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Risikoabsicherung

Wenig Vermögen Wo ist das Geld der Deutschen hin?

Die Deutschen haben wenig Vermögen, das stimmt. Um aber den Wohlstand eines Landes zu würdigen, sollte man besser auf das Volkseinkommen blicken.

© ullstein bild Vergrößern Es darf aufgeatmet werden: Ein Volk der Golfspieler kann sich auch ruhigen Gewissens reich nennen

Der Titel klingt so aufregend wie ein Besuch auf dem Ordnungsamt: „Die Eurosystem Haushaltsbefragung zu Finanzen und Konsum. Ergebnisse der ersten Welle“. Doch der Studie sollte ein rotes Blinklicht angeheftet werden: Achtung, explosiv! Selten hat eine Untersuchung die Deutschen so erschreckt wie diese Studie der Europäischen Zentralbank. Denn die Forscher haben in einer aufwendigen Befragung ermittelt: Die Deutschen sind die Ärmsten im Euroraum. Der gewöhnliche Deutsche hat ein Vermögen von 51.400 Euro, während der gewöhnliche Italiener über 174.000 Euro, der Spanier über 182.700 und der Zyprer sogar über 266.900 Euro verfügt.

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Das ist ein Skandal. Denn die Deutschen hadern zwar mit ihrer Rolle als Euro-Retter. Aber sie hatten sich trotzdem daran gewöhnt, dass sie es sind, die dafür sorgen, dass Griechenland, Irland, Portugal und jetzt auch Zypern nicht bankrott gehen. Und jetzt sollen die kraftstrotzenden Retter Europas die ärmste Bevölkerung haben? Ärmer noch als die Bevölkerung der Länder, die unter den Rettungsschirm mussten? Kann das wahr sein?

So fragt sich das Land. Und das zu Recht. Schließlich hat jeder Tourist den Eindruck, dass Griechenland und Portugal eigentlich nicht wohlhabender sein können als Deutschland. Jetzt hat sich sogar Kanzlerin Angela Merkel in die Debatte eingeschaltet. In der „Bild“-Zeitung verkündete sie am Freitag, dass die Zahlen der EZB-Forscher „verzerrt“ seien und die Deutschen in Wirklichkeit reicher als untersucht.

Die Forscher messen das Vermögen - nicht den Wohlstand

Fest steht: Die Studie ist wissenschaftlich ziemlich korrekt. Doch fest steht auch, was der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, sehr nett formuliert: „Ich kann Sie beruhigen. Die Deutschen sind besser dran, als die EZB-Studie es nahelegt.“

Das liegt daran, dass die Forscher - erklärtermaßen - nicht den Wohlstand der europäischen Länder messen, sondern das Vermögen der Privathaushalte. Und das allein ist das falsche Maß, um zu urteilen, wie wohlhabend ein Land ist. Denn: „Für den Wohlstand eines Landes ist das Einkommen der Menschen relevanter als ihr Vermögen“, sagt Snower.

Infografik / Deutschland im Reichtumsranking Ranking nach Median-Vermögen, Durchschnittsvermögen und BIP je Einwohner © F.A.Z. Bilderstrecke 

Das liegt zum einen daran, dass Vermögen oft gebunden ist: Landwirte haben beispielsweise häufig ein hohes Vermögen in Form von Haus, Hof und Maschinen, aber es ist überhaupt nicht liquide. Das macht sie in der Statistik reicher als etwa ein Junganwalt, der 100 000 Euro im Jahr verdient, aber noch wenig gespart hat. Aber sind sie das wirklich?

Dazu kommt, dass der Wert der Vermögen häufig stark schwankt. Das betrifft nicht nur Aktien, sondern auch Anlagen, die viele Menschen für grundsolide halten. Gold etwa oder die Lieblings-Anlageklasse der Europäer: Häuser, die sie selbst bewohnen. Wenn es in einem Land einen Immobilienboom gibt, dann steigt das eigene Haus plötzlich stark an im Wert. „Aber dadurch haben die Menschen selten ein höheres Einkommen als vorher“, sagt Snower, „oder einen dementsprechend höheren Lebensstandard.“ Zumindest, solange sie ihr Haus nicht verkaufen oder beleihen. Wenn also Spanien einen Immobilienboom hat, Deutschland aber nicht, kommt es zu Verzerrungen, die nicht viel mit Wohlstand zu tun haben.

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