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Wetter : Niedrigwasser im Rhein hat weitreichende Folgen

Der Pegel ist derzeit nur etwas mehr als halb so hoch wie normalerweise. Bild: dpa

Binnenschiffe können nur einen Bruchteil der üblichen Güter laden, um nicht aufzulaufen. Dadurch steigen die Kosten. Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

          Der Rhein führt derzeit extrem wenig Wasser, auch wenn sich die Pegelstände am Wochenende etwas erholt haben. Das ist ungewöhnlich für diese Zeit des Jahres, in der es häufig sogar Hochwasser gibt. Die Stände sind dabei so niedrig, dass die Schifffahrt nur noch eingeschränkt möglich ist. Binnenschiffe können nur einen Bruchteil des Üblichen laden, sonst laufen sie auf. Das macht den Transport von Gütern schwieriger und teurer. Zum Teil wird er auf die Straße oder die Schiene verlagert. Andere Waren stapeln sich dort, wo sie gerade sind – sei es im Seehafen von Rotterdam oder in den Lagern der Unternehmen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Schuld am Niedrigwasser sind vor allem die fehlenden Niederschläge im November und Dezember. Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes war allein der Dezember mit rund 25 Litern je Quadratmeter viel zu trocken – 65 Prozent unter Soll. Schon seit September seien die Pegelstände nicht optimal für die Binnenschifffahrt, sagt Martin Staats, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB). Dabei ist der Rhein die wichtigste Binnenwasserstraße Europas überhaupt. "Über ihn und seine Nebenflüsse werden etwa 80 Prozent des Güterverkehrs mit Binnenschiffen in Deutschland abgewickelt", sagt Staats. Aber auch die Donau und die Elbe seien von dem untypischen Niedrigwasser betroffen. Besser sehe es bei stauregulierten Flüssen wie dem Main oder Kanälen aus.

          Großteil der Güter wird per Lastwagen transportiert

          Als besonders kritisch bei Niedrigwasser gilt der Rhein nahe Kaub und zum Teil auch bei Oestrich. In Kaub beträgt die Tiefe der Fahrrinne aktuell rund zwei Meter, weil die Pegelstände durch Niederschläge am Wochenende gestiegen sind. Noch am Freitag waren es 1,74 Meter und vor einer Woche im Tief sogar 1,63 Meter.  Normal seien dagegen drei bis vier Meter, sagt Bernhard Meßmer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bingen. "Dabei können viele Binnenschiffe nur 10 oder 20 Prozent ihrer Kapazität beladen", sagt Meßmer. Denn um flacher im Wasser zu liegen, müssen die Schiffer Ladung verringern. Die gefahrene Tonne Fracht wird teurer. Zum Ausgleich der höheren Kosten wird ein "Kleinwasserzuschlag" erhoben. Dieser Zuschlag steigt mit jedem Zentimeter, den der Wasserpegel sinkt.

          Auch in anderen Flussabschnitten ist es knapp. "Wir können die meisten unserer Schiffe nur noch zu einem Drittel beladen", sagt ein Sprecher des Logistikunternehmens Imperial Logistics. Daher muss häufiger gefahren werden, um Chemiefabriken, Kraftwerke und Hochöfen zu versorgen. Der Schiffstransport ist für Massengüter wie Kohle, Eisenerz oder Chemikalien normalerweise die preiswertere Variante. Auch Erdöl, Erdgas, Mineralölprodukte, Metallschrott, Getreide und Futtermittel oder Holz und Abfälle werden zu einem großen Teil auf dem Wasserweg befördert. Im gesamten Güterverkehr spielt die Binnenschifffahrt jedoch nur eine Nebenrolle: Knapp vier Fünftel aller Güter werden in Deutschland mit dem Lastwagen befördert. Und nur 5 Prozent entfallen auf Binnenschiffe. Neben dem sogenannten Schüttgut werden damit oft auch Container oder Fahrzeuge transportiert.

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