http://www.faz.net/-gqe-75kem
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.01.2013, 12:27 Uhr

Wettbewerbsbeschränkung Thyssen Krupp tappt bei Kosten für Schienenkartell im Dunkeln

Wie viel Schadenersatz von Thyssen Krupp verlangt werden wird, ist dem Traditionskonzern weiterhin nicht bekannt. Neben der Bahn drohen aber offenbar viele kommunale Verkehrsbetriebe mit Forderungen.

© AFP Thyssen Krupp wird das Schienenkartell nicht los.

Der Thyssen Krupp -Konzern kann wegen der Teilnahme am Schienenkartell noch lange keinen Schlussstrich ziehen. „Es gibt keine bezifferten Forderungen gegen uns“, sagte ein Konzernsprecher am Montag. Allein die Deutsche Bahn hat in ihrer Klage gegen Thyssen Krupp und weitere Kartellmitglieder den Streitwert auf 550 Millionen Euro beziffert. Zudem bereiten kommunale Verkehrsbetriebe Schadenersatzklagen vor. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete ohne Angaben von Quellen, dass in weit mehr als 100 Fällen Nahverkehrsgesellschaften aus ganz Deutschland Opfer des Kartells geworden sein sollen.

Dies bestätigte weder das Bundeskartellamt noch die Staatsanwaltschaft Bochum, die in dem Fall die Ermittlungen führt. Es werde geprüft, ob neben der Bahn auch weitere Betriebe geschädigt worden seien, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft lediglich. Die Ermittler wollten aber keine Angaben machen, um welche Betriebe es sich handele und um wie viele. Wie lange die Ermittlungen noch dauern werden, sei offen. „Es gibt keinen Zeithorizont“, sagte auch eine Sprecherin des Bundeskartellamts. Die Behörde hatte im Sommer des vergangenen Jahres Thyssen Krupp sowie das österreichische Stahlunternehmen Voestalpine und den Bahntechnikkonzern Vossloh wegen des Schienenkartells zu einer Strafe von 124,5 Millionen Euro verdonnert. Thyssen Krupp musste mit 103 Millionen Euro den Löwenanteil zahlen.

3 Millionen Euro Schaden bei der Rheinbahn Düsseldorf

Der Konzern hatte nach den Vorfällen in seiner Tochtergesellschaft GfT Gleistechnik eigenen Angaben zufolge sämtliche Kunden über die Ermittlungen und ihre mögliche Betroffenheit informiert. Das Unternehmen entließ mehrere Manager und Mitarbeiter und prüft Schadenersatzforderungen gegen diese. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will nach den Kartellfällen und Korruptionsvorwürfen im Unternehmen aufräumen. „Es herrschte bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hatte er kritisiert.

Die Schadenersatzforderungen kommunaler Verkehrsbetriebe dürften sich mindestens auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Allein die Rheinbahn aus Düsseldorf hatte den möglichen Schaden auf drei Millionen Euro beziffert.

Mehr zum Thema

In Deutschland gibt es Dutzende kommunale Verkehrsbetriebe, aber nur wenige Schienenhersteller. Die Zahl von mehr als 100 Schadensfällen könnte daher schnell erreichbar sein, da es pro Unternehmen je nach Zahl der Aufträge viele Fälle geben könnte. „Es gibt einen Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen“, sagte ein Sprecher des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dem mehr als 70 Straßenbahn-, U-Bahn und Stadtbahnunternehmen angehören. „Wir warten auf eine Entscheidung des Bundeskartellamts.“ Bislang sei offen, über welchen Zeitraum die Unternehmen womöglich geschädigt worden seien. Erst dann könne es Klarheit geben.

Quelle: RTR

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Streit um Rennbahn Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Politiker

Hat die Stadt Frankfurt das Rennbahn-Gelände dem DFB weit unter Wert angeboten? Die Staatsanwaltschaft ermittelt gleich gegen zwei Frankfurter Politiker. Mehr

20.05.2016, 15:50 Uhr | Rhein-Main
Frankreich Brutaler Angriff auf Polizisten in Paris

Am Mittwoch kam es in Paris bei einer Demonstration gegen die umstrittene Arbeitsmarktreform zu Ausschreitungen mit der Polizei. Gewalttätige Demonstranten haben dabei einen Polizeiwagen angegriffen und in Brand gesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Mehr

19.05.2016, 14:16 Uhr | Gesellschaft
Millionen-Betrug einer Schule List mit der Lusd

In Frankfurt erschlich sich eine Grundschule Gelder in Millionenhöhe, weil sie beim Land Hessen falsche Schülerzahlen angab. So trickste die Freiligrathschule die Datenbank aus. Mehr Von Matthias Trautsch

21.05.2016, 09:33 Uhr | Rhein-Main
Unique Pink Ein rosa Diamant für 28 Millionen Euro

Der rosa Diamant Unique Pink ist für 28 Millionen Euro versteigert worden. Der auf einem Ring eingefasste Diamant wird wegen seiner außerordentlichen Klarheit und reinen Struktur geschätzt. Mehr

18.05.2016, 15:29 Uhr | Gesellschaft
Tarifeinigung Das Plus im Geldbeutel und die Folgen

Die beiden größten Lohnrunden dieses Jahres sind abgeschlossen. Bei den Beschäftigten landet mehr im Geldbeutel. Aber Lohnsteigerungen bergen auch die Gefahr höherer Arbeitslosigkeit. Warum diese gar nicht so gering ist. Mehr Von Dietrich Creutzburg, Berlin

13.05.2016, 12:17 Uhr | Wirtschaft

Das Weihnachtsgeld ist kein fauler Trick

Von Hendrik Wieduwilt

Zählt das Weihnachtsgeld zum Gehalt – oder ist es nur ein fauler Trick, um den Mindestlohn zu umgehen? Die Arbeitsrichter haben eine gute Entscheidung getroffen. Mehr 7 10


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 65

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden