http://www.faz.net/-gqe-761d7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 25.01.2013, 11:58 Uhr

Weltwirtschaftsforum in Davos Draghi: Das Jahr, in dem der Euro neu gestartet wurde

Der Präsident der Europäischen Zentralbank lobt Fortschritte in der Euro-Krise, mahnt dazu, weiter die Haushalte auf Vordermann zu bringen und erwartet eine konjukturelle Belebung in der zweiten Jahreshälfte.

© AFP EZB-Präsident Mario Draghi

Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum wird in der zweiten Jahreshälfte anziehen. Diese Erwartung äußerte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Neben der Sicherung der Preisstabilität wichtigste strategische Aufgabe für die EZB in diesem Jahr sei es, die nach wie vor vorhandene finanzielle Fragmentierung im gemeinsamen Währungsraum überwinden zu helfen. “Wir müssen zurückkommen zu voll integrierten Finanz- und Kapitalmärkten“, sagte der EZB-Präsident im Gespräch mit dem früheren Direktor des Internationalen Währungsfonds, John Lipsky.

Ausdrücklich hervor hob Draghi, dass an den Finanzmärkten viel Vertrauen in die Währungsunion zurückgekehrt sei - dafür nannte er exemplarisch die gesunkenen Zinsabstände der Peripherieländer-Anleihen gegenüber Bundesanleihen wie auch die gestiegenen Aktienkurse. Was noch fehle, sei allerdings, dass sich diese Verbesserungen und „positiven Ansteckungseffekte“ an den Märkten in die Realwirtschaft hinein übertragen.

„Konsolidierung der Haushalte ist unvermeidlich“

Der Notenbankpräsident mahnte dabei auch an, dass die Konsolidierung der Staatshaushalte unvermeidlich sei, um nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Es gehe im Euroraum nicht um die Frage „Wachstum oder Austerität?“, sondern darum, wie die kurzfristige Kontraktion der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung infolge der Sparmaßnahmen abgefedert werden könne.

Mehr zum Thema

Draghi machte dazu drei Anmerkungen: Erstens sollten die Länder weiter versuchen, ihre Exporte zu steigern und darüber Arbeitsplätze zu schaffen. Zweitens sei wichtig, wie gespart werde - die üblicherweise ersten, unter hohem Stress auf dem Höhepunkt einer Krise eingeleiteten Einsparungen bestünden vor allem aus Steuererhöhungen und Kürzungen in den öffentlichen Investitionen; beides wirke sehr stark kontraktiv. Drittens lohne es sich nicht, Einsparungen hinauszuzögern oder zu zögerlich anzugehen - wichtig sei, zu Beginn mutige Entscheidungen zu treffen.

„Souveränität in Supranationalität“

Im Rückblick sagte Draghi, das vergangene Jahr 2012 sei das Jahr gewesen, „in dem der Euro neu gestartet“ wurde. Dazu beigetragen hätten die auf den Weg gebrachten Mechanismen und Reformen der Euroländer wie auch die Maßnahmen der EZB - die Notenbank brachte ein konditioniertes Staatsanleihekaufprogramm (OMT) auf den Weg, infolgedessen das am Markt wahrgenommene Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone merklich abnahm.

In die Zukunft gerichtet empfahl Draghi als „natürlich Weg“ mehr Kompetenzen auf Gremien oberhalb der Nationalstaaten zu verlagern. Durch die Finanzkrise und ihre Folgen sei zunächst viel Souveränität verloren gegangen und die Nationalstaaten an ihre Grenzen gelangt. Um die Handlungshoheit wiederzugewinnen, sollte die Souveränität supranational gebündelt werden - „so, wie wir das in der EZB heute schon machen“.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Monsanto-Übernahme Bauern machen gegen Bayer mobil

Die geplante Übernahme von Monsanto stößt nicht nur in Deutschland auf Widerstand. Amerikas Bauern-Präsident erklärt im Gespräch mit der F.A.Z., warum das so ist. Mehr Von Roland Lindner, New York

25.05.2016, 20:03 Uhr | Wirtschaft
Athen Griechisches Parlament billigt Einsparungen und Steuererhöhungen

Ungeachtet von Protesten hat das griechische Parlament die Pläne über neue Einsparungen und Steuererhöhungen am Sonntagabend abgesegnet. Die Mehrwertsteuer für bestimmte Produkte soll auf 24 Prozent erhöht, Benzin und Zigaretten teurer werden. Mehr

23.05.2016, 08:29 Uhr | Wirtschaft
Schäuble beim G7-Treffen Das Wichtigste sind Strukturreformen

Die Finanzminister der sieben wichtigsten Industrieländer haben beschlossen, wie sie die Weltwirtschaft ankurbeln wollen - ziemlich im Sinne der Deutschen. Auch Griechenland war Thema. Mehr

21.05.2016, 12:07 Uhr | Wirtschaft
Präsidentenwahlen Philippinen wählen neuen Präsidenten

Favorit bei den Präsidentenwahlen auf den Philippinen ist Rodrigo Duterte, ein Bürgermeister aus der Provinz, der offen mit der Auflösung des Parlaments gedroht hat, sollten die Abgeordneten seinem Kurs nicht folgen wollen. Seine Versprechungen sind groß: Er will innerhalb von sechs Monaten Drogenhandel, Kriminalität und Korruption beenden und mit Verbrechern kurzen Prozess machen. Mehr

09.05.2016, 15:18 Uhr | Politik
Griechenland-Krise Grexit? Kein Thema mehr

Die Zeit für Griechenland wird wieder mal knapp: Spätestens im Juli braucht Athen frisches Geld. Also alles wie im vergangenen Jahr? Nein, in Wahrheit ist es ganz anders: Griechenland wird nicht mehr aus der EU fliegen! Eine Analyse. Mehr Von Thomas Gutschker

16.05.2016, 21:14 Uhr | Politik
.