehmensgrenzen hinaus gebündelt werden. Schon heute zeichnet sich ab, dass traditionelle Lieferanten-Kunden-Beziehungen künftig nicht mehr in den bekannten und über längere Zeiträume stabilen Lieferketten organisiert sind, sondern in Netzwerken, in denen sich ständig neue Mitbewerber einschalten können und der Lieferant seine Eignung ständig neu beweisen muss.

          Die größten Unternehmen der Welt nach Börsenkapitalisierung

          Dass das keine Zukunftsmusik ist, sondern heute schon in fortschrittlichen Unternehmen Alltag, zeigen Äußerungen von Jeffrey Immelt, dem Vorstandsvorsitzenden von General Electric, einem der 25 umsatzstärksten Konzerne der Welt. Während es früher um gutes Fertigungsmaterial und die beste Fertigungstechnik gegangen sei, gehe es heute um die Ausstattung von Produkten mit technischer Intelligenz (Sensoren) und um die Auswertung der damit gewonnenen Daten. Damit spricht Immelt das mit der Vernetzung der Produkte und Maschinen zwangsläufig verbundene Thema Big Data an, die richtige Verfügbarkeit und Auswertung großer Datenmengen.

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