27.07.2005 · Die Deutsche Post steht kurz davor, ihrem stolzen Namenszusatz „World Net“ in der Bilanz alle Ehre zu machen. Wenn Vorstandschef Klaus Zumwinkel am Donnerstag die Halbjahreszahlen bekanntgibt, könnte der Auslandsanteil am Konzernumsatz zum ersten Mal die Marke von 50 Prozent übersteigen.
Von Helmut BünderDie Deutsche Post steht kurz davor, ihrem stolzen Namenszusatz „World Net“ in der Bilanz alle Ehre zu machen. Wenn Vorstandschef Klaus Zumwinkel am Donnerstag die Halbjahreszahlen bekanntgibt, könnte der Auslandsanteil am Konzernumsatz zum ersten Mal die Marke von 50 Prozent übersteigen. Zehn Jahre nach Beginn der Privatisierung präsentiert sich die einst behäbige Behörde als internationaler Konzern, dessen Netz den gesamten Globus umspannt. Die Expreßsparte DHL liefert ihre Pakete in Nordamerika genauso aus wie in Singapur, die Postlogistik versorgt mit Schiff- und Luftfracht Kunden auf allen Kontinenten, und Global Mail, die internationale Briefsparte, liefert weltweit Briefe und Telegramme.
Wirtschaftlich geht es der Post glänzend. Vor allem dank der Einnahmen aus dem Börsengang der Postbank ist der Konzern frei von Finanzverbindlichkeiten; rund 5 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln warten auf Übernahmegelegenheiten. Doch die Gewinne, mit denen er die internationale Expansion und die unvermeidlichen Anlaufverluste wie die Durststrecke von DHL in Amerika finanziert, macht der gelbe Riese noch immer in erster Linie in Deutschland. Die beiden Hoffnungsträger Express und Logistik verdienen zusammen weniger als die Postbank (siehe: Postbank übertrifft Gewinnerwartungen), die mehrheitlich weiterhin im Besitz des Konzerns ist. Zumwinkel weiß, warum er alle Kaufofferten ausschlägt (siehe zuletzt: Ackermann macht der Postbank vergeblich Avancen).
Die Schönheitsfehler
Die wichtigste Einkommensquelle des Konzerns bleibt indes auf absehbare Zeit das Briefgeschäft. Unter der schützenden Hand des Staates bildet es eine sprudelnde Geldmaschine, die noch immer fast zwei Drittel des operativen Gewinns liefert. Wieviel davon aus dem inländischen Monopol und der vielgepriesenen "Global Mail" stammt, ist geheime Kommandosache. Zumwinkel weigert sich standhaft, seine Monopolgewinne offenzulegen. Genausowenig erfährt die Öffentlichkeit, wieviel die postalische Grundversorgung in Deutschland tatsächlich kostet, mit der die Politik und die Post die Exklusivlizenz für den Briefmarkt begründen.
Der zweite Schönheitsfehler, der das Ansehen des Global Player trübt, ist der politische Einfluß auf den Logistikkonzern. Als die staatseigene KfW im Juni einen Teil ihrer Postaktien verkaufte und die Staatsquote erstmals unter 50 Prozent fiel, feierte Zumwinkel den Beginn einer „neuen Ära“. Vor einigen Tagen hat sich der Bund von seinen letzten direkt gehaltenen Anteilen getrennt und sie ebenfalls bei der KfW für eine spätere Plazierung an der Börse zwischengeparkt. Das Institut verfügt nun über knapp 45 Prozent der Postaktien. Frühestens im Mai kommenden Jahres darf es weitere Anteilsscheine verkaufen. Dennoch hofft Zumwinkel, daß es gelingt, den gesamten Bestand bis zur völligen Liberalisierung des deutschen Briefmarktes Ende 2007 zu plazieren. Der Zeitplan scheint gewagt. Ein solches Angebot in so kurzer Frist würde der Kurs der Postaktie wohl kaum ohne Blessuren überstehen. Eine Aktiengesellschaft wie jede andere ist die Post also noch längst nicht. Und selbst nach einem völligen Rückzug des Staates aus dem Kreis ihrer Eigentümer wird sie noch auf Jahre hinaus ein politisches und politisiertes Unternehmen bleiben.
Wie kaum ein anderer deutscher Konzern steht die Post im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Privatisierung hat die hohen Ansprüche an die Allgegenwart ihrer Dienstleistungen kaum verringert. Es ist noch immer die gute alte Bundespost, die das Denken vieler Postkunden bestimmt. Jeder abgehängte Briefkasten provoziert einen Sturm der Entrüstung. Als die Post kürzlich öffentlich darüber nachdachte, nach dem Auslaufen ihres Monopols die Briefzustellung am Samstag zu beenden, sah sich Zumwinkel höchstpersönlich genötigt, die Volksseele zu beruhigen. Die meisten Deutschen schreiben zwar kaum noch Briefe. Aber wenn der Postmann nicht mehr regelmäßig klingelt, scheint für viele die Welt zusammenzubrechen.
Nicht aus der Regulierung entlassen
Auch wenn manche Reaktionen übertrieben sind: Die Politik wird die Post auch nach dem Auslaufen ihrer Exklusivlizenz für den Briefmarkt nicht aus der Regulierung entlassen. Bei einem Marktanteil von heute ungefähr 95 Prozent bleibt der Konzern auf viele Jahre hinaus das marktbeherrschende Unternehmen. Deshalb wird die Post auch in Zukunft die Hauptlast einer flächendeckenden Grundversorgung mit postalischen Diensten tragen müssen. Ob sie dann noch werktäglich jede Hallig und jedes Gehöft im Bayerischen Wald beliefern muß, ist vor allem eine Frage der Finanzierung. Die geltende Universaldienstleistungsverordnung endet mit dem Monopol Anfang 2008, und bisher hat sich noch keine Partei dazu geäußert, wie es weitergehen soll. Denkbar ist sowohl eine Fondslösung wie in Frankreich, bei der alle Postunternehmen und eventuell die Kommunen einzahlen, als auch ein Zuschlag auf die Portogebühren des Marktführers, der bisher als einziger über die Infrastruktur für die flächendeckende Versorgung verfügt. Zumwinkel geht es vor allem darum, das teure Filialnetz auszudünnen. Zur Zeit ist er gesetzlich verpflichtet, mindestens 12000 Einrichtungen, davon 5000 mit eigenem Personal, vorzuhalten, obwohl sich allenfalls ein Drittel davon rechnet.
Gewiß ist nur, daß sich manche Hoffnungen auf kurzfristig kräftig sinkende Preise nicht erfüllen werden. Ohne staatliche Aufsicht über die Preisgestaltung hätten Wettbewerber auf absehbare Zeit keine Chance, der Post Paroli zu bieten. Im Briefgeschäft erzielt der Konzern zur Zeit eine Rendite von mehr als sechzehn Prozent. Da wäre Luft genug nach unten, um sich unliebsame Konkurrenz vom Halse zu halten. Mit dem Ende der Exklusivlizenz muß allerdings auch das Mehrwertsteuerprivileg der Post verschwinden. Während die Konkurrenz die volle Umsatzsteuer bezahlt, braucht die Post im Brief- und in einem Teil des Paketgeschäftes keine Steuer abzurechnen. Auch das wird die Preise im Wettbewerb erst einmal nach oben treiben - jedenfalls für Privatkunden, Behörden und solche Unternehmen, die nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind. Richtig ist es dennoch, um endlich gleiche Chancen für alle auf dem Postmarkt zu schaffen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2467 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 106,35 $ | −0,47% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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