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Weltwirtschaftsforum : Die Power-Frauen erobern Davos

Herminia Ibarra (Businessschool Insead), Christine Lagarde (IWF), Drew Faust (Harvard-Präsidentin), Viviane Reding (EU-Kommissarin), Kevin Kelly ( Headhunter), Lubna Olayan (saudische Unternehmerin), Sheryl Sandberg (Geschäftsführerin Facebook) Bild: Swiss-Image

Das Schweizer Weltwirtschaftsforum wird weiblich: In Davos haben Frauen vor einigen Jahren noch in kleinen Nebenräumlichkeiten Gender-Themen erörtert, jetzt gehören ihnen die Hauptbühnen.

          In Davos hängt alles an einem kleinen Schild, dem Namensschild. Seine Farbe ist entscheidend auf dem Weltwirtschaftsforum, sie trennt Weltenlenker, Wirtschaftselite und Vordenker von den Zaungästen. Die echten Teilnehmer tragen weiße Schildchen mit blauem Streifen. Rosa und Orange gilt für die Presse, Dunkelblau für die Mitarbeiter des Forums und reines Weiß erhalten die Ehepartner. Weiß waren über Jahrzehnte vor allem Frauen, die ihre erfolgreichen Ehemänner für eine Woche in die Bergwelt begleiteten. So gesehen war Davos nie eine reine Männerveranstaltung.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das umfangreiche „Damenprogramm“, das der Gipfel für die Ehefrauen organisierte, war eine feine Sache: Sie konnten sich vergnügen bei Husky-Rennen, Kunst-Spaziergängen, Shopping-Ausflügen ins nahe St. Moritz oder - unter individueller Anleitung - auf den Skipisten. Sie durften auch, so sie denn wollten, die Diskussionsforen besuchen. Den Männern zuhören, wie sie die Welt erklärten und gedachten, sie besser und schöner zu machen. Nur selbst reden, das blieb ihnen in der Regel verwehrt. Die Bühne gehörte den Männern.

          Die Zeiten sind vorbei. Die wichtigsten Stimmen in Davos waren diesmal weibliche. Die von Christine Lagarde vom Internationalen Währungsfonds zum Beispiel, die der angereisten Bundeskanzlerin Angela Merkel und etlicher weiblicher Firmenchefs wie Marissa Mayer von Yahoo, Indra Nooyi (Pepsi) und Sheryl Sandberg, die First Lady vom kalifornischen Internetgiganten Facebook.

          Längst nicht mehr nur die Frauenfrage

          Geht man die Listen der mächtigsten Frauen der Welt durch - sie sind hier. Aus Deutschland trifft Ursula Piëch, neue Aufsichtsrätin von Volkswagen, auf Ann-Kristin Achleitner, künftige Munich-Re-Aufsichtsrätin, und Deutsche-Telekom-Vorstand Claudia Nemat.

          Die Alphafrauen sind die neuen Stars hier, tragen weiße Schilder mit blauem Streifen, sie dürfen reden, und zwar nicht irgendwo, sondern auf der Hauptbühne. Zudem beschränkt sich das Spektrum ihrer Expertise längst nicht mehr auf die Frauenfrage, sie äußern sich vielmehr zu allen Themen. Und die Männer hören zu.

          Die neue Stärke der Frauen spiegelt sich gar nicht mal in den Zahlen. Davos ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Quote allein nichts aussagt. Denn nur 17 Prozent der Teilnehmer sind weiblich, genauso viele wie 2011. Das ist zwar mehr als vor zehn Jahren, als Frauen auf keine neun Prozent kamen. Aber immer noch viel zu wenig, heißt es entschuldigend seitens des Veranstalters, der von einer 25-Prozent-Quote träumt. Die hat er in diesem Jahr abermals deutlich verfehlt. Auch auf den Podien kommt auf drei Männer nur eine Rednerin. Demnach wäre Davos also nach wie vor ein übler Platz für Frauen.

          Doch wer hier war, hat gemerkt, das Gegenteil ist der Fall: Die Frauen sind ins Zentrum der Macht vorgerückt. Längst haben sie das Damenprogramm, in das die Frauen einst abgeschoben waren, hinter sich gelassen. Zunächst tauchten sie vor einigen Jahren auf den Nebenschauplätzen auf, wo die Gender-Debatte geführt wurde. In kleinen Räumlichkeiten diskutierten sie das Thema lebhaft, aber unter sich, vor einer Handvoll Zuhörerinnen, während die Männer sich in den großen Sälen den wichtigen Themen widmeten - den Märkten, Finanzen, Ressourcen. Letztes Jahr schaffte das Thema „Women as the way forward“ es dann ins Zentrum der Debatte - auf die Hauptbühne.

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