Home
http://www.faz.net/-gqe-75kem
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Digitale Exzellenz

Wettbewerbsbeschränkung Thyssen Krupp tappt bei Kosten für Schienenkartell im Dunkeln

Wie viel Schadenersatz von Thyssen Krupp verlangt werden wird, ist dem Traditionskonzern weiterhin nicht bekannt. Neben der Bahn drohen aber offenbar viele kommunale Verkehrsbetriebe mit Forderungen.

© AFP Vergrößern Thyssen Krupp wird das Schienenkartell nicht los.

Der Thyssen Krupp -Konzern kann wegen der Teilnahme am Schienenkartell noch lange keinen Schlussstrich ziehen. „Es gibt keine bezifferten Forderungen gegen uns“, sagte ein Konzernsprecher am Montag. Allein die Deutsche Bahn hat in ihrer Klage gegen Thyssen Krupp und weitere Kartellmitglieder den Streitwert auf 550 Millionen Euro beziffert. Zudem bereiten kommunale Verkehrsbetriebe Schadenersatzklagen vor. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete ohne Angaben von Quellen, dass in weit mehr als 100 Fällen Nahverkehrsgesellschaften aus ganz Deutschland Opfer des Kartells geworden sein sollen.

Dies bestätigte weder das Bundeskartellamt noch die Staatsanwaltschaft Bochum, die in dem Fall die Ermittlungen führt. Es werde geprüft, ob neben der Bahn auch weitere Betriebe geschädigt worden seien, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft lediglich. Die Ermittler wollten aber keine Angaben machen, um welche Betriebe es sich handele und um wie viele. Wie lange die Ermittlungen noch dauern werden, sei offen. „Es gibt keinen Zeithorizont“, sagte auch eine Sprecherin des Bundeskartellamts. Die Behörde hatte im Sommer des vergangenen Jahres Thyssen Krupp sowie das österreichische Stahlunternehmen Voestalpine und den Bahntechnikkonzern Vossloh wegen des Schienenkartells zu einer Strafe von 124,5 Millionen Euro verdonnert. Thyssen Krupp musste mit 103 Millionen Euro den Löwenanteil zahlen.

3 Millionen Euro Schaden bei der Rheinbahn Düsseldorf

Der Konzern hatte nach den Vorfällen in seiner Tochtergesellschaft GfT Gleistechnik eigenen Angaben zufolge sämtliche Kunden über die Ermittlungen und ihre mögliche Betroffenheit informiert. Das Unternehmen entließ mehrere Manager und Mitarbeiter und prüft Schadenersatzforderungen gegen diese. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will nach den Kartellfällen und Korruptionsvorwürfen im Unternehmen aufräumen. „Es herrschte bei einigen die Ansicht vor, dass Regeln, Vorschriften und Gesetze nicht für alle gelten“, hatte er kritisiert.

Die Schadenersatzforderungen kommunaler Verkehrsbetriebe dürften sich mindestens auf einen zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Allein die Rheinbahn aus Düsseldorf hatte den möglichen Schaden auf drei Millionen Euro beziffert.

Mehr zum Thema

In Deutschland gibt es Dutzende kommunale Verkehrsbetriebe, aber nur wenige Schienenhersteller. Die Zahl von mehr als 100 Schadensfällen könnte daher schnell erreichbar sein, da es pro Unternehmen je nach Zahl der Aufträge viele Fälle geben könnte. „Es gibt einen Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen“, sagte ein Sprecher des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), dem mehr als 70 Straßenbahn-, U-Bahn und Stadtbahnunternehmen angehören. „Wir warten auf eine Entscheidung des Bundeskartellamts.“ Bislang sei offen, über welchen Zeitraum die Unternehmen womöglich geschädigt worden seien. Erst dann könne es Klarheit geben.

Quelle: RTR

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Zamek-Gläubiger dürften leer ausgehen

Die Anleihengläubiger der MS Deutschland werden wohl nicht alles zurückerhalten. Die der Deutschen Forfait stimmen dem Sanierungskonzept im wesentlichen zu. Mehr

25.02.2015, 13:24 Uhr | Finanzen
Ruhrgebiet Aus alt mach neu

Früher stand das Ruhrgebiet für Kohle und Stahl, heute sind es Arbeitslosigkeit und leere Stadtkassen. Doch es gibt auch Lichtblicke im drittgrößten industriellen Ballungsraum Europas: neue Gewerbeansiedlungen auf alten Brachflächen, runderneuerte Wohngebiete. Unternehmen wie Evonik oder Thyssen-Krupp haben die Wandlung mit vorangetrieben. Mehr

17.12.2014, 09:20 Uhr | Wirtschaft
Eintrittskarten für Konzerte Tickethändler Eventim im Visier des Kartellamts

Das Kartellamt hat ein Verfahren gegen den Tickethändler CTS Eventim eingeleitet. Laut einem Medienbericht soll unter anderem geprüft werden, ob Veranstalter möglicherweise unter Druck gesetzt wurden, ihre Tickets online bei Eventim zu verkaufen. Mehr

22.02.2015, 13:58 Uhr | Wirtschaft
Rundgang Linssen Grand Sturdy

Ein Video-Rundgang auf der Linssen Grand Sturdy, dem nagelneues 1,5-Millionen-Euro-Flaggschiff des Unternehmens. Alles sehr gediegen, sehr praktisch, traditionell durch und durch. Niederländischer geht es nicht. Mehr

10.02.2015, 17:00 Uhr | Technik-Motor
Fernbusse Deutsche Bahn baut ihr Fernbus-Angebot aus

Der Fernbus-Markt ist hart umkämpft. Nun will die Deutsche Bahn verstärkt mitmischen: Der Konzern will seine Fernbus-Verbindungen bis Ende 2016 vervierfachen. Mehr

23.02.2015, 15:56 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.01.2013, 12:27 Uhr

Immer auf die Wirtschaft

Von Heike Göbel

Nach der Frauenquote geht es zügig weiter mit der wirtschaftsfeindlichen Regulierungsfreunde: Jetzt sollen Frauen gerechter entlohnt werden. Die Realität stört da bloß. Mehr 3 26


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Milliardenschwere Startups

Ein Startup, das eine Milliarde Dollar wert ist - ist das noch eine Besonderheit? Scheint nicht so. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden