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Veröffentlicht: 02.11.2012, 16:40 Uhr

Werner Müller Da ist er wieder

Der frühere Energiemanager und Bundeswirtschaftsminister Werner Müller hat sich auf den Vorsitz der RAG-Stiftung vorbereitet. Er raucht kaum noch und geht ins Fitnessstudio.

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© dpa Werner Müller

Kurz vor Weihnachten im Jahr 2008 verabschiedete sich Werner Müller von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Spezialchemiekonzerns Evonik. Es gab Kaffee, Kuchen und tiefen Abschiedsschmerz in der Zentrale in Essen. Seither hat Müller das Verwaltungsgebäude nicht mehr betreten.

Diesen Rückzug hat der damals 62 Jahre alte Kettenraucher gelegentlich mit zunehmenden Atemproblemen beim geliebten Bergwandern erklärt. Näherliegender ist, dass der Energiemanager über die Tagesarbeit als Vorstandsvorsitzender der abgespaltenen Evonik Industries AG gefrustet gewesen ist. Für sein Lebenswerk, dem Ende 2007 gesetzlich geregelten Stiftungs-Börsengangskonzept zur Einstellung des deutschen Steinkohlebergbaus, wurde ihm die Krone, der Stiftungsvorsitz, verwehrt. Und die Aufgabe, die sich zu einem Chemiekonzern wandelnde Evonik fit für die Börse zu machen, war für einen ausgewiesenen Strategen wie ihn keine echte Herausforderung mehr.

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Vier Jahre später ist Müller der einzige Kandidat, auf den sich alle Interessengruppen rund um die RAG-Stiftung als neuen Vorstandsvorsitzenden verständigen können. Wieder einmal hat der in Wirtschaft und Politik geübte Volkswirt und promovierte Sprachwissenschaftler sein Geschick als Stehaufmännchen bewiesen. Müller pflegt die Zusammenarbeit mit Menschen gleicher Wellenlänge und schätzt Zeitgenossen, die - wie er selbst - clever um die Ecke denken können. In einem solchen Klima hat sich der gebürtige Essener nach dem Eintritt in die Stromwirtschaft im Jahr 1973 und während seiner Zeit als parteiloser Bundeswirtschaftsminister im ersten Kabinett von Gerhard Schröder (SPD) ein starkes Netzwerk geschaffen. Im Kollegenkreis hat der geübte Rhetoriker und Querdenker den Konflikt hingegen immer wieder geradezu provoziert.

Fit für den Stiftungsvorsitz

Als Müller 2003 die Leitung des Steinkohlekonzerns RAG übernahm und sich mit Elan daranmachte, eine Lösung für die in Deutschland weitverbreitete Abneigung gegen Kohlesubventionen zu entwerfen, hatte er einen Gegner unterschätzt. Schon im Wahlkampf 2005 machte er sich den später zum Ministerpräsidenten in Düsseldorf gewählten Jürgen Rüttgers (CDU) zum Erzfeind. Die Zustimmung des Kohlelandes Nordrhein-Westfalen zum Stiftungskonzept kostete ihn schließlich 2007 den Stiftungsvorsitz. Vorübergehend, wie man jetzt sieht.

Die schwarz-gelbe Koalition musste in Düsseldorf der rot-grünen Landesregierung weichen. Und die Freunde, die sich Müller mit seinem Stiftungskonzept gemacht hat, können sich niemand Besseren vorstellen als Müller, um die von ihm vorbereitete Aufgabe, die sozialverträglichen Zechenstilllegungen, zu Ende zu führen. Vor allem die Bergarbeitergewerkschaft IG BCE verdankt ihm eine bis 2018 gestreckte Stilllegung aller Zechen. Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis hat schon vor Monaten erklärt, dass nur Müller wegen seiner intimen Kenntnisse aus der Zeit im RAG-Konzern das Zeug für das Stilllegungsprojekt habe.

Nur noch eine Zigarette am Abend

In dem vor gut einem Jahr entbrannten politischen Streit über Müller sind nach und nach auch seine Gegner in CDU und FDP mürbe geworden. Die Kritik, Müller könne das Stiftungsvermögen satzungswidrig für Strukturpolitik einsetzen, ist verstummt. Selbst die Opposition in Düsseldorf gibt sich überzeugt, dass die Stiftungssatzung diesen Handlungsspielraum nicht bietet.

Niemand kann Müllers fachliche Qualitäten leugnen. Ernsthafte Gegenkandidaten hat es nicht gegeben. Und Müller hat sich auf die Aufgabe vorbereitet. Der stets dezent-elegant gekleidete Mann ist Stammkunde in einem Fitnessstudio, hat den Tabakkonsum auf eine abendliche Zigarre reduziert und die Zahl der gepflegten Essen am Abend erheblich eingeschränkt. Nun fühlt er sich fit für den Stiftungsvorsitz.

Quelle: F.A.Z.

 

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