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Werksschließung in Bochum Nokia will nicht diskutieren

17.01.2008 ·  Für das Bochumer Nokia-Werk sieht es düster aus. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hatte zwar angekündigt, nochmals mit der Konzernleitung zu sprechen, um die Schließung abzuwenden. Doch Nokia sieht keinen Verhandlungsbedarf.

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Trotz massiver Proteste in Deutschland hält der finnische Mobilfunkkonzern Nokia an seinen Plänen zur Schließung der Bochumer Handy-Fabrik fest. Unternehmenssprecherin Arja Suominen sagte der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag: „Unsere Entscheidung basiert auf Fakten und ist nach sehr gründlichen Erwägungen getroffen worden.“ Der Konzern wolle jetzt schnellstmöglich mit den Beschäftigten über die Einzelheiten der Stilllegung verhandeln.

Die Sprecherin betonte, das Unternehmen sei natürlich zu Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern und Politikern bereit. Es habe auch bereits Kontakte mit der deutschen Bundesregierung und der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gegeben (Siehe Rüttgers will Nokia-Werk retten). Doch habe dies nicht zu einer Änderung der Pläne geführt.

Rüttgers Hoffnung zerstoben

Mit ihrer Erklärung dämpfte die Nokia-Sprecherin Hoffnungen auf einen Erhalt des Werkes, die in Bochum durch den Einsatz der Landesregierung geweckt worden waren. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hatte am späten Mittwochabend die Hoffnung geäußert, die Schließung in direkten Gesprächen mit der Geschäftsleitung des Nokia-Konzerns in Finnland noch verhindern zu können.

Der Unionspolitiker sagte im „heute journal“ des ZDF, die Landesregierung, die Stadt Bochum und der Betriebsrat würden in den nächsten Tagen eng zusammenarbeiten. Ziel sei es, der Nokia-Geschäftsleitung Veränderungen für das Werk in Bochum vorzuschlagen, um das Niveau der Herstellungskosten auf das in Ungarn übliche Maß zu senken. Dafür seien Veränderungen im Betrieb, bei der Produktion und bei der Arbeitsweise der Mitarbeiter notwendig. Die Nokia-Sprecherin erklärte allerdings, sie wolle über die Aussichten derartiger Pläne nicht spekulieren. Nokia hatte seine Stilllegungsentscheidung damit begründet, dass der Standort Bochum im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig sei.

Erste Rufe nach Nokia-Boykott

Unterdessen erhöhten Politiker fast aller Parteien weiter den Druck auf den finnischen Konzern. SPD-Fraktionschef Peter Struck nannte in der „Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung“ das Vorgehen des finnischen Konzerns „unanständig“. Mit der geplanten Werksschließung dürfe sich die Bundesregierung nicht abfinden.

Gleichzeitig wurden erste Rufe nach einem Nokia-Boykott laut. Der DGB-Landesvorsitzende von Rheinland-Pfalz, Dietmar Muscheid, sagte: „Wer heute ein Handy kauft, sollte bei seiner Kaufentscheidung bedenken, welche katastrophale Konsequenzen das Verhalten des Unternehmens in Bochum für Tausende von Mitarbeitern geschaffen hat.“

Auch Rüttgers forderte die Verbraucher in Deutschland indirekt auf, Partei für die Nokia-Beschäftigten zu ergreifen. Nokia solle die deutschen Kunden nicht unterschätzen, warnte er den finnischen Hersteller. Sie wüssten, wie man mit Menschen nicht umgehen solle. Man müsse sich „ein Stück wehren“.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, kündigte in der „Frankfurter Rundschau“ bereits an, künftig nicht mehr mit Handys von Nokia zu telefonieren. Das finnische Unternehmen müsse zu spüren bekommen, „dass dies in diesem Land nicht akzeptiert wird“, und dass es „einen Zusammenhang gibt zwischen der Sozialen Marktwirtschaft und der Absetzbarkeit von Produkten“. Wend, der selber bisher mit Nokia mobil telefoniert, unterstrich, er wolle sich „definitiv“ einen anderen Handy-Ausrüster suchen.

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