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Wettbewerbsfähigkeit Irland schafft die Wende, Griechenland nicht

Während sich Irland unter den Krisenländern wacker schlägt, gelingt Griechenland die Wende bislang nicht. Auch in Spanien, Italien und Portugal geht der notwendige Anpassungsprozess nur schleppend voran.

© dapd Im Jahr 2010 blieben die Preisentwicklungen der meisten Krisenländer unterhalb der des Euro-Durchschnitts, nur Irland hat es geschafft, die Preise für selbst erzeugte Waren zu senken

Damit Europas Krisenländer an der Peripherie wirtschaftlich wieder auf die Füße kommen, müssen sie ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Neuere Daten zeigen, dass Irland die ökonomische Wende schaffen kann, während Griechenland hinterherhinkt. Die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Peripherie hat darunter gelitten, dass die Lohnstückkosten über Jahre rasant gestiegen sind. Im ersten Jahrzehnt nach Beginn der Währungsunion legten sie in Griechenland um gut 40 Prozent zu, in Irland sogar um bis zu 50 Prozent, in Spanien, Portugal und Italien um mehr als 30 Prozent. Dagegen stiegen die Lohnstückkosten in Deutschland nur sehr moderat um 7 Prozent. Die Folge: Die Produkte der Peripherie wurden auf dem Weltmarkt zu teuer, der Export fiel weit hinter den Import zurück.

Philip Plickert Folgen:

Um aus der Krise herauszukommen und wieder international wettbewerbsfähig zu werden, müssten die Produktionskosten langsamer steigen oder sogar sinken. Sie würden dann „real abwerten“, wie es in der Ökonomensprache heißt. Dann könnten diese Länder mehr exportieren und ihr Leistungsbilanzdefizit abbauen. Der notwendige Anpassungsprozess geht aber nur schleppend voran. „Die Wirtschaftsstruktur eines Landes ist sehr träge“, sagt Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel.

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Irland als Vorbild für die Krisenstaaten

Im Jahr 2010 blieben die Preisentwicklungen der meisten Krisenländern - ausgedrückt im sogenannten BIP-Deflator - unterhalb der des Euro-Durchschnitts. Neuere Zahlen des europäischen Statistikamtes Eurostat zeichnen aber ein verschlechtertes Bild. Einzig Irland hat es geschafft, die Preise für selbst erzeugte Waren zu senken, im dritten Quartal 2011 um 1,6 Prozent unter den Vorjahresstand.

Das Land sticht auch dadurch hervor, dass es die Umkehr zu einer positiven Leistungsbilanz geschafft hat: 2008 betrug sein Defizit noch 5,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), im vergangenen Jahr erzielte es erstmals seit längerem einen leichten Überschuss. Und nach drei Rezessionsjahren ist die irische Wirtschaft 2011 leicht gewachsen.

Sorgenkind Griechenland

Hingegen gelingt Griechenland die Wende bislang nicht. Sein Leistungsbilanzdefizit betrug 2008 rund 14 Prozent des BIP. Von diesem sehr schlechten Wert, der international in entwickelten Ländern als einmalig gilt, hat es sich bislang nur schleppend entfernt. Im vergangenen Jahr betrug das Leistungsbilanzdefizit nach Angaben des Internationalen Währungsfonds 8,4 Prozent des BIP, obwohl die Wirtschaft dramatisch geschrumpft ist (seit 2009 um ungefähr 15 Prozent).

Inzwischen wird das Defizit hauptsächlich finanziert durch internationale öffentliche Kredite und die Target-Kredite im Eurosystem. Die Preisentwicklung gibt ebenfalls nicht viel Anlass zu Optimismus: Im ersten Quartal 2011, so die jüngsten verfügbaren Daten, zeigte der BIP-Deflator einen Anstieg um 0,4 Prozent an, nur geringfügig weniger als im Euro-Durchschnitt.

Infografik / Anstieg der Lohnstückkosten © F.A.Z. Vergrößern Die Lohnstückkosten in den Euro-Krisenländern sowie in Deutschland haben sich seit 2000 sehr unterschiedlich entwickelt.

Unterschiedliche Erklärungsansätze

Der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, vermutet, dass die Exporteure in Griechenland zu schwach sind und sich eine starke Lobby von Importeuren gegen eine deutliche Senkung von Preisen stemme. IfW-Ökonom Langhammer hat eine andere Erklärung: Während Irland einen großen Sektor mit international gehandelten Gütern hat und damit im rauhen Preiswettbewerb des Weltmarkts steht, hat Griechenland „einen riesigen Sektor nichthandelbarer Güter, vor allem den aufgeblähten öffentlichen Dienst“.

Und der ist vom internationalen Preiswettbewerb nicht tangiert. Ein besserer Indikator als der BIP-Deflator seien indes die Lohnstückkosten, meint Langhammer. Hier zeigt sich zwar, dass Griechenland die Zügel anzieht: Seit Anfang 2009 sind die Löhne relativ zur Produktivität um rund 3 Prozentpunkte gesunken. Das Land ist damit aber immer noch weit davon entfernt, die Wettbewerbsfähigkeitslücke zum Ausland zu schließen.

Quelle: F.A.Z.

 
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